„Ich liebe Krisenzeiten“
Interview mit Esat Turan, Geschäftsführer der EurAsia Finance GmbH
Wirtschaftsforum: Herr Turan, die Eurasia Finance ist seit 2003 am Markt. Wenn Sie auf die letzten zwei Jahrzehnte zurückblicken: Was waren die entscheidenden Impulse, die Ihr Unternehmen dorthin gebracht haben, wo es heute steht?
Esat Turan: Mein Hintergrund ist das Bankwesen. Ich war lange bei der deutschen Großbank im Bereich gewerbliche Immobilienfinanzierung tätig, mit einem Fokus auf die Türkei. 2003 wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit. Ein entscheidender Wendepunkt war das Jahr 2008. Damals brach ich meine Auslandsaktivitäten in Ländern wie der Türkei, Bulgarien oder England ab, um mich voll auf Deutschland zu konzentrieren. Ich bin zwar in der Türkei geboren, aber kulturell und geschäftlich tief in Deutschland verwurzelt. Die Mentalitätsunterschiede im Geschäftsgebaren waren ausschlaggebend für diesen Fokuswechsel.
Wirtschaftsforum: Sie haben damals, mitten in der Finanzkrise, begonnen, massiv in deutsche Immobilien zu investieren. War das nicht ein enormes Risiko?
Esat Turan: Ich sage oft mit einem Augenzwinkern: Ich liebe die Krisenzeiten. Während der Subprime-Krise brachen die Preise ein. Ich habe diese Gelegenheit genutzt, um antizyklisch zu agieren. Gemeinsam mit einem Partner baute ich im Rhein-Main-Gebiet ein Wohnportfolio von circa 30 Millionen EUR auf. Wir haben ganze Objekte gekauft, saniert und später als Gesamtpaket wieder veräußert. Die überproportionale Wertentwicklung in der Nullzinsphase war für mich ohnehin ungesund. Heute sehen wir, dass viele Privatkäufer aber auch institutionelle Investoren, die bei 0% Zinsen zu immens hohen Preisen gekauft haben, durch die Anschlussfinanzierung nun in Bedrängnis geraten.
Wirtschaftsforum: Aktuell sorgen Sie mit einem Großprojekt in Eschweiler für Aufsehen. 134.000 m2 Grundstücksfläche – wie kam es dazu?
Esat Turan: Das ist mein bisher größtes Projekt, was die Entwicklung betrifft. Es handelt sich um eine innerstädtische Baulücke, die über 20 Jahre lang blockiert war. 14 verschiedene Eigentümer mussten unter einen Hut gebracht werden. Große Namen der Branche sind dort gescheitert. Ich habe 14 Monate gebraucht, um alle Kaufverträge zu beurkunden. Die Stadt Eschweiler war entsetzt – im positiven Sinne –, dass es jemandem aus Idstein gelungen ist, dieses Knäuel zu lösen. Dort entstehen nun circa 300 Wohnungen und 250 Einfamilien-, Doppel- und Rheinhäuser. Besonders wichtig ist mir dabei der geförderte Wohnungsbau; ein Drittel der Fläche stellen wir dafür zur Verfügung.
Wirtschaftsforum: Ein weiteres prominentes Objekt in Ihrem Portfolio ist der ehemalige Kaufhof in Dortmund. Was reizt Sie an einer solchen „Problemimmobilie“?
Esat Turan: Es ist eine klassische Revitalisierung. Das Objekt war durch komplexe Erbpachtverträge aus den 1960er- und 1970er-Jahren belastet, die den Investoren heute auf die Füße fallen. Die Erbpachtzinsen fraßen bis zu 40% der Mieteinnahmen auf. Da wollte kein anderer Bieter ran. Ich habe den Insolvenzverwalter durch Transaktionssicherheit überzeugt. Innerhalb kürzester Zeit konnte ich mit fast allen Erbpachtgebern Einigungen erzielen. Das Ziel ist die Vollvermietung des Leerstands; wir haben bereits 80% der Flächen an namhafte Unternehmen vermietet.
Wirtschaftsforum: Trotz dieser Volumina bezeichnen Sie die Eurasia Finance als „Ein-Mann-Betrieb“. Wie funktioniert dieses Modell?
Esat Turan: Ich habe seit 2008 keine festen Mitarbeiter mehr. Ich arbeite rein mit externen Dienstleistern, Architekten und spezialisierten Büros zusammen. Das macht mich extrem flexibel und zum alleinigen Entscheidungsträger. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich meine Projekte nicht klassisch über Banken finanziere, sondern auf einen festen Pool privater Co-Investoren aus den USA, England und den Niederlanden zurückgreife. Diese Partner bringen zweistellige Millionenbeträge an Eigenkapital mit ein. Während in Deutschland vieles schlechtgeredet wird, sehen internationale Investoren nach wie vor das Potenzial unseres Standorts.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in der Zukunft?
Esat Turan: Die Struktur soll so bleiben. Ich möchte auf diesem Level weiterarbeiten, Probleme lösen, die andere liegen lassen, und dabei so wenig Zeit wie möglich in Gerichtssälen verbringen. Wir fangen dieses Jahr mit der Bebauung in Eschweiler an und entwickeln Dortmund gemeinsam mit meinen Partnern weiter.






