Vom Baum zum Bau

Interview mit Giacomo Del Bianco, Sales Manager der X-Lam Dolomiti S.p.A.

Wirtschaftsforum: Herr Del Bianco, wie hat sich X-Lam Dolomiti seit der Gründung entwickelt?

Giacomo Del Bianco: Die Firma wurde 2010 mit der klaren Vision gegründet, X-Lam-Paneele in Italien zu produzieren und diese Bauweise hierzulande zu etablieren. Nach den ersten zwei Jahren intensiver Aufbau- und Investitionsphase haben wir uns schnell und konsequent weiterentwickelt: Heute sind wir nicht mehr nur Hersteller einzelner Paneele, sondern realisieren komplette Holzbauten – vom ersten architektonischen Entwurf über die präzise Fertigung bis hin zur schlüsselfertigen Montage. Wir arbeiten dabei ausschließlich mit Unternehmen, Projektentwicklern oder Investoren zusammen und verstehen uns als technischer Partner für alle, die in den modernen Holzbau einsteigen oder ihr Portfolio erweitern möchten.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihre Arbeitsweise aus?

Giacomo Del Bianco: Wir kontrollieren die gesamte Wertschöpfungskette. 15 interne Projektleiter entwickeln alle Pläne, unsere eigenen Montageteams setzen sie um. Damit bieten wir höchste Flexibilität und Qualität. Außerdem haben wir mit Easy­Speed ein Angebot geschaffen, bei dem Kunden ein komplettes Bausatzpaket – inklusive aller Verbindungselemente – erhalten. So können auch Bauunternehmen ohne eigene Holzbauexpertise sofort loslegen.

Wirtschaftsforum: In welchen Märkten sind Sie tätig?

Giacomo Del Bianco: Wir arbeiten weltweit. Seit Januar 2025 haben wir Niederlassungen in Madrid und Tirana eröffnet, um den spanischen und südosteuropäischen Markt zu erschließen. Projekte haben wir bereits in Australien, Dubai, Katar, Uruguay, Kanada und Indien realisiert. Besonders im Ausland schätzt man unseren Vorteil als alleinigen Ansprechpartner für Planung, Produktion, Logistik und Montage.

Wirtschaftsforum: Können Sie einige Referenzprojekte nennen?

Giacomo Del Bianco: Zu unseren bedeutendsten Projekten zählen das höchste Holzgebäude Italiens in Rovereto, ein neunstöckiges Wohnhaus sowie ein Gemeinschaftsprojekt mit Stararchitekt Norman Foster in Madrid. Ebenfalls erwähnenswert sind die imposanten Hangars am Hafen von Pesaro. In Australien haben wir die ersten Passivhäuser für Studierende realisiert, die mehr Energie erzeugen, als sie im Betrieb verbrauchen. Ganz aktuell sind wir am Olympischen Dorf in Mailand für die Olympischen Winterspiele Spiele Milano-Cortina 2026 beteiligt – ein echtes Prestigeprojekt.
Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema im Holzbau. Wie setzen Sie das konkret um?

Giacomo Del Bianco: Unsere Paneele bestehen aus formaldehydfreiem Holz und leisten damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Jedes Gebäude speichert CO2, anstatt es zu emittieren – im Grunde wird es selbst zu einem langfristigen CO2-Speicher. Nachhaltigkeit bedeutet für uns jedoch weit mehr als nur die Wahl des richtigen Materials: Wir optimieren kontinuierlich unsere Prozesse, um Ressourcen zu schonen und den Energieverbrauch in allen Produktions- und Bauphasen zu senken. Dazu gehört auch, Bauprozesse intelligenter zu gestalten. Wir setzen verstärkt auf vorgefertigte Fassaden- und Bauelemente, um die Bauzeiten signifikant zu verkürzen, wetterbedingte Risiken zu minimieren und gleichzeitig die Präzision sowie die Ausführungsqualität weiter zu steigern.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet X-Lam Dolomiti von den Mitbewerbern?

Giacomo Del Bianco: Von unseren Wettbewerbern heben wir uns vor allem durch die vollständige Kontrolle über den gesamten Bauprozess ab – von der Planung über die Produktion bis hin zur Montage. Als Hersteller der X-Lam-Paneele bieten wir höchste Qualität und Flexibilität, ohne von externen Zulieferern abhängig zu sein. So können wir unseren Kunden maßgeschneiderte Lösungen aus einer Hand bieten.

Wirtschaftsforum: Welchen He­rausforderungen begegnen Sie im täglichen Geschäft? 

Giacomo Del Bianco: Die Verfügbarkeit geeigneter Rohstoffe ist ein zentraler Faktor in unserer Branche. Gemeinsam mit der Provinz Trient arbeiten wir deshalb an Projekten, die alternative, schnell wachsende Holzarten erforschen. Ziel ist es, unabhängiger von klassischen Holzsorten zu werden und die Versorgung langfristig zu sichern. So stellen wir sicher, dass wir auch in 15 bis 20 Jahren stabile Produktionskapazitäten bieten können – und das ohne Abstriche bei Qualität oder Nachhaltigkeit.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie das Unternehmen in den kommenden Jahren?

Giacomo Del Bianco: Unser Ziel ist es, den internationalen Marktanteil spürbar zu erhöhen, neue Märkte zu erschließen und unsere Position im großvolumigen Holzbau weiter auszubauen. Dabei werden wir unserem Grundsatz treu bleiben: höchste Qualität aus einer Hand, mit nachhaltigen Materialien, innovativen Lösungen und einer klaren Ausrichtung auf langfristige Partnerschaften. Wir wollen nicht nur reagieren, sondern aktiv die Zukunft des Holzbaus mitgestalten.

X-Lam Dolomiti S.p.A.
Viale Venezia 35
38050 Castelnuovo
Italien
+39 0461 1865071
info(at)xlamdolomiti.it
www.xlamdolomiti.it

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

CES 2026 zeigt, dass Künstliche Intelligenz physisch wirksam wird

CES 2026 zeigt, dass Künstliche Intelligenz physisch wirksam wird

Die Consumer Electronics Show 2026 fand vom 6. bis 9. Januar in Las Vegas statt und gilt als eine der weltweit wichtigsten Technologiemessen. In diesem Jahr wurde besonders deutlich, dass…

Digitale Beratung statt Parfümerie-Theke: Wie Online-Tools das Kaufverhalten bei Duftprodukten lenken

Digitale Beratung statt Parfümerie-Theke: Wie Online-Tools das Kaufverhalten bei Duftprodukten lenken

Der Kauf von Parfum hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Was früher fast ausschließlich an der Parfümerie-Theke stattfand, verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum. Konsumenten informieren sich…

Die vertikale Revolution: Wie aufgeständerte Hallenbüros die Flächeneffizienz in der Industrie neu definieren

Die vertikale Revolution: Wie aufgeständerte Hallenbüros die Flächeneffizienz in der Industrie neu definieren

Wachstum ist das Ziel jedes ambitionierten Unternehmens. Doch mit dem Erfolg wächst auch der Druck auf die vorhandenen Ressourcen – allen voran auf die Betriebsfläche. In der dynamischen Welt der…

Aktuellste Interviews

Eine globale Vision für Lebensmittelverpackungen

Interview mit Alex Noake, Managing Director der Sabert Corporation Europe SA

Eine globale Vision für Lebensmittelverpackungen

Der Food-and-Beverages-Markt steht vielfach im Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn Verpackungsmaterialien im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeitsbilanz weiter optimiert werden sollen. Der multinationale Sabert-Konzern hält hierfür spannende Lösungen bereit, die er gemeinsam…

Hybrid statt Hauruck: Wenn  Pragmatismus klimafreundlich wird

Interview mit Andreas Biermann, Geschäftsführer der Oberhessische Gasversorgung GmbH

Hybrid statt Hauruck: Wenn Pragmatismus klimafreundlich wird

Die Wärmewende findet nicht in Strategiepapieren statt, sondern im Heizungskeller. Steigende Energiepreise, neue gesetzliche Vorgaben, kommunale Wärmeplanung und eine Flut an Schlagworten von Wärmepumpe bis Wasserstoff haben viele Eigentümer verunsichert…

„Den Wandel mitgestalten“

Interview mit Uwe Dziuk, Geschäftsführer der WEAT Electronic Datenservice GmbH

„Den Wandel mitgestalten“

Die WEAT Electronic Datenservice GmbH aus Düsseldorf zählt zu den wichtigsten Payment- und Datendienstleistern der Mobilitätsbranche. Seit Jahrzehnten prägt das Unternehmen Tankstellenprozesse in Deutschland. Die zunehmende Digitalisierung und die Mobilitätswende…

TOP