FeuerTRUTZ 2026: Wie die Energiewende den Brandschutz neu schreibt

Jeder Batteriespeicher im Keller, jedes Solardach, jedes Gebäude aus Holz ist eine gute Nachricht für das Klima. Und ein neues Problem für alle, die verhindern müssen, dass es brennt. Die grüne Transformation des Gebäudebestands schreibt die Risikokarte des Brandschutzes gerade neu, und die FeuerTRUTZ 2026 macht daraus ihr Leitthema. Wer die beiden Programmschwerpunkte liest, Energiewende und Holzbau, erkennt darin weniger einen Veranstaltungskalender als die offenen Baustellen einer ganzen Branche.

Die Batterie zieht ins Gebäude ein

Lithium-Ionen-Batterien können im Fehlerfall innerhalb von Sekunden in Brand geraten, sie setzen giftige Gase frei und lassen sich mit Wasser kaum löschen. Der gefürchtete „Thermal Runaway“ ist eine sich selbst verstärkende Kettenreaktion in der Zelle. Mit dem Einzug der Speicher in immer mehr Gebäude, warnt der Braunschweiger Brandschutzforscher Jochen Zehfuß, wachse das Risiko von Bränden mit gänzlich neuen Dynamiken. Wie real die Gefahr ist, zeigte im Januar 2025 ein Großbrand im kalifornischen Moss Landing, einer der größten Speicheranlagen der Welt: Wegen austretender Giftgase mussten bis zu 1.500 Anwohner zeitweise ihre Häuser verlassen.
Das Problem ist nicht nur technischer, sondern auch regulatorischer Natur. Die klassischen Bauordnungen sind nicht auf Batteriespeicher zugeschnitten. Planerinnen, Feuerwehren und Versicherer müssen ihre Konzepte schutzzielorientiert neu denken, also auf Basis individueller Gefährdungsanalysen statt fertiger Normtabellen. Genau hier entsteht ein Markt: für Abschottung und Entrauchung, für früh warnende Sensorik, für durchdachte Aufstellkonzepte. Nicht zufällig zählen zu den Kongress-Sponsoren 2026 mit Hekatron Brandschutz und Ei Electronics gleich zwei Spezialisten für Brandmeldetechnik.

Holz baut klimafreundlich und brennt

Der zweite Bruch verläuft entlang des Baumaterials. Der Holzbau boomt, weil er CO₂ bindet, schnell errichtet ist und zum Gesicht des nachhaltigen Bauens geworden ist, inzwischen auch in mehrgeschossigen Gebäuden. Nur ist Holz ein brennbarer Baustoff. Wie sich Höhe, Nachhaltigkeit und Sicherheit zugleich erreichen lassen, gehört zu den zentralen Fragen des begleitenden Brandschutzkongresses, von Verwendbarkeitsnachweisen bis zu konkreten Brandschutzlösungen für den Holzbau. Die grüne Wende löst ein Klimaproblem und eröffnet zugleich ein Sicherheitsthema.

Europas einzige Fachmesse ihrer Art

Die FeuerTRUTZ ist die einzige europäische Fachmesse mit Kongress für vorbeugenden Brandschutz und vereint bauliche, anlagentechnische und organisatorische Lösungen unter einem Dach. Sie findet am 24. und 25. Juni 2026 im Messezentrum Nürnberg statt, in den Hallen 4 und 4A sowie im Kongresszentrum NCC Ost. Getragen wird sie von zwei Partnern: Die NürnbergMesse veranstaltet die Fachmesse, die RM Rudolf Müller Medien organisiert den Kongress. Erwartet werden rund 300 Aussteller; 2025 waren es 276 bei etwa 6.300 Besuchern, und bereits im März war rund 80 Prozent der Fläche gebucht. Der Brandschutzkongress bietet über 40 Vorträge, vor Ort wie im Livestream, dazu Live-Vorführungen auf der Aktionsfläche ERLEBNIS Brandschutz. Dass selbst die Brandschutzchemie grüner wird, zeigt das Fraunhofer ICT mit seiner Forschung an nachhaltigen Flammschutzmitteln.
Hinter dem nüchternen Fachvokabular steckt eine strategische Verschiebung. Brandschutz galt lange als Kostenfaktor, den man möglichst klein hielt. Mit Energiewende und Holzbau wird er zum Ermöglicher: Ohne tragfähige Brandschutzkonzepte lassen sich Großspeicher, Solaranlagen und hohe Holzbauten gar nicht erst genehmigen. Wer klimafreundlich baut oder saniert, sollte den Brandschutz deshalb nicht ans Ende der Planung stellen, sondern an den Anfang. In Nürnberg wird im Juni zu besichtigen sein, wie groß dieser Markt schon geworden ist.

 

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