Vom Betonfertigteilhersteller zum Stadionbauer

Interview mit Simone Oberndorfer, Geschäftsführerin der Franz Oberndorfer GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Frau Oberndorfer, als größtes Betonfertigteilunternehmen Österreichs stellen Sie an sich den Anspruch, Ihre Kunden mit Speed, Convenience und Komplettlösungen dabei zu unterstützen Bauzeitverkürzungen zu realisieren – auf welchen Produkten liegt dabei Ihr Fokus?

Simone Oberndorfer: Bei den Produkten liegt der Fokus auf unseren Innovationen – die jüngsten Highlights sind die Holzverbunddecke und unsere thermisch aktivierten Deckensysteme zum Heizen und Kühlen. Die Holz-Beton-Verbund Decke ist der Rockstar unserer Premium Bauteile und vereint das Beste aus zwei Werkstoffwelten. Die Benefits für die Bauherren sind super attraktiv – grünes Bauen mit geringem CO2-Fußabdruck, ansprechende Deckenuntersicht in Wertholz, integriertes Heizen-Kühlen im Oberteil. Bauteilaktivierung ist die Schlüsseltechnologie für angenehmes Wohnklima und nachhaltige Raumkonditionierung. 

Hier bieten wir als Komplettanbieter bereits werkseitig eine einbaufertige Lösung nach dem Stand der Technik an, mit der speziell im Wohn-, Gewerbebau aber auch im Industriebau effizient geheizt und gekühlt werden kann. 

Neben unserem klassischen Element Portfolio - Decken, Wände, Hohldielen, konstruktive Fertigteile wie Träger, Stützen, Sandwichplatten promoten wir die Hohldiele als besonders nachhaltiges Produkt.

Die Kombination aus diesen Innovationen gepaart mit erstklassigem Service – von der Technik, Statik, Produktion, Pünktlichkeit bei Anlieferung und Montage bei gleichzeitiger Flexibilität bei Verschiebungen im Bauterminplan macht uns zum präferierten Partner im Fertigteilbau für unsere Kunden.

Beim Service ist das Thema Bauzeitverkürzung „the name of the game“. Jede Woche die ein Hotel, Einkaufszentrum oder ein Industrieprojekt früher in die Nutzung gehen kann, ist für die Eigner und Betreiber wertvolles Geld. Und genau an diesem Punkt spielen wir unsere 114 Jahre an Erfahrung und Innovationspower aus – mit Leidenschaft designte Hochleistungsfertigteile, die in einem exakt gesteuerten Prozess in der Fertigung zu Präzisionsteilen geformt werden und mit Einbauteilen den höchsten Vorfertigungsgrad erreichen, ermöglichen entscheidende Bauzeitverkürzungen.

Durch unsere 9 Werke in Österreich und 1 in Kroatien haben wir die Kapazitäten auf „Rush-Orders“ extrem schnell zu reagieren. Unsere TEAMs haben viele kleine Steve Jobs, die, so wie er vom iPhone, von der Auslieferung von ‘Premium’-Fertigteilen besessen sind. Mit diesem Paket aus Innovation, Qualität und Speed leisten wir für den Bau einen wertvollen Beitrag und differenzieren uns.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit insgesamt für Ihr Unternehmen?

Simone Oberndorfer: Neben der Produktinnovation ist Nachhaltigkeit der zweite strategische Schwerpunkt. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unseren CO2-Fußabdruck im Hinblick auf unsere Produkte, Prozesse und Baumaterialien kontinuierlich zu reduzieren. In diesem Zuge beschäftigen wir uns mit vielfältigen Ansätzen – von der Energierückgewinnung über die Rückführung des Betons in den Ressourcenkreislauf bis hin zu innovativen Werkstoffsynergien wie dem Holzbetonverbund.

Wirtschaftsforum: Vielen Stimmen zufolge gilt die Holzbauweise gegenüber dem Beton mit Blick auf die Nachhaltigkeitsbilanz inzwischen als überlegen.

Simone Oberndorfer: Ich wünsche mir in der medialen Berichterstattung wie in der politischen Entscheidungsfindung eine faire Bewertung der einzelnen Bauverfahren und Rohstoffe. Ich glaube, wir müssen aus dieser Wettbewerbssituation zwischen Holz und Beton herauskommen. Diese Polarisierung lenkt von den drängenden Fragen ab und führt nicht zu Antworten für eine nachhaltige Zukunft. Es geht jetzt darum, jeden Werkstoff dort einzusetzen, wo er das Anforderungsprofil in optimalen Maßen erfüllt. Ziel heute ist es, Bauwerke durch Vorfertigung und intelligente Werkstoffkombinationen schnell und kostengünstig zu errichten und Bausubstanzen herzustellen, die in 50 oder 150 oder 250 Jahren zurückgebaut und wieder verwertet werden können – und das mit minimalem Materialtrennungsaufwand. Das ist die Ingenieurskunst. Und das manifestiert sich, wie im Falle unserer Innovation Holzverbund Decke – als intelligenter Hybridbauteil. Die Untersicht aus Holzwerkstoffelementen in der Zugzone, schubfest verbunden mit der Stahlbetonplatte die in der Druckzone oben wirkt. Durch den Beton erhöhen sich die Tragfähigkeit und die Trittschalldämmung der Verbunddecke. Die thermische Kernaktivierung ermöglicht zudem effizientes Heizen und Kühlen.

 Wirtschaftsforum: Seit einigen Jahren hat Ihr Unternehmen noch ein neues Geschäftsfeld für sich entdeckt – den Bau von Sportstadien.

Simone Oberndorfer: Das LASK Stadion in Linz ist ein fantastisches Referenzprojekt geworden – ein echtes „Landmark Building“ wie die Architekten es gerne bezeichnen. Mittlerweile reicht unser Ruf bereits bis nach England und unser Know- how ist auch dort gefragt.

Das LASK Stadion war ein besonderes Herzensprojekt von uns, allein schon durch die langjährige Verbundenheit meines Vaters zum Verein. Was wir dort erreicht haben, macht unser gesamtes Team bis heute stolz – denn die Anforderungen an die Architektur und die Komplexität des Bauvorhabens waren enorm. Es waren viele Sonderteile der Extremliga und nur durch ein perfektes Zusammenspiel im OBERNDORFER TEAM zusammen mit allen Partnern gelang ein höchst professioneller Projektablauf. Insgesamt waren drei Produktionsstandorte sowie mehrere unserer technischen Planungsspezialisten unterschiedlichster Standorte an der erfolgreichen Umsetzung beteiligt, was mit einem komplexen Projektmanagement und einem ausdifferenzierten Controlling einhergehen musste. Durch feingliedrige Lean-Management-Prozesse konnten wir konsequent gewährleisten, dass die Kosten perfekt gemanagt wurden, als auch, dass stets die richtigen Bauteile aus dem richtigen Werk zur richtigen Zeit an die richtige Position an der Baustelle geliefert wurden. Eine effektive Kommunikation mit allen Stakeholdern war dabei das A und O.

Wirtschaftsforum: Wie stark schränkt der Fachkräftemangel Ihre weiteren Wachstumsambitionen ein?

Simone Oberndorfer: Als innovativer Marktführer und Familienunternehmen in 4. Generation sind wir ein attraktives Unternehmen im Herzen von Österreich mit starker werteorientierter Unternehmenskultur. Aber natürlich beschäftigt uns dieses Thema und es liegt stets im Fokus unserer Aufmerksamkeit, auch wenn sich aufgrund der rückläufigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nun wieder leichter Fachkräfte gewinnen lassen. Besonders im handwerklichen Bereich – vor allem bei Eisenflechtern, Elektrikern, Schlossern – gibt es in Österreich aber weiterhin spürbare Engpässe. Da müssen wir ansetzen, weshalb wir uns auch klar als starker Ausbildungsbetrieb verstehen. Wir eröffnen Menschen vom jungen Lebensalter an Perspektiven, die zu späteren Führungspositionen führen können.

Wirtschaftsforum: Welche Werte stehen im Zentrum Ihrer Unternehmenskultur?

Simone Oberndorfer: An erster Stelle steht für uns die Klarheit, dass jeder seine Aufgaben genau kennt und alle vertrauensvoll und wertschätzend miteinander umgehen – jeder unserer Mitarbeiter, insbesondere auf der Führungsebene, soll sich dabei als Vorbild und Botschafter begreifen. Wir teilen Informationen miteinander und kommunizieren offen, um klare Orientierungsmöglichkeiten für alle zu schaffen. Wir halten uns an Regeln und einmal getroffene Vereinbarungen und möchten unsere Mitarbeitenden wie unsere Kunden mit innovativen Ideen begeistern, die wir mit Leidenschaft entwickelt haben. Uns eint, dass wir an gemeinsamen Zielen und Aufgaben arbeiten wollen, in die sich jeder Einzelne mit seinen Stärken einbringen und dabei Verantwortung übernehmen kann. Dabei achten wir stets auf Menschen und Umwelt – die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeitenden hat für uns selbstverständlich stets oberste Priorität.

Wirtschaftsforum: Sie haben die Geschäftsführung 2020 in einer gesamtwirtschaftlich turbulenten Zeit angetreten – was hat Sie persönlich zu diesem Schritt bewogen?

Simone Oberndorfer: Ich glaube, das hat viel damit zu tun, wie man aufwächst. Schon in der Kindheit habe ich die Arbeitskraft, die Liebe und den Mut erkannt, die mein Vater dem Unternehmen mitgegeben hat. Ich war schon immer extrem nahe an den Mitarbeitenden – und bis heute gibt es Menschen in der Belegschaft, die ich von Kindesbeinen an persönlich kenne. Das wollte ich fortführen – und ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam mit unserem Team auch in der nächsten Generation ein Familienunternehmen bleiben werden.
 

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