„Wenn wir es nicht machen, macht es keiner“
Interview mit Dr. Katharina Hennig, Geschäftsführerin der LENICURA GmbH
Wirtschaftsforum: Frau Dr. Hennig, wie ist LENICURA entstanden?
Dr. Katharina Hennig: Tatsächlich eher zufällig. Ausgangspunkt war eine Patientin mit der schweren Hauterkrankung Hidradenitis suppurativa, die ich kennengelernt habe. Ihre Situation hat mich sehr bewegt. Gemeinsam mit meinem Mitgründer haben wir uns gefragt: Gibt es nicht einen besseren Weg? Daraus ist 2012 die Idee entstanden, eine physikalische Therapie zu entwickeln – nicht aus einem Businessplan heraus, sondern aus dem Wunsch zu helfen.
Wirtschaftsforum: Was genau macht LENICURA heute?
Dr. Katharina Hennig: Wir verbinden eine patentierte Therapie mit einem digitalen Versorgungskonzept. Unser Ansatz geht über ein einzelnes Medizinprodukt hinaus. Wir wollen den gesamten Behandlungspfad verbessern – also Diagnose, Therapie und Begleitung der Patienten. Gerade bei chronischen Hauterkrankungen reicht es nicht, nur Symptome zu behandeln.
Wirtschaftsforum: Was ist das Besondere an Ihrer Therapie?
Dr. Katharina Hennig: Es ist eine Kombination aus intensiv gepulstem Licht und Radiofrequenz. Vereinfacht gesagt: Die betroffenen Hautareale werden gezielt behandelt, ähnlich wie man es sich vom Ultraschall vorstellen kann. Entscheidend ist aber, dass diese Therapie erstmals strukturiert in die Versorgung integriert wird – und künftig auch von den Krankenkassen übernommen wird.
Wirtschaftsforum: Sie sprechen oft von einem ganzheitlichen Ansatz. Warum ist der so wichtig?
Dr. Katharina Hennig: Weil das eigentliche Problem größer ist als die Therapie. Patienten haben oft nur fünf Minuten beim Arzt. In dieser Zeit kann man keine chronische Erkrankung erklären. Wir schaffen deshalb digitale Strukturen, die Ärzte entlasten und Patienten befähigen, selbst aktiv zu werden. Das ist für mich der Kern: Versorgung neu denken.
Wirtschaftsforum: Wie groß ist das Unternehmen heute?
Dr. Katharina Hennig: Wir sind ein kleines Team von rund 20 Mitarbeitern. Aktuell erwarten wir für 2026 etwa 1,5 Millionen EUR Umsatz, wachsen aber stark. Unsere Therapie wird bereits an über 60 Standorten eingesetzt, mit jährlich rund 25.000 bis 30.000 Anwendungen.
Wirtschaftsforum: Was überzeugt Ärzte, mit Ihnen zu arbeiten?
Dr. Katharina Hennig: Ganz pragmatisch: Sie können ihren Patienten endlich eine wirksame Behandlung anbieten. Viele stehen sonst vor dem Problem, dass sie wenig tun können – außer Medikamente verschreiben oder überweisen. Wir geben ihnen eine konkrete Option an die Hand, die in den Praxisalltag passt.
Wirtschaftsforum: Sie bewegen sich in einem stark regulierten Umfeld. Wie gehen Sie damit um?
Dr. Katharina Hennig: Es ist anspruchsvoll. Medizinprodukte-Regulierung, Datenschutz, Abrechnungssysteme – das kostet Zeit und Energie. Aber gleichzeitig zwingt es uns auch, sehr sauber zu arbeiten. Ich sehe das nicht nur als Hürde, sondern auch als Qualitätsfilter.
Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?
Dr. Katharina Hennig: Ehrlich gesagt: die Geschichten der Patienten. Ich habe während der Produktentwicklung mit über 200 Betroffenen gesprochen – und viele Wege durch das Gesundheitssystem waren schlicht nicht erträglich. Wenn man das einmal gesehen hat, kann man schwer sagen: Ich lasse es wie es ist. „Wenn wir es nicht machen, macht es keiner“ – das ist kein Slogan, das ist Realität.
Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?
Dr. Katharina Hennig: Wir wollen unsere Versorgungsprogramme auf weitere Erkrankungen ausweiten und deutlich mehr Zentren anbinden. Vor allem aber möchten wir erreichen, dass chronische Hauterkrankungen strukturiert und würdevoll behandelt werden. Niemand sollte sein Leben um eine Krankheit herum organisieren müssen.
Wirtschaftsforum: Und ganz persönlich: Was bedeutet Arbeit für Sie?
Dr. Katharina Hennig: Ich tue mich schwer mit dem Begriff Work-Life-Balance. Für mich gehört das zusammen. Arbeit ist Teil meines Lebens – und wenn sie sinnvoll ist, dann gibt sie auch Energie zurück. Genau das erlebe ich hier jeden Tag.
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