Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft: Datenqualität als Wettbewerbsfaktor

Digitalisierung verändert die Immobilienbranche nachhaltig

Digitale Technologien verändern Prozesse und Strukturen in der Immobilienwirtschaft. Studien von EY und dem Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) zeigen, dass digitale Datenverwaltung über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie zunehmend an Bedeutung gewinnt. Begriffe wie Data Lifecycle Management (DLM) stehen dabei im Mittelpunkt vieler Digitalisierungsstrategien. Ein Großteil der Unternehmen hat angekündigt, solche Systeme strukturiert einzuführen.

Gleichzeitig offenbaren Marktanalysen erhebliche Schwächen. Der Einsatz digitaler Anwendungen erfolgt häufig fragmentiert. Besonders auffällig ist der Mangel an verlässlichen, einheitlich strukturierten und auswertbaren Daten. Dadurch entstehen Informationslücken, die sich auf Vermietung, Verwaltung, Instandhaltung und Wertermittlung negativ auswirken. Datenqualität entwickelt sich daher zu einem eigenständigen Wettbewerbsfaktor.

Relevanz präziser Daten in der Immobilienbewirtschaftung

Die Anzahl der verfügbaren Informationen zu Immobilienobjekten steigt kontinuierlich. Neben baulichen Kennzahlen fallen auch Angaben zu Betriebskosten, Energieverbrauch, Mietentwicklungen und Nutzungsverhalten an. Diese Informationen entfalten jedoch nur dann einen konkreten Nutzen, wenn sie vollständig, aktuell und nachvollziehbar strukturiert sind.

Schlechte Datenqualität führt zu fehlerhaften Abrechnungen, falschen Prognosen und rechtlichen Risiken. Besonders bei der Flächenberechnung, der Abbildung von Heiz- und Nebenkosten sowie der Dokumentation von Marktwertveränderungen kommt es auf eine einheitliche Erhebung an. Auch bei ESG-Berichten und automatisierten Bewertungsverfahren ist die Datenbasis ausschlaggebend für die Aussagekraft.

Ein strukturiertes Datenmodell, das technische, wirtschaftliche und mietrechtlich relevante Informationen konsistent abbildet, verbessert die Entscheidungsgrundlagen für Verwalter, Eigentümer und Investoren.

Flächendaten als Fundament digitaler Prozesse

Die exakte Vermessung von Mietflächen bildet die Grundlage für zahlreiche Prozesse. Dazu zählen Vertragsgestaltung, Nebenkostenumlage und Wertermittlung. Eine normierte Berechnungsgrundlage erhöht die Vergleichbarkeit zwischen Objekten und minimiert Konflikte bei Abrechnungen oder Mietverhandlungen.

Die Mietflächenermittlung nach der aktuellen Richtlinie MF-GIF 2023 bietet hierfür eine praxistaugliche und branchenübergreifend akzeptierte Lösung. Die Methode schafft einheitliche Standards für die Erfassung und Zuordnung von Flächen in Gewerbe- und Wohnimmobilien. Durch eine professionelle Vermessung lassen sich digitale Gebäudemodelle, Facility-Management-Systeme und Mietdatenbanken verlässlich aufbauen und pflegen.

Qualität von Verbrauchs- und Betriebskostendaten verbessern

Moderne Gebäude verfügen über Sensorik und digitale Steuerungstechnik. Diese erzeugt eine große Menge an Messwerten, beispielsweise zu Heizverhalten, Stromverbrauch, Raumklima und Anlageneffizienz. Für eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung müssen diese Informationen systematisch aufbereitet und fehlerfrei gespeichert werden.

Unvollständige oder widersprüchliche Angaben führen zu Problemen oder Fehlern bei der Nebenkostenabrechnung und machen einen Vergleich mit Referenzobjekten unmöglich. In der Kommunikation mit Mietern und bei der Budgetplanung entstehen Unsicherheiten.

Automatisierte Prozesse wie monatliche Kostenreports oder integrierte Energieanalysen sind nur dann zuverlässig, wenn die zugrundeliegenden Daten konsistent gepflegt werden.

Ein digitaler Betrieb von Immobilien erfordert daher eine strukturierte Datenarchitektur, die auch langfristige Trends und Detailabweichungen abbilden kann.

Mietpreisdaten und Marktentwicklung analysieren

Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist hoch und die Immobilienwirtschaft steht dabei vor der Herausforderung, Bauprojekte möglichst kosteneffizient umzusetzen. Bei der Planung nachhaltiger Immobilienprojekte sind verlässliche Marktdaten etwa zu Angebot und Nachfrage auf lokaler Ebene besonders wichtig.

Für die Bewertung und Vermarktung von Immobilien werden Plattformen genutzt, die auf umfangreiche Datensätze zugreifen. Diese Daten enthalten Angaben zu Quadratmeterpreisen, Leerstandsquoten, Nachfrageentwicklung, Nutzungstypen und regionalen Unterschieden. Damit diese Plattformen aussagekräftige Analysen ermöglichen, müssen die Eingabedaten korrekt klassifiziert, regelmäßig aktualisiert und eindeutig referenzierbar sein.

Gerade bei KI-gestützten Prognosemodellen sind mangelhafte Daten eine zentrale Fehlerquelle. Auch bei der automatisierten Erstellung von Gutachten oder Vermarktungsunterlagen hängt die Qualität der Auswertung direkt von der Qualität der Datenbasis ab. Ein verlässlicher Umgang mit Marktdaten setzt daher neben technischer Infrastruktur auch klare Vorgaben zur Datenerfassung und -pflege voraus.

Systemintegration über den gesamten Lebenszyklus

In vielen Unternehmen liegen Daten über einzelne Softwarelösungen verteilt vor. Planung, Bau, Instandhaltung, Verwaltung und Verkauf werden mit unterschiedlichen Programmen und von verschiedenen Abteilungen betreut. Diese Dateninseln führen zu Redundanzen und Informationsverlust.

Durch die Einführung integrierter Plattformen lässt sich der Lebenszyklus einer Immobilie digital abbilden. Dabei entsteht ein zentrales System, das unterschiedliche Datenquellen miteinander verknüpft. Dazu gehören Flächendaten, Mietverträge, Wartungshistorien, Verbrauchsdaten und ESG-Kennzahlen.

Eine hohe Datenqualität ist in diesem Zusammenhang Voraussetzung, damit Schnittstellen reibungslos funktionieren und Analysen belastbar bleiben.

Maßnahmen zur Verbesserung der Datenqualität

Um eine einheitliche und belastbare Datenbasis zu schaffen, sind folgende Schritte empfehlenswert:

• Datenbestände systematisch erfassen, klassifizieren und auf Vollständigkeit prüfen

• Standards zur Flächenermittlung, Betriebskostenstruktur und Mietdokumentation einführen

• Systeme miteinander verbinden, um doppelte Datenerfassung zu vermeiden

• Zuständigkeiten für Datenpflege und Freigaben festlegen

• Softwarelösungen einsetzen, die Datenqualität regelmäßig überwachen

• Schulungen anbieten, um eine einheitliche Dateneingabe zu gewährleisten

Datenqualität ist heute nicht mehr nur eine technische Frage, sondern ein strategisches Thema. In einer zunehmend digitalisierten Immobilienwirtschaft entscheidet sie darüber, wie verlässlich, effizient und transparent Unternehmen arbeiten können. Wer diesen Aspekt ignoriert, riskiert Wettbewerbsnachteile. Wer ihn ernst nimmt, schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und stabile Wertschöpfung.

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