„Der Erfolg hat drei Buchstaben: T-U-N.“

Interview mit Nadja Ohlendorf, Geschäftsführerin der aquaRömer GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Frau Ohlendorf, wenn man in den „Rückspiegel“ schaut – wo beginnt die Geschichte von aquaRömer?

Nadja Ohlendorf: Eigentlich bei den Römern. Unsere Quellen im Schwäbisch-Fränkischen Wald wurden schon am Limes genutzt. Der eigentliche Unternehmensursprung liegt aber im Jahr 1839. Damals hat der Arzt Dr. Heinrich Landerer den Brunnen erworben. Er war überzeugt, dass Heilung Körper und Psyche umfasst – und entdeckte auf seinem Klinikgelände Quellen, deren Wasser er therapeutisch einsetzte. Aus dieser Idee entstand erst eine Klinik, später eine ganze Klinikgruppe – und parallel unser Mineralbrunnen. Das Wasser war, wenn man so will, der wirtschaftliche Ursprung des Ganzen. Diese Geschichte trägt uns bis heute.

Wirtschaftsforum: Heute ist aquaRömer ein eigenständiges Unternehmen?

Nadja Ohlendorf: Ja. Wir sind weiterhin im Besitz der Familie, werden aber operativ unabhängig geführt. Die emotionale Verbundenheit ist groß – weil man weiß, woher man kommt. Gleichzeitig sind wir mit rund 120 Mitarbeitenden ein mittelständischer Brunnenbetrieb mit klarer Verantwortung für unser eigenes Geschäft.

Wirtschaftsforum: Sie haben das Unternehmen 2018 übernommen – in einer schwierigen Phase.

Nadja Ohlendorf: Das kann man so sagen. Wir kamen aus Jahren starken Mengenwachstums, vor allem durch Lohnfüllung und Einweg. Aber Wertschöpfung und Profitabilität haben nicht Schritt gehalten. Wir mussten uns ehrlich fragen: Wofür stehen wir eigentlich? Unsere Antwort war radikal: Ausstieg aus Einweg und Lohnfüllung, Halbierung der Menge, voller Fokus auf Marke und Mehrweg. „Qualität vor Quantität“ war kein Slogan, sondern eine Überlebensfrage.

Wirtschaftsforum: Das hatte auch strukturelle Konsequenzen.

Nadja Ohlendorf: Ja. Wir haben den Traditionsstandort Göppingen geschlossen und alles in Mainhardt gebündelt. Das war emotional und organisatorisch ein Kraftakt. Sozialplan, Verlagerung, Corona – alles kam zusammen. Aber wir haben uns neu aufgestellt, Prozesse verändert, Haltungen hinterfragt. Es ging nicht nur um Zahlen, sondern um Kultur.

Wirtschaftsforum: Was hat sich kulturell verändert?

Nadja Ohlendorf: Viel. Wir haben gemeinsam wieder ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass Leistung sichtbar ist und Wirkung hat. Wenn ein Team merkt, dass durch bessere Abläufe plötzlich deutlich mehr Output entsteht – und das ohne Mehrbelastung. Dann entsteht Stolz. Wir haben zudem Räume verändert – im wahrsten Sinne des Wortes. Unsere Kantine war früher ein grauer Durchgangsort. Heute ist sie Treffpunkt. Die Tische stehen als lange Tafel zusammen. Produktion, Verwaltung, Vertrieb – alle sitzen nebeneinander. Das klingt banal, ist aber Ausdruck eines neuen Wir-Gefühls.

Wirtschaftsforum: Wirtschaftlich hat sich der Kurs ausgezahlt?

Nadja Ohlendorf: Ja. Von 200 Millionen Füllungen sind wir auf 100 Millionen zurück – bewusst. Inzwischen wachsen wir wieder auf rund 130 Millionen, profitabel und glaubwürdig. Unsere Marke Naturpark Quelle haben wir vom Preiseinstieg in den Mittelpreis entwickelt. Bei PET-Gebinden ist sie heute nach Rotation die beliebteste Mineralwassermarke Baden-Württembergs. Das erfüllt uns schon mit Stolz.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Innovationen?

Nadja Ohlendorf: Eine zentrale. Wir arbeiten ausschließlich mit Mehrweg, nutzen die Pool-Gebinde der Genossenschaft Deutscher Brunnen und treiben neue Formate voran. Gleichzeitig setzen wir Impulse – etwa mit Aqua Römer Quelle Plus oder der limitierten VfB-Schwabenbrause. Seit 2021 sind wir exklusiver Mineralwasserpartner des VfB Stuttgart. Das passte seinerzeit gut: zwei Underdogs mit Aufbruchmentalität. Der VfB ist inzwischen Pokalsieger und wir spielen inzwischen auch in einer anderen Liga.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist für Sie mehr als Mehrweg?

Nadja Ohlendorf: Absolut. Wir investieren massiv in Energie-Transformation und CO₂-Reduktion, denken über Wasserstoff-Lkw nach und setzen auf eigene Quellkohlensäure. Und ein Punkt liegt mir besonders am Herzen: Quellschutz. Mineralwasser ist ein Naturprodukt. Wir dürfen nichts verändern – außer Kohlensäure zusetzen. Wenn die Quelle leidet, ist unser Geschäftsmodell beendet. Deshalb ist Schutz kein Marketingthema, sondern Existenzgrundlage.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

Nadja Ohlendorf: Ich bewege gern Dinge. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schmerzhaft Misserfolg sein kann – und wie viel Energie es kostet, wieder herauszukommen. Deshalb glaube ich fest daran, dass man sich nie ausruhen darf. Erfolg ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Frei nach dem Motto: „Der Erfolg hat drei Buchstaben: T-U-N.“ Das versuche ich vorzuleben. Jeden Tag.

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