European Banking Study 2020: COVID-19-Pandemie hat Europas Banken fest im Griff

Original Quelle: https://www.presseportal.de/nr/119614

Kreditrisiken wachsen | Enge Zusammenarbeit zwischen Banken, Regierungen und Regulierungsbehörden notwendig | Neue Qualität im Verhältnis zwischen Banken und Kunden erkennbar

Die weltweite COVID-19-Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Realwirtschaft stellen Europas Banken vor umfassende Herausforderungen. Obwohl viele Institute zu Beginn der Pandemie wesentlich widerstandsfähiger sowie stabiler aufgestellt waren als zu Beginn der weltweiten Finanzkrise 2008 und sie ihre Kapitalquoten und damit ihre finanzielle Resilienz in den letzten Jahren erheblich steigern konnten, lassen sich an den Zahlen für das erste Quartal 2020 steigende Profitabilitätsprobleme erkennen. So liegt die geschätzte Eigenkapitalrendite (RoE) nach Steuern der 50 größten europäischen Banken mit gemittelt 2,5 % deutlich unter dem Wert des Vorjahresquartals (7,4 %) sowie den Eigenkapitalkosten von rund 8,0 %. Angesichts der anstehenden Belastungen des Kreditportfolios durch die COVID-19-Pandemie zeichnet sich eine weitere Verschlechterung für den Verlauf des Jahres 2020 ab.

Wie die Fachleute der Strategie- und Managementberatung zeb, fokussiert auf den europäischen Financial Services Sektor, in ihrer aktuellen European Banking Study 2020 (EBS) weiterhin feststellen, erlebt das Kreditrisiko in Europa flächendeckend eine Renaissance. Dies gilt insbesondere für das gewerbliche Kreditgeschäft mit Firmenkunden und noch aktuell weniger für (Wohn-)Immobilienkredite. Die Studie auf Basis der 50 größten europäischen Banken zeigt zwischen den Instituten signifikante Unterschiede in der Höhe, aber insbesondere auch in der Struktur der Kreditportfolios auf. So ist zu erwarten, dass Europas Banken aufgrund verschiedener Branchenfokussierungen im Firmenkundenkreditportfolio, besonderer regionaler Schwerpunkte und individueller Portfolioqualitäten höchst unterschiedlich von den Auswirkungen von COVID-19 betroffen sein werden. Auf Basis von zwei Szenarien ermittelt das zeb-Expertenteam für die nächsten 18 bis 24 Monate erheblich höhere Wertberichtigungen für Kreditausfälle im Firmenkunden- und Privatkundengeschäft in Europa. Im Falle einer schweren Rezession könnten sich die Wertberichtigungen insgesamt durchschnittlich um bis zu 500 % im Vergleich zum Jahr 2019 erhöhen.

Dr. Dirk Holländer, Senior Partner bei zeb und Mitautor der European Banking Study 2020, führt aus: "COVID-19 hat bei vielen der größten Banken Europas erhebliche Auswirkungen auf das Kreditrisiko. Obwohl nicht verantwortlich für die Krise, sind sie jetzt ein integraler Bestandteil der Lösung. Banken, Regierungen und Regulierungsbehörden haben das erkannt. Sie stellen sich aktuell darauf ein, Wege zu finden, um die anstehenden Herausforderungen gemeinsam zu meistern."

Die Analysen der European Banking Study zeigen, dass die europäischen Banken die drohende tiefe Rezession nicht alleine bewältigen können. Es gilt, die Banken in die Lage zu versetzen, dass sie ihre Rolle im synchronen Zusammenspiel aus Geld- und Fiskalpolitik sowie Regulierung bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Krise entsprechend übernehmen können und damit integraler Bestandteil der Lösung werden. Der aktuell geschaffene Spielraum bei den Kapitalquoten ist dabei besonders wichtig, da aufgrund einer zunehmenden Kreditvergabe und der prozyklischen regulatorischen Berechnungsmethodik kurzfristig mit einer RWA-Inflation zu rechnen ist.

Natürlich bedarf es auch Maßnahmen in den Banken selbst. Die zeb-Fachleute verweisen dabei je nach Geschäftsmodell unter anderem auf die Verbesserung des Kreditrisikomanagements, eine konsequente Agenda in Bezug auf die weitere digitale Transformation - sei es in den Bereich Automatisierung und Standardisierung oder der Kundenkommunikation und -interaktion - sowie auf die Fortführung der seit Jahren auf der Agenda stehenden stetigen Verbesserung der Ertrags- und Kostensituation im europäischen Bankensektor.

Insgesamt gehen das zeb-Studienteam davon aus, dass die Nachwehen der COVID-19-Pandemie zu einer Reihe gravierender Herausforderungen im operativen Bereich und im Management für den europäischen Banken- und Finanzsektor führen. Dennoch ist das Autorenteam der Meinung, dass die Pandemie eine große Chance für Europas Institute bietet. Als Teil der "ökonomischen Rettungsmannschaft" können Banken ihre Rolle in der Realwirtschaft festigen und gesellschaftliches Vertrauen weiter aufbauen. Bereits jetzt erleben wir eine Rückbesinnung auf das Hausbanken- oder Kernbankenprinzip, das kurzfristiges transaktionsorientiertes Banking verdrängt. Solche Veränderungen können durchaus mit dem wachsenden Trend zu unternehmerischer und ökologischer Nachhaltigkeit, der bei Abklingen der Pandemie wiederaufleben wird, in Einklang stehen. COVID-19 könnte so auch in dieser Hinsicht einen Katalysator darstellen. Mehr als zehn Jahre nach der weltweiten Finanzkrise dürfte sich die Rolle der Banken an der Seite ihrer Kunden in einem insgesamt veränderten gesellschaftlichen Kontext deutlich aufwerten.

Dr. Ekkehardt Bauer, Senior Manager im zeb.research und Mitautor der Studie, erläutert: "Wir erkennen seit COVID-19 eine neue Qualität im Verhältnis zwischen Bank und Kunden. Profitieren könnten vor allem das klassische Hausbankenprinzip und bereits langfristig bestehende Kundenbeziehungen. Solche Veränderungen spiegeln den wachsenden Trend zu unternehmerischer und ökologischer Nachhaltigkeit, der bei Abklingen der Pandemie wiederaufleben und sich dauerhaft etablieren dürfte."

Weitere Informationen zur aktuellen European Banking Study können abgerufen werden unter zeb-consulting.com/de-DE/european-banking-study-2020.

Als führende Strategie- und Managementberatung bietet zeb seit 1992 Transformationskompetenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Bereich Financial Services in Europa. In Deutschland unterhalten wir Büros in Frankfurt, Berlin, Hamburg, München und Münster (Hauptsitz). Internationale Standorte befinden sich in Amsterdam, Kiew, Kopenhagen, London, Luxemburg, Mailand, Moskau, New York City, Oslo, Stockholm, Warschau, Wien und Zürich. Zu unseren Kunden zählen neben europäischen Groß- und Privatbanken auch Regionalbanken und Versicherungen sowie Finanzintermediäre aller Art. Bereits mehrfach wurde unser Unternehmen in Branchenrankings als "Bester Berater" der Finanzbranche klassifiziert und ausgezeichnet.

Pressekontakt:

Franz-Josef Reuter
Head of Public & International Affairs
Phone +49.251.97128.347
E-Mail Franz-Josef.Reuter@zeb.de

Original-Content von: zeb, übermittelt durch news aktuell

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