Natürlich einen Schritt voraus

Interview mit Hendrik Bender, CCO der Sovereign Speed GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bender, Sovereign Speed ist ein neutraler und unabhängiger Express-Carrier mit einem dezidierten Anspruch an nachhaltiges Wirtschaften. Wie kam es zu dieser Ausrichtung? 

Hendrik Bender: Als das Unternehmen 1998 gegründet wurde, stand dahinter die Idee, einen neutralen Konsolidator auf die Straße zu bringen. Bis dahin wurden viele Presseprodukte aus Hamburg nach Brüssel geliefert und von dort weiter in die Welt verschickt; jeder Publizist hatte einen eigenen Kurierdienst, die meisten Fahrzeuge waren also nicht ausgelastet. Unser Gesellschafter wollte das ändern und als White Label Solution die Strecke Hamburg–Brüssel bedienen. Weil Ladungen beigeladen wurden, konnten Fixkosten gesenkt werden; die Idee kam an. Aus diesen Anfängen ist ein europäisches Overnight-Netzwerk mit mehr als 70 Destinationen entstanden, die wir jede Nacht mit einem festen Fahrplan miteinander verbinden. 

Wirtschaftsforum: Wie entwickelte sich das Unternehmen weiter? 

Hendrik Bender: Das Serviceangebot wurde um Services wie Zollabwicklung oder Aircargo Handling diversifiziert, sodass Sovereign Speed heute als One Stop Shop mit europaweiter Abdeckung agiert. In 26 Jahren wurde aus einem einzigen Sprinter eine Flotte mit über 300 Lkw und 100 Sprintern.

Wirtschaftsforum: Auch in anderen Bereichen setzte Sovereign Speed Akzente. 

Hendrik Bender: Ja. Wir haben intensiv an unserer Innovations- und Dekarbonisierungsstrategie gearbeitet. Uns ist bewusst, dass wir als Logistiker für einen beträchtlichen CO2-Ausstoß verantwortlich sind und wollen aus voller Überzeugung etwas dagegen unternehmen – nicht weil wir es müssen, sondern weil wir es wollen. 

Wirtschaftsforum: Was heißt das genau? 

Hendrik Bender: Schon vor sechs Jahren haben wir die Strategie „Our way to zero“ entwickelt und dafür Green Teams gebildet und Ideen gesammelt. Uns war wichtig, dass unsere Nachhaltigkeitsstrategie wirklich von jedem mitgetragen wird; wir sehen darin eine Chance und wollen die Dinge selbst in die Hand nehmen. Unsere Strategie ruht auf den drei Bausteinen ‘Messen, Reduzieren, Vermeiden’. Wir befinden uns mittlerweile in der dritten Stufe, der Vermeidung schädlicher Emissionen. Dafür haben wir zum Beispiel den Biokraftstoff HVO eingeführt, in zehn Elektro-Lkw investiert, eine PV-Anlage auf dem Dach installiert und waren einer der ersten Carrier in Europa, der einen Book-and-Claim-Mechanismus eingeführt hat. Anders als die meisten Wettbewerber ist unsere Nachhaltigkeitsstrategie im Bereich Business Development verankert und nicht im Einkauf; so können wir Kunden besser mit ins Boot holen. Unser langfristiges Ziel ist, bis 2042 klimaneutral zu sein. Dieses Ziel wurde von der Initiative Science Based Targets verifiziert; das heißt, wir haben unsere Strategie öffentlich gemacht, lassen uns messen und auch kritisieren. 

Wirtschaftsforum: Sie kommen aus einer Spediteursfamilie und sind seit zehn Jahren für Sovereign Speed tätig. Was hat Sie am Unternehmen gereizt? 

Hendrik Bender: Als ich zu Sovereign Speed kam, habe ich direkt erkannt, wie weitsichtig das Unternehmen agiert, wie vorausschauend hier gedacht wird. In regelmäßigen Workshops beschäftigt man sich mit Zukunftsfragen; gleichzeitig stellt man sich selbst immer wieder infrage und passt Dinge an. Sovereign Speed will First Mover sein, nicht Fast Follower. 

Wirtschaftsforum: Gibt es besondere Charakteristika, die das Unternehmen vom Markt abheben? 

Hendrik Bender: Wir definieren uns als neutraler europäischer Asset-Best Infrastrukturanbieter, der seine Services ausschließlich der Logistikindustrie anbietet, also Spediteuren, Integratoren oder Airlines, niemals der produzierenden oder verladenden Industrie. Als White Label-Marke haben wir uns damit erfolgreich in der Nische platziert. Weil wir Asset-based arbeiten, eigene Mitarbeiter, Fahrzeuge und Lagerhallen haben, können wir die Qualität der Services direkt beeinflussen, was bei der Zusammenarbeit mit Subunternehmen nicht möglich ist. Hinzu kommt eine ausgeprägte Flexibilität. Während der Pandemie haben wir umgedacht und Masken und Impfstoffe transportiert. In dieser Zeit haben wir gelernt, unser Geschäft zu variabilisieren, um auf geopolitische Ereignisse schnell reagieren zu können. Unser Fokus liegt auf zeitkritischen, sensiblen Gütern; immer dann, wenn es irgendwo auf der Welt Disruptionen in der Lieferkette gibt und es schnell gehen muss, kommen wir zum Zuge. Gleichzeitig sind wir breit aufgestellt, arbeiten für unterschiedlichste Branchen und können damit Marktschwankungen ausgleichen. 

Wirtschaftsforum: Sovereign Speed hat rund 1.000 Mitarbeitende, 20 Niederlassungen in Europa, bewegt täglich 300 Lkw und 100 Sprinter und generiert einen Umsatz von 130 Millionen EUR. Wie soll es nach dieser beeindruckenden Entwicklung weitergehen? 

Hendrik Bender: Flankiert von einer Innovationsstrategie werden wir unsere One-Way-to-Zero-Strategie weiter forcieren und dabei auch auf KI setzen. Auf Basis des First Mover-Ansatzes wollen wir uns in unserer Nische als europäischer Marktführer positionieren und dabei den Geist eines Familienunternehmens wahren.

Sovereign Speed GmbH
Behringstraße 126
22763 Hamburg
Deutschland
Tel.: +49 40 226317200
corporate(at)sovereignspeed.com
www.sovereignspeed.com

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Wie bidirektionale Displays neue Wege der Raumgestaltung und Kommunikation eröffnen könnten

Wie bidirektionale Displays neue Wege der Raumgestaltung und Kommunikation eröffnen könnten

Bildschirme zeigen heute meist allen Menschen dieselben Inhalte. Bidirektionale Displays verfolgen einen völlig neuen Ansatz: Während eine Seite nahezu transparent bleibt, kann die andere gleichzeitig digitale Informationen oder Medien darstellen.…

Managed Backup oder Eigenbetrieb: Welche Backup-Strategie Ihr Unternehmen wirklich tragen kann

Managed Backup oder Eigenbetrieb: Welche Backup-Strategie Ihr Unternehmen wirklich tragen kann

Die Entscheidung für eine Backup-Strategie sollte keine Frage der technologischen Modernität sein, sondern sich an der betrieblichen Realität messen: Welches Modell kann das Unternehmen im Alltag dauerhaft und diszipliniert leisten?…

Datensouveränität-as-a-Service für KRITIS - made in Germany

Datensouveränität-as-a-Service für KRITIS - made in Germany

Anhand eines realen Recovery-Falls zeigt der Vortrag, was cyberresiliente, souveräne Backups in der Praxis für kritische Infrastrukturen 2026 leisten müssen – jenseits von NIS2-Compliance-Tabellen und den typischen Herausforderungen, die sich…

Aktuellste Interviews

Der Gipfel ist erst der Anfang

Interview mit Sebastian Schaller, General Manager Germany der Oberalp Deutschland GmbH

Der Gipfel ist erst der Anfang

Wer über Bergsport spricht, kommt an der Oberalp Gruppe kaum vorbei. Das familiengeführte Unternehmen mit Hauptsitz in Bozen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem internationalen „House of Mountain…

Auf der Seite des Kunden

Interview mit Carmen Philippi, Geschäftsführung, Vorstand der Versteegen Assekuranz – Versicherungsmakler AG

Auf der Seite des Kunden

Versicherungen gelten als komplex, unpersönlich und oft schwer verständlich. Gerade Unternehmen benötigen jedoch Lösungen, die exakt zu ihren Risiken passen und im Schadenfall zuverlässig greifen. Die Versteegen Assekuranz – Versicherungsmakler…

Nahrhaft, schmackhaft, convenient

Interview mit Toma Marcinkeviciute, Geschäftsführerin

Nahrhaft, schmackhaft, convenient

Seit 2010 vertreibt die VG Handel GmbH die Produkte der litauischen VIČI-Gruppe in Deutschland. Insbesondere Surimi möchte das Unternehmen in nächster Zeit noch deutlich bekannter machen und als nahr- wie…

TOP