Zwischen Küste und Conero-Hügeln

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Wirtschaftsforum: Herr Bernetti, Ihr Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wie hat sich Umani Ronchi entwickelt?

Michele Bernetti: Die Ursprünge gehen auf Gino Umani Ronchi zurück, der das Unternehmen gegründet hat. Einige Jahre später kam mein Vater Roberto Bianchi dazu. Er war eigentlich Ingenieur, interessierte sich aber sehr für die Landwirtschaft und hat schließlich die Verantwortung übernommen. Ende der 1960er-Jahre ging das Unternehmen vollständig in den Besitz unserer Familie über, wir haben jedoch den etablierten Namen beibehalten. Heute produzieren wir Wein in mehreren Regionen und haben uns Schritt für Schritt weiterentwickelt.

Wirtschaftsforum: Wo liegen heute Ihre wichtigsten Produktionsgebiete und welche Weine stehen dabei im Mittelpunkt?

Michele Bernetti: Unsere Weinberge befinden sich vor allem in den Marken und in den Abruzzen. In den Castelli di Jesi bewirtschaften wir rund 110 ha Rebfläche, im Conero-Gebiet etwa 70 ha, wo insbesondere Montepulciano angebaut wird. Ende der 1990er-Jahre kam ein weiteres Weingut in den Abruzzen hinzu, wo wir vor allem Montepulciano und Pecorino produzieren. Insgesamt verfügen wir heute über rund 210 ha Weinberge. Zu unseren bekanntesten Weinen zählen unter anderem der Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico Superiore ‘Historical’, der Conero Riserva ‘Campo San Giorgio’, der Marche Rosso IGT ‘Pelago’ sowie der Montepulciano d’Abruzzo ‘Centovie’, welche die unterschiedlichen Charaktere unserer Regionen sehr gut widerspiegeln.

Wirtschaftsforum: Welche internationalen Märkte sind für Sie besonders wichtig?

Michele Bernetti: Nordamerika spielt eine wichtige Rolle, sowohl die USA als auch Kanada. Europa ist ebenfalls bedeutend, vor allem Deutschland, die Niederlande, die Schweiz und Großbritannien sowie die skandinavischen Länder. In Asien ist Japan für uns historisch einer der wichtigsten Märkte. Deutschland ist insgesamt einer der größten Absatzmärkte für unsere Weine. Insgesamt exportieren wir in rund 60 Länder weltweit. Gleichzeitig sind internationale Fachmessen für uns eine wichtige Plattform, um unsere Weine zu präsentieren und den Austausch mit unseren Vertriebspartnern zu pflegen, etwa auf Veranstaltungen wie der Vinitaly oder der Wine Paris.

Wirtschaftsforum: Die vergangenen Jahre waren für viele Branchen herausfordernd. Wie hat sich der Weinmarkt entwickelt?

Michele Bernetti: Die letzten Jahre waren tatsächlich sehr speziell. Direkt nach der Pandemie gab es eine Phase mit sehr hoher Nachfrage, danach hat sich der Markt wieder beruhigt. Zudem beobachten wir Veränderungen im Konsumverhalten. Wein wird heute oft zu bestimmten Anlässen getrunken und nicht mehr so regelmäßig wie früher. Dazu kommen wirtschaftliche Faktoren, die den Konsum beeinflussen. In solchen Zeiten hilft es, eine starke Marke zu haben und in vielen Märkten präsent zu sein, denn nicht alle Märkte entwickeln sich gleichzeitig. 

Wirtschaftsforum: Neben dem Wein selbst spielt auch das Erlebnis rund um das Produkt eine Rolle. Welche Bedeutung hat der Weintourismus für Ihr Unternehmen?

Michele Bernetti: Er ist sehr wichtig geworden. Viele Konsumenten möchten heute nicht nur den Wein trinken, sondern auch die Geschichte und die Region dahinter erleben. Deshalb bieten wir Besuchern die Möglichkeit, unsere Weinberge und Keller kennenzulernen und Weinverkostungen zu erleben. Außerdem betreiben wir eine Unterkunft in der Region, sodass Gäste ihren Aufenthalt mit gastronomischen und kulturellen Erlebnissen verbinden können.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist im Weinbau ein zentrales Thema. Wie gehen Sie damit um?

Michele Bernetti: Für uns bedeutet Nachhaltigkeit deutlich mehr als nur ökologische Aspekte. Wir haben verschiedene Zertifizierungen erhalten, die sowohl Umweltstandards als auch die Qualität unserer Produktion bestätigen, und arbeiten zunehmend biologisch. Gleichzeitig ist uns auch die soziale Nachhaltigkeit wichtig – also gute und faire Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden sowie ein verantwortungsvoller Umgang mitei­nander im Unternehmen. Darüber hinaus spielt natürlich auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit eine Rolle. Jedes Projekt und jede Investition muss langfristig tragfähig sein, damit wir unsere Arbeit dauerhaft erfolgreich fortführen können.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie für die Zukunft?

Michele Bernetti: Wir möchten vor allem in den Märkten weiter wachsen, in denen wir bereits präsent sind und über stabile Partnerschaften verfügen. Dort sehen wir noch erhebliches Potenzial, das wir in den kommenden Jahren nutzen möchten. Gleichzeitig legen wir großen Wert darauf, unsere Produkte nicht über den Preis zu positionieren, sondern über Qualität, Herkunft und den Wert unserer Marke. Nur so lässt sich unserer Meinung nach eine langfristig stabile Entwicklung erreichen und die Zukunft des Unternehmens nachhaltig sichern.

Azienda Vinicola Umani Ronchi S.p.A.
Via Adriatica 12
60027 Osimo (AN)
Italien
Tel.: +39 071 7108716
wine(at)umanironchi.it
www.umanironchi.com

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