Wie Energiegemeinschaften die Energiewende voranbringen

Was sind Energiegemeinschaften?

Eine Energiegemeinschaft beschreibt einen Zusammenschluss von mindestens zwei Akteuren, die gemeinschaftlich Energie organisieren, erzeugen, speichern oder vermarkten. Die Mitglieder der Gemeinschaften können Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden oder andere Organisationen sein. Ziel ist es, Energie gemeinsam auf lokaler und nachhaltiger Ebene zu produzieren oder zu teilen. Dabei können kollektiv Energieanlagen wie etwa Photovoltaik, Windenergie oder Wasserkraft genutzt werden. Der davon erzeugte Strom wird auf die einzelnen Beteiligten aufgeteilt, weitergeleitet oder ins öffentliche Netz eingespeist. Grundsätzlich wird in der EU zwischen zwei Arten der Energiegemeinschaft unterschieden: der Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaft (EEG) und der Bürgerenergiegemeinschaft (BEG).

Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG)

Bei der EEG handelt es sich um eine spezielle Form der Energiegemeinschaft, die sich auf erneuerbare Energien konzentriert. Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften zeichnen sich besonders durch ihre Lokalität aus. Mitglieder müssen in der Nähe der Erzeugungsanlage wohnen oder angeschlossen sein. Das Ziel der Zusammenschließung liegt darin, den Strom und die Wärme gemeinsam zu nutzen und zum Umweltschutz beizutragen. EEGs sind in der EU durch die EU-Richtlinie 2018/2001 (RED II) definiert, gelten allerdings nach dieser nicht als primär wirtschaftliche Organisationen. Zwar dürfen sie erzeugten Strom auch verkaufen, die Gewinne jedoch nur für gemeinschaftliche Zwecke nutzen. Dazu gehören etwa die Wartung und der Ausbau der gemeinsamen Anlagen, die Reduzierung der Energiepreise für einzelne Mitglieder sowie andere soziale und gemeinschaftliche Projekte.

Bürgerenergiegemeinschaft (BEG)

Bürgerenergiegemeinschaften (BEGs) funktionieren in ihren Grundprinzipien fast identisch wie Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften. Auch hier wird Energie erzeugt, verteilt und für den Eigenverbrauch genutzt. Im Unterschied zu EEGs erzeugen und verteilen Bürgergemeinschaften jedoch ausschließlich Strom. Dieser erzeugte Strom kann aus erneuerbaren, aber auch aus konventionelleren Energiequellen stammen. Anders als bei EEGs müssen sich die Mitglieder einer BEG zudem nicht zwingend in einem Netzgebiet befinden. Dadurch sind größere Gebiete für das Energy-Sharing möglich. In Österreich etwa erfolgt bereits ein nationaler Handel mit Strom innerhalb Bürgerenergiegemeinschaften.

Wie funktionieren Energiegemeinschaften?

Reguläre Stromversorgung
Traditionell wird Strom in großen Kraftwerken produziert. Oftmals dienen Kohle und Gas als Energiequelle, aber es gibt mittlerweile Stromanbieter, die auch erneuerbare Quellen wie Wind, Solar, Wasserkraft oder Biomasse unterstützen. Über Hochspannungsleitungen kann der Strom über weite Strecken transportiert und durch Umspannwerke sicher in einzelne Gebiete geleitet werden. Der Verbrauch in einzelnen Haushalten wird durch Stromzähler gemessen und kann dann durch den Energieversorger abgerechnet werden.

Mieterstrom

Mieterstrom wird in Wohnhäusern vor Ort erzeugt, etwa durch eine Photovoltaikanlage, und gelangt direkt an den Mieter. Dadurch können diese von klimafreundlichem und lokal erzeugtem Strom profitieren, ohne dass sie selbst eine Solaranlage kaufen oder betreiben müssen. Allerdings sind Mieter abhängig vom Vermieter oder Betreiber und haben nur wenig Einfluss auf Strompreise oder die technische Gestaltung der Anlage. Auch die Wirtschaftlichkeit ist teilweise begrenzt, etwa wenn Investitions- und Wartungskosten auf die Mieter verteilt werden und dadurch entstehende Preisvorteile reduzieren.

EEGs

In einer EEG erzeugen viele Mitglieder Strom aus erneuerbaren Energiequellen und nutzen ihn dann gemeinsam. Je nach Investitionshöhe und dem Verbrauch einzelner Teilnehmer wird dieser anteilig und intelligent an die einzelnen Teilnehmer verteilt. Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften können sich in ihrer Größe unterscheiden. Dabei ist die Netzebene ein bestimmender Faktor dafür, wie viele Mitglieder eine Gemeinschaft umfasst und wie weit der Strom verteilt werden kann. Lokale EEGs befinden sich direkt vor Ort und arbeiten in den Netzebenen 6 und 7 (Mittel- bis Niederspannung). Die Mitglieder wohnen typischerweise im gleichen Netzbereich. Regionale EEGs versorgen größere Gebiete, wie etwa mehrere Gemeinden, und arbeiten in den Netzebenen 4 und 5 (Mittel- bis Hochspannung). Auch wenn der Fokus immer noch im regionalen Netzbereich liegt, kann der Stromtransport vergleichsweise über größere Entfernungen erfolgen.

Warum sind Energiegemeinschaften wichtig?

Energiegemeinschaften, insbesondere EEGs, spielen eine wichtige Rolle, um die Energiewende durch eine umweltfreundliche Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen voranzutreiben. Sie fördern zudem die soziale Teilhabe und wirtschaftliche Unabhängigkeit in einzelnen Regionen.

Ökologische und klimatische Wirkung

Energiegemeinschaften setzen überwiegend auf erneuerbare Energien wie Solar- oder Windkraft, die im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen kaum schädliche Emissionen verursachen. Eine Gesellschaft, die ihre Systeme miteinander vernetzt, kann deutlich mehr Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen erzeugen, als wenn Einzelpersonen isoliert Anlagen betreiben. Zudem reduzieren kürzere Transportwege Verluste im Stromnetz. EEGs stärken das Bewusstsein und die Akzeptanz für erneuerbare Energien und fördern die Klimabildung. Dies kann zu positiven Rückkopplungseffekten führen und Anlass für weitere Maßnahmen und Energieeinsparungen geben.

Soziale Vorteile

Energy-Communitys geben ihren Mitgliedern mehr Mitspracherecht. Es kann gemeinsam entschieden werden, wie viel Strom erzeugt, verteilt oder gespeichert wird. Diese aktive Mitgestaltung führt zu einer Demokratisierung des Strommarktes und verbessert den Zusammenhalt innerhalb der einzelnen Teilnehmer. Einnahmen und Einsparungen bleiben in der Region und können für lokale Projekte, Handwerksbetriebe oder soziale Zwecke genutzt werden. Dadurch können etwa Menschen mit geringeren finanziellen Mitteln von zusätzlicher gemeinschaftlicher Unterstützung profitieren.

Dezentralisierung & Wirtschaftlichkeit

Bürger einer Energiegenossenschaft, die Strom für ihren Eigenverbrauch erzeugen, müssen weniger Strom vom Energieversorger kaufen. Dies reduziert die Abhängigkeit von großen Energiekonzernen sowie Preisschwankungen des Strommarktes und stärkt die regionale Wirtschaft. Die dezentrale Erzeugung sorgt außerdem für Einsparungen durch weniger Energieverluste im Netz. Zusätzlich helfen smarte Zähler und intelligente Systeme dabei, genauestens zu erfassen, wie viel Strom die Gesellschaft sowie einzelne Mitglieder erzeugen und wann der meiste Strom verfügbar ist. Diese verbesserten Energiemanagementsysteme helfen dabei, den Strom optimal zu nutzen. Dadurch werden weitere Kosten gespart, etwa durch die Maximierung des Eigenverbrauchs, eine Minimierung von Verlusten und den Verkauf von überschüssigem Strom. In Österreich sparen erneuerbare Energiegesellschaften aufgrund ihrer Lokalität zusätzlich Netzabgaben. Bürgerenergiegemeinschaften unterliegen jedoch den üblichen Netzkosten und Abgaben.

Herausforderungen für Energiegemeinschaften

Die Umsetzung von Energiegemeinschaften in Deutschland ist noch mit Herausforderungen verbunden. Hauptsächlich liegt dies an einem fehlenden gesetzlichen Rahmen. Auch gesetzliche Förderungen für EEGs, die von der EU-Kommission empfohlen werden, fehlen. Hilfreich kann hier aber eine Energieberatung, z. B. durch die Profis von EE-Experten, sein. Dies erschwert die technische Umsetzung, denn während beim Mieterstrom Verbrauchsdaten direkt am Gebäude erfasst werden können, müssen Energiegemeinschaften diese Werte doppelt messen. Einmal erfolgt eine Messung an der Erzeugungsanlage selbst und dann erneut beim Verbraucher. Dies ist aufwendig und verursacht zusätzliche Kosten, jedoch trotzdem notwendig, da Förderungen und Abgaben in Deutschland stark an den Eigenverbrauch gekoppelt sind. Länder wie Italien haben bereits angepasste Regeln für das Energy Sharing, wie zum Beispiel feste Cent-Beträge pro Kilowattstunde. In Deutschland müssen noch Anpassungen des Energiewirtschaftsgesetzes erfolgen, um EEGs langfristig fördern zu können. Überdies müssen finanzielle Anreize, smarte Datenübermittlungen und die Einbindung in das Stromsystem weiterentwickelt werden. In Zukunft plant Deutschland eine zentrale Anlaufstelle, die Betreiber, Mitglieder und Interessierte unterstützen soll.

Fazit: Energiegemeinschaften und ihre Rolle bei der Energiewende

Energiegemeinschaften sind ein wichtiger Faktor für eine nachhaltige und dezentrale Energieversorgung. Sie ermöglichen es Bürgern, aktiv an der Energiewende teilzunehmen und durch effiziente Energienutzung Kosten zu sparen. Trotz dieser Vorteile stehen Energiegemeinschaften in Deutschland noch vor einigen Herausforderungen. Gerade im Vergleich zu anderen Ländern fehlen ein gesetzlicher Rahmen, angepasste Fördermodelle, smarte Datenerfassungen und Energiemanagementsysteme. Damit muss das Potenzial von EEGs noch mehr ausgeschöpft werden, um in Zukunft auch in Deutschland einen bedeutenden Teil bei der Energiewende auszumachen.

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