OMR Festival 2026: Europas digitale Souveränität rückt ins Zentrum

Inhaltlich dominierten zwei eng verzahnte Themen das Programm: die geopolitische Neuvermessung Europas und die Frage, wer die Kontrolle über Künstliche Intelligenz behält.
Klingbeil und Wildberger: Selbstbewusstsein als Standortfaktor
Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil rief die Branche zu mehr strategischem Selbstbewusstsein auf. Er habe „keine Lust, dass die Zukunft Deutschlands in der großen Halle des Volkes in China oder im Kreml bestimmt wird” – und ebenso wenig im Weißen Haus. Konkret stellte Klingbeil zudem eine stärkere Förderung der Scale-up-Finanzierung in Aussicht, ein Engpass, der in der deutschen Digitalwirtschaft seit Jahren bemängelt wird.
Digitalminister Karsten Wildberger zog nach einem Jahr im Amt Bilanz und sieht in KI „unsere Chance für ein Comeback in der Industrie”. Entscheidend sei, Abhängigkeiten zu reduzieren und parallel sowohl Partnerschaften als auch eigene Modelle aufzubauen.
Sovereign by design: Schumanns Plädoyer
Den schärfsten unternehmerischen Akzent setzte Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits. Für ihn ist KI das „Betriebssystem der Zukunft” – entscheidend sei jedoch nicht die Technologie selbst, sondern die Datenhoheit dahinter: „In China gehören Daten dem Staat. In Amerika gehören Daten den Unternehmen. In Europa gehören die Daten immer noch uns selbst.”
Zwischen Hype und Realismus
Während Nick Turley (OpenAI) den Übergang zu agentischer, proaktiver KI ankündigte, mahnten Meredith Whittaker (Signal Foundation) und Josephine Ballon (HateAid) zur Vorsicht: Datenschutz, der Umgang mit personenbezogenen Daten in KI-Agenten und der Kampf gegen sexualisierte Deepfakes gehörten ebenso auf die Agenda wie Innovationsversprechen.
Der Tenor in Hamburg war damit deutlich differenzierter als 2025 – ein Signal, dass die Debatte in der deutschen Wirtschaft reifer wird.
Hamburg als europäischer Knotenpunkt
Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher würdigte die Rolle der Stadt als Schauplatz des Festivals und betonte die Funktion des Events als Impulsgeber für die internationale Digitalszene. Für die deutsche und europäische Wirtschaft bleibt die Botschaft aus Hamburg eindeutig: Wer im globalen Wettbewerb um KI, Daten und digitale Infrastruktur bestehen will, muss eigene Spielregeln definieren – und sie konsequent durchsetzen. Die kommenden zwölf Monate bis zum OMR27 dürften zeigen, wie ernst es Politik und Wirtschaft mit diesem Anspruch tatsächlich meinen.





