Effizienz und Sicherheit: 5 unverzichtbare Maßnahmen für moderne Unternehmen

Nicht nur auf Wohlverhalten setzen

Manches, was einen Betrieb sicher und effizient macht, basiert auf menschlichem Wohlverhalten. Etwa die bekannte Maßgabe, Treppen stets nur so beladen zu benutzen, dass eine Hand am Geländer verbleiben kann. Das Problem an solchen „menschlichen Sicherheitsbarrieren“ ist jedoch: der Mensch ist nun einmal nicht perfekt. Er ist müde, in Eile, unkonzentriert, denkt an zuhause, den nächsten Arbeitsschritt und noch vieles mehr. Daher ist Fehlverhalten allein bei 80 bis 95 Prozent aller Arbeitsunfälle hauptursächlich. Dahinter steht eine hochkomplexe Verkettung psychologischer Faktoren.

Maßnahmen, die auf Wohlverhalten setzen, sollten deshalb niemals ohne Backup oder Kontrolle bleiben. So könnte – um nur ein Beispiel zu nennen – das oben genannte Treppengeländer elektronisch unterstützt werden: Solange eine Hand über das Geländer gleitet, deutet ein grün leuchtender LED-Streifen dies weithin sichtbar an. Wird hingegen weiterhin eine Bewegung über die Stufen, aber keine Hand registriert, wechselt das Licht auf Rot – sichtbar für den Mitarbeiter, seine Kollegen und nicht zuletzt Vorgesetzte. Ähnlich, wie man es von Tempo-Anzeigen in manchen Innerorts-Straßen kennt.

Technisch wäre diese Maßnahme heutzutage höchst simpel und kostengünstig einzuführen. Definitiv würde sie jedem, der die Treppe benutzt, durch Eigen- und Peer-

Pressure das richtige Verhalten regelrecht aufzwingen. Und wenn nicht, gäbe es zumindest die Möglichkeit, Fehlverhalten sofort durch ein klärendes Gespräch abzustellen.

Ganz ohne Wohlverhalten geht es natürlich nie. Aber es sollte niemals der alleinige Entscheider über effiziente oder ineffiziente, sichere oder unfallträchtige Vorgehensweisen sein.

Besser mehr als weniger kennzeichnen

Aus der Gefährdungsbeurteilung geht – unter anderem – hervor, was Unternehmen wo in welcher Form warnend kennzeichnen müssen. Doch einmal mehr sei in diesem Text auf das Fehlerrisiko Mensch verwiesen. Dazu muss man nicht einmal exotische Beispiele bemühen: Hinter den meisten Geschwindigkeitsübertretungen samt davon ausgehenden Unfällen steht ein irgendwie geartetes Missachten der Beschilderung.

Zwar können Unternehmer nicht darauf hoffen, all jene zu überreichen, die solche Warnungen zwar sehen, aber aus unterschiedlichen Gründen mutwillig übersehen. Wohl aber gilt die berechtigte Hoffnung, irrtümliches Übersehen unterbinden zu können.

Dazu müssen Firmen primär in die Sicherheitskennzeichnung investieren. Tenor: Zahlreicher, größer, auffälliger – sichtbarer als das, was aus der Gefährdungsbeurteilung allein hervorgeht. Dabei sollte ebenso versucht werden, einem Gewöhnungseffekt entgegenzutreten: Irgendwann nimmt man das seit Jahren an derselben Stelle hängende Schild vielleicht nicht mehr wahr. Das ist der Augenblick, an dem es stets riskant wird.

Risiken durch Entschleunigung senken

Jeder Entscheider dürfte persönliche Erfahrungen mit jenen Tagen haben, an denen jede Stunde gefühlt höchstens 200 Minuten dauert und wirklich alles mach der Maxime „schnell, schnell“ erledigt werden muss. Sicher gibt es dann ebenso Erfahrungen mit den unerwünschten Nebenwirkungen, etwa:

• Unkonzentriertheit,
• Flüchtigkeitsfehler,
• unnötige Mehrarbeit,
• Zorn und am Ende
• Erschöpfung.

Jeder Mensch reagiert so, auf sämtlichen Hierarchieebenen. Hektik und zu großes Tempo wirken fast immer kontraproduktiv. Wenn nicht sofort, dann mittel- bis langfristig. Ganz ähnlich, wie eine Maschine vielleicht eine einmalige Überlastung verkraftet, aber bei mehrfacher Überbeanspruchung versagt.

Die Schwierigkeit liegt darin, dass es in vielen Abteilungen keine passende Trennung zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Stress gibt.

• Guter Stress, auch Eustress genannt, ist derjenige, der dem Unternehmen dient: Konzentrierte, schnell und sicher arbeitende Mitarbeiter, Arbeitsprozesse im perfekten und deshalb effizienten Fluss.
• Schlechter Stress, genannt Disstress, sorgt nur augenscheinlich für mehr Tempo. In Wahrheit entspricht er besagter Überbeanspruchung und erhöht dadurch die Fehlerwahrscheinlichkeit mit allen Risiken.

Die Folge: Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde alles perfekt und schnell laufen. In Wahrheit ist zumindest ein Teil der Mitarbeiter in einem hektischen Disstress-Modus, wodurch die Gefahr für kleine Fehler und große Arbeitsunfälle mit steigendem Zeitfaktor ansteigt.

Wirklich dagegen angehen lässt es sich nur, wenn durch unterschiedlichste organisatorische und personelle Maßnahmen in sämtlichen Auslastungsphasen entschleunigt wird. Wichtig dazu ist vor allem, dass niemals künstlicher oder zusätzlicher Druck erzeugt wird und Mitarbeiter aktiv angehalten werden, jede Aufgabe mit der gebotenen Ruhe und Zeit zu bearbeiten. Dabei kann es einmal mehr sehr helfen, wenn Arbeitsleistungen detailliert erfasst werden.

Klare Kommunikation mit festgelegten Standards etablieren

Einige der unfallträchtigsten Branchen der Welt wurden erheblich sicherer, nachdem national und sogar international verbindliche Kommunikationsregeln festgelegt wurden – teilweise bis hinab in erlaubte und untersagte Begrifflichkeiten. Eines der besten Beispiele dafür ist die Fliegerei, etwa die Kommunikation zwischen Cockpit und Tower bzw. Fluglotsen. Das heute hohe Sicherheitsniveau durch standardisierte Kommunikation wurde unter anderem durch viele Analysen und Nachbesserungen im Nachgang von Flugunglücken erreicht.

Viele moderne Unternehmen zeichnen sich durch eine überraschend ähnliche Vielzahl von Muttersprachen und Mundarten im Betrieb aus. In vielen Branchen gibt es zudem keine so umfangreiche Fachsprache mit feststehenden Begriffen, wie es in manchen Handwerken der Fall ist.

All das kann zumindest die Effizienz der täglichen Arbeit reduzieren, mitunter sogar Unfallgefahren heraufbeschwören. Entscheider sollten deshalb mit Nachdruck forcieren, dass es bei ihnen im Haus anders abläuft. Das bedeutet:

1. Es muss eine gemeinsame Sprache geben, die jedes Mitglied hinreichend gut beherrscht – nötigenfalls durch das Unternehmen darin geschult.
2. Zumindest für die wichtigsten Punkte der Arbeitsrealität müssen einheitliche, einzigartige Begriffe und Wortgruppen festgelegt werden.

Beides kann durchaus Aufwand und Kosten verursachen. Angesichts der potenziellen Schwere der Auswirkungen von Missverständnissen durch Misskommunikation sollten Verantwortliche beides in einem anderen Licht betrachten.

Klare Strukturen und Befehlsketten aufbauen

Nach wie vor kommt es in Betrieben täglich zu Situationen, in denen zwei Personen zwei unterschiedliche, mitunter sogar einander widersprechende Anweisungen geben. Kaum seltener passiert es, dass nicht klar ist, wer für was die tatsächliche Entscheidungsgewalt hat.

Zum letzten Mal in diesem Text gilt eine Maxime: Unklarheit, Intransparenz sind zwei der größten Quellen für Störungen jeglicher Art in einem Unternehmen. Sie sorgen für Verzögerungen, Fehler, Mehrarbeit, unnötige Kosten, können in letzter Instanz sogar Menschenleben fordern.

Eine der Maßnahmen, um das zu verhindern, ist Lean Management. Allerdings kann diese Philosophie bei aller erwiesenen Wirksamkeit auch nicht alles. Ebenso sollten Entscheider auf sämtlichen Ebenen jeden Tag daran arbeiten, bei allen Anordnungen für Transparenz und Freiheit von jeglichen Zweifeln zu sorgen – dazu genügt manchmal schon ein gut sichtbares Organigramm, aus dem ersichtlich ist, wer im Haus für was zuständig ist.

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