Gründen ohne fremdes Kapital: Darum boomt Bootstrapping

Baron von Münchhausen zog sich der Sage nach selbst an seinem Schopf aus einem Sumpf. Das war vor rund 300 Jahren. Eine schöne Geschichte, aber eben auch an den Haaren herbeigezogen. Angelehnt an die Fabelgeschichte vom Baron in seinen feinen Stiefeln, feiert das „Bootstrapping“, vom englischen „Boostrap“ für „Stiefelriemen“ abgeleitet, aber heute eine Renaissance. Und zwar im ganz anderen Umfeld und – noch wichtiger – mit einem völlig ernsthaften und zutreffenden Grund. Bootstrapping bezeichnet eine Finanzierungsart der Unternehmensgründung, die komplett ohne externe Finanzierung funktioniert. Die Parallele zum einstigen Lügenbaron, nur hier eben ohne Täuschung: Bootstrapping beschreibt einen Prozess, bei dem Gründerinnen und Gründer bewusst auf externe Hilfe verzichten und ihre Unternehmen vollkommen eigenständig und mit eigenen Mitteln aufbauen und finanzieren.

Zinswende wird zur Keule für junge Firmen

Das klingt zunächst sehr merkwürdig. Denn überall in der Wirtschaftspresse liest man von Venture Capital oder Gründungskrediten. Doch in letzter Zeit mehren sich auch die Berichte über steigende Zinsen und damit steigende Finanzierungskosten für Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer. Viele Startups zittern nach Medienberichten bereits, wie und in welcher Kredithöhe es nach dem Auslaufen der ersten, vielleicht noch günstigen Konditionen mit den Krediten weitergeht. Nicht so die Bootstrapper: Durch die finanzielle Beschränkung lernen Gründerinnen und Gründer von vornherein sparsam und effektiv zu wirtschaften.

„Die Ausrichtung auf sofortige Profitabilität prägt unsere Geschäftsstrategie und Unternehmenskultur maßgeblich. Diese Vorgabe zwingt uns, auf Effizienz und Kostenbewusstsein zu achten und führt zu einer Unternehmenskultur, die Eigenverantwortung und pragmatisches Handeln hochhält. Unser Fokus liegt auf der schnellen Umsetzung rentabler Maßnahmen und dem Vermeiden riskanter Langzeitinvestitionen, um die direkte Profitabilität sicherzustellen“, sagen Alan Szymanek und Damian Prus. Die beiden sind die Geschäftsführer der Internet Up GmbH, die per Bootstrapping groß geworden ist. Die Internet Up GmbH ist ein schnell wachsendes E-Commerce-Unternehmen, das sich auf Performance Marketing spezialisiert hat. Als datengetriebenes Unternehmen kreiert, entwickelt und skaliert es Marken weltweit.

Unabhängigkeit bewahren, Flexibilität erhalten

Den beiden jungen Geschäftsleuten war klar, worauf sie sich einlassen, wenn sie alles aus eigener Finanzkraft stemmen. Vor allem beruhte ihr Entschluss darauf, dass sie komplett unabhängig bleiben wollten. Jede Kapitalaufnahme bedeutet schließlich immer einen Verlust an Unabhängigkeit. Szymanek und Prus: „Mit unserer langjährigen Erfahrung im E-Commerce und einem tiefen Verständnis dieser Branche war uns von Anfang an klar, dass wir unseren Weg eigenständig gehen können. Diese Unabhängigkeit bringt bedeutende Vorteile: Wir stehen nicht unter dem Druck von Investoren, haben die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, und können uns in Ruhe auf die Verwirklichung unserer Vision konzentrieren.“

Doch Bootstrapping bedeutet auch große Anforderungen an das Gründerteam. Und die fallen noch höher aus als bei fremdkapitalfinanzierten Firmen. Jeder Schritt will durchdacht sein, jeder Rückschlag muss möglichst vermieden werden. Die Chefs von Internet Up: „Bereits am Anfang wurde uns bewusst, dass jede Entscheidung eine hohe Qualität aufweisen muss, wahrscheinlich sogar höher als bei anderen Startups, die oft vieles einfach ausprobieren. Obwohl dies nicht bedeutet, dass wir auf ständiges Experimentieren verzichten, legen wir großen Wert darauf, professionell und gründlich vorzugehen. Jede Entscheidung wird von uns bis ins letzte Detail und aus verschiedenen Perspektiven sorgfältig durchdacht.“

Bei der Talentauswahl zählt der Team-Fit am meisten

Besondere Bedeutung kommt bei Bootstrapping-Firmen neben der Unternehmensstrategie auch der Personalpolitik zu. Fehlbesetzungen gerade in kleinen Teams können das ganze Uhrenwerk lahmlegen. Daher sind die Macher von Internet Up besonders wählerisch und achten auf den Team-Fit: „Bei der Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berücksichtigten wir nicht nur fachliche Qualifikationen, sondern auch, wie gut sie in unsere Unternehmenskultur und das bestehende Team passen. Wichtig waren uns auch Flexibilität und die Fähigkeit, sich schnell an verändernde Anforderungen anzupassen, um unser dynamisches Wachstum zu unterstützen.“

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