Anders bauen

Interview mit Dieter Schnelle, Geschäftsführer der Transsolar Energietechnik GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schnelle, die Referenzliste von Transsolar ist beeindruckend. Das Unternehmen ist weltweit tätig und deckt ein breites Spektrum unterschiedlicher Gebäude ab; man findet den Alnatura Campus in Darmstadt ebenso wie das Swatch Omega Hauptquartier in der Schweiz, den Axel-Springer-Neubau in Berlin, den Harvard Science and Engineering Complex in den USA, dass Academy Museum of Motion Pictures in Los Angeles oder den Ellen DeGeneres Campus in Ruanda. Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Entwicklung?

Dieter Schnelle: Transsolar wurde 1992 gegründet; seitdem stehen klimagerechte und nachhaltige Bauten im Fokus. Seit 2006 haben wir eine sehr starke internationale Ausrichtung und im Laufe der Zeit Niederlassungen in den USA, Frankreich und zuletzt Toronto, Kanada, aufgebaut. Wichtige Bauwerke, die unsere Kompetenz unterstreichen, sind der Manitoba Hydro Tower in Winnipeg, der als weltbestes Hochhaus ausgezeichnet wurde oder auch der Posttower in Bonn. Inzwischen haben wir für unterschiedlichste Projekte weltweit gearbeitet.

Wirtschaftsforum: Ist das Unternehmen mit den komplexen Projekten gewachsen?

Dieter Schnelle: Ja. Wir haben heute weltweit 100 Mitarbeiter und einen Umsatz von 13 Millionen EUR. Außergewöhnlich für ein Ingenieurbüro ist die hohe Frauenquote gerade bei den jüngeren Mitarbeiter*Innen..

Wirtschaftsforum: Sie sind seit 2002 für Transsolar tätig. Wie würden Sie das Leistungsspektrum charakterisieren?

Dieter Schnelle: Wir sind im Beratungsgeschäft tätig und sehr breit aufgestellt. Bei Projekten kann es um Stadtentwicklungen oder einzelne Gebäude gehen, um den Bau von Schulen, Museen, Industriebetrieben, wissenschaftlichen Einrichtungen oder den Wohnungsbau. Wir sind breit aufgestellt, dennoch in einer Nische rund um das Thema Energieeffizienz und Klimaschutz tätig.

Wirtschaftsforum: Welche Marktentwicklungen beeinflussen aktuell die Arbeit?

Dieter Schnelle: Der Klimawandel ist seit jeher ein Thema, das unsere Arbeit prägt. Vor diesem Hintergrund werden Neubauten in Zukunft zurückgehen, während Renovierungen und Sanierungen in den Vordergrund rücken. Den Bestand von Gebäuden CO2-neutral zu gestalten, ist eine zentrale Herausforderung der Zukunft; zum Beispiel, wenn es darum geht, alte Industrieanlagen zu Wohnquartieren umzubauen. Eine unserer Prämissen ist, natürliche Ressourcen wie Sonne, Wind und Licht zu nutzen, die großen Einfluss auf Architektur, Fassadengestaltung, Haustechnik, Raumgröße und -anordnung haben.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Digitalisierung?

Dieter Schnelle: BIM, das Building Information Modeling, ist ein großes Thema. Unsere Arbeit war jedoch schon immer Digital ausgerichtet, mit unseren Simulationsprogrammen, mit denen der Jahresverlauf eines Gebäudes oder Klimaveränderungen simuliert werden können, sind ein wichtiges Planungstool und von großem Vorteil – vorausgesetzt, alles ist gut durchdacht und hinterfragt, ansonsten kann auch ein unnötiger Mehraufwand entstehen.

Wirtschaftsforum: Transsolar verschreibt sich dem Thema KlimaEngineering und agiert damit in einem Bereich von großer gesellschaftspolitischer Bedeutung. Was macht den Erfolg jenseits der fachlichen Kompetenz aus?

Dieter Schnelle: Unsere Arbeit ist sinnstiftend. Die Mitarbeiter brennen für ihre Arbeit, identifizieren sich mit ihr und nehmen dafür Unannehmlichkeiten wie längere Reisen gerne in Kauf. Man entscheidet sich für Transsolar, auch wenn andere Unternehmen aus der Region besser bezahlen. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Kindergarten sind nur einige Punkte, die Transsolar zu einem attraktiven Arbeitgeber machen. Die Arbeit hier macht Sinn und Spaß. Wir betreuen mindestens 30 Bachelor- oder Masterarbeiten; die Studenten bekommen dadurch realistische Einblicke und bewerben sich bei uns. Die Verbindung von Lehre und Arbeit ist uns sehr wichtig.

Wirtschaftsforum: Was schätzen Sie persönlich an Transsolar?

Dieter Schnelle: Transsolar ist über 30 Jahre alt, konnte aber den Geist eines Start-ups bewahren. Wir beschäftigen uns immer wieder mit Neuem, sind zukunftsorientiert, begeistern Kunden und Mitarbeiter. Aus einer familiären Struktur gewachsen, herrscht nach wie vor ein besonderes, familiäres Klima, das wir auch in Zukunft bewahren möchten. In drei bis fünf Jahren ist ein interner Eigentümerwechsel hin zu jüngeren Mitarbeitern geplant, ein Prozess, der von den Altgesellschaftern begleitet wird. So stellen wir die Weichen dafür, den Zeitgeist auch in der nächsten Generation zu erhalten. Mir persönlich sind die Kolleg*innen und das Arbeitsumfeld sehr wichtig. Hier bin ich umgeben von freundlichen, gebildeten Menschen. Gemeinsam erleben wir Höhen und Tiefen. Mein Ziel ist wirtschaftlicher Erfolg, aber nicht in Zahlen gemessen. Wir teilen den Gewinn unter den Mitarbeitern auf; hier ist jeder am Erfolg beteiligt.

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