Gemeinsam stärker fürs Netz
Interview mit Uwe Hildebrandt, Geschäftsführer und Denis Wiesner, Geschäftsführer der Stadtwerke-Netzdienste Dreieich und Neu-Isenburg GmbH

Kooperation statt Konkurrenz
Als sich die Stadtwerke Dreieich und die Stadtwerke Neu-Isenburg mit den Folgen der Energiewende und des zunehmenden Fachkräftemangels auseinandersetzten, wurde deutlich: Allein würden die Herausforderungen immer schwerer zu bewältigen sein. Deshalb entstand Anfang 2024 eine eigenständige Dienstleistungsgesellschaft. Rund 80 Mitarbeitende aus den technischen Bereichen beider Stadtwerke wechselten in die neue Organisation. Anders als bei einer Fusion bleiben beide Stadtwerke eigenständige Netzbetreiber. Die Stadtwerke-Netzdienste übernehmen ausschließlich die technische Betriebsführung der Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmenetze sowie der zugehörigen Anlagen. „Wir sind eine reine Dienstleistungsgesellschaft und übernehmen keine Marktrollen“, erläutert Uwe Hildebrandt. Gerade diese klare Aufgabenteilung macht das Modell besonders.
Mit Augenmaß in die Zukunft planen
Netze müssen für Elektromobilität, Wärmepumpen, Batteriespeicher und neue Verbraucher ausgelegt werden, obwohl sich politische Rahmenbedingungen laufend ändern. Deshalb setzt das Unternehmen auf Zielnetzplanungen und verschiedene Zukunftsszenarien. „Man kann eigentlich nur über Modellrechnungen gehen und Annahmen treffen“, sagt Denis Wiesner. Gemeinsam mit den Mutterhäusern werden Investitionsstrategien entwickelt, die Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit verbinden. Dabei gilt ein Grundsatz, den Hildebrandt bis heute gerne zitiert: „Köpfchen statt Kupfer.“ Investiert werde nicht vorsorglich um jeden Preis, sondern dort, wo es langfristig sinnvoll ist. Gleichzeitig steigen durch Elektromobilität, Wärmepumpen und neue Verbraucher die Anforderungen an die Stromnetze erheblich. Umso wichtiger ist eine strategische Planung mit einem Zeithorizont bis 2045, die flexibel auf neue Entwicklungen reagieren kann.
Menschen machen den Unterschied
Neben der Technik bleibt der Fachkräftemangel eines der zentralen Zukunftsthemen. Die größere Organisation verschafft den Stadtwerke-Netzdiensten dabei deutliche Vorteile. Heute befinden sich acht bis zehn junge Menschen gleichzeitig in Ausbildung, zudem lassen sich Fachkräfte leichter gewinnen als zuvor. „Wir können uns mittlerweile Bewerber auf diese Ausbildungsstellen aussuchen“, sagt Uwe Hildebrandt. Für Denis Wiesner ist das auch Ausdruck eines Wertewandels: Immer mehr junge Menschen entschieden sich bewusst für einen sicheren, handwerklich geprägten Beruf mit langfristiger Perspektive. Das gemeinsame Unternehmen versteht sich deshalb nicht nur als technischer Dienstleister, sondern als wichtiger Baustein für die Zukunftsfähigkeit der beiden kommunalen Stadtwerke und als Modell für weitere Kooperationen in der Energiewirtschaft.








