Smart Country Convention 2026: Wie KI und digitale Verwaltung den Staat verändern

Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr Künstliche Intelligenz, smarte Infrastrukturen, Verwaltungsdigitalisierung und Resilienz, dazu Cloud-Technologien, Cybersicherheit, Mobilität, Energie und digitale Bildung. Kongress, Expo, Workshops und Networking sollen dabei nicht nur Zukunftskonzepte diskutieren, sondern konkrete Anwendungen aus Städten, Kommunen und Behörden zeigen.
KI soll Verwaltung schneller machen
Künstliche Intelligenz gehört 2026 zu den zentralen Themen der Veranstaltung. Dabei geht es zunehmend weniger um die Frage, ob KI in Behörden eingesetzt werden kann, sondern darum, welche Aufgaben sich sinnvoll automatisieren oder unterstützen lassen. Die ausgewählten Praxisbeispiele für das Bühnenprogramm reichen von KI-Anwendungen in der städtischen Verwaltung bis zur digitalen Steuererklärung durch das Finanzamt. Auch Cyberresilienz in kommunalen IT-Systemen und klimaangepasste Stadtentwicklung mithilfe von Satellitendaten stehen auf dem Programm. Beim Call for Speakers gingen 390 Vorschläge aus 40 Städten, zehn Bundesländern und acht Landkreisen ein. 20 Projekte wurden für das Programm ausgewählt. Gerade für Kommunen ist der praktische Nutzen entscheidend. Digitale Lösungen müssen nicht nur technisch funktionieren, sondern Verwaltungsmitarbeiter entlasten, Prozesse beschleunigen und für Bürger sowie Unternehmen einfacher nutzbar werden.
Drei Bundesminister treffen auf Kommunen und Digitalwirtschaft
Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger hat mit seinem Ministerium erneut die Schirmherrschaft übernommen. Erwartet werden außerdem Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, dazu Vertreter aus Landespolitik, Behörden, Wissenschaft und Wirtschaft. Zu den angekündigten Speakern gehören Sinan Selen vom Bundesamt für Verfassungsschutz, Grit Tüngler vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie Vertreter der Bundesagentur für Arbeit, der Deutschen Rentenversicherung und der Föderalen IT-Kooperation FITKO. Das Programm reicht damit von digitaler Verwaltung bis zu staatlicher Resilienz und Sicherheit.
Portugal zeigt, wie digitaler Staat funktionieren kann
Besondere Aufmerksamkeit erhält 2026 das Partnerland Portugal. Das Land erreichte im Digital Government Index 2025 der OECD den dritten Platz und wird in Berlin eigene Projekte und digitale Verwaltungsangebote vorstellen. Unter anderem können portugiesische Bürger inzwischen 16 offizielle Dokumente über die Gov.pt-App digital speichern und verwenden. Der portugiesische Minister für Staatsreform Gonçalo Saraiva Matias eröffnet die Smart Country Convention gemeinsam mit Bundesdigitalminister Karsten Wildberger am 13. Oktober. Portugal ist außerdem mit einem eigenen Messestand und mehreren Programmbeiträgen vertreten. Der internationale Vergleich dürfte gerade für deutsche Verwaltungen interessant sein. Denn nicht jede digitale Lösung muss neu entwickelt werden. Erfahrungen anderer Länder können zeigen, welche Strukturen funktionieren und an welchen Stellen organisatorische Veränderungen wichtiger sind als die nächste Software.
Cybersicherheit wird zur Voraussetzung der Digitalisierung
Je digitaler Verwaltung und öffentliche Infrastruktur werden, desto größer wird auch ihre Abhängigkeit von funktionierenden IT-Systemen. Cybersicherheit und digitale Souveränität gehören deshalb zu den Schwerpunkten der SCCON. Die Themen reichen von Cyberresilienz in Kommunen bis zum Schutz staatlicher Infrastruktur. Dabei entsteht ein Zielkonflikt: Verwaltungen sollen schneller digitalisieren und Daten besser nutzen, gleichzeitig müssen sensible Informationen geschützt und Systeme auch in Krisensituationen verfügbar bleiben. Digitale Sicherheit wird so zur Grundvoraussetzung für moderne öffentliche Dienstleistungen, nicht erst zum Thema, wenn ein Angriff bereits stattgefunden hat.
Start-ups suchen Lösungen für den digitalen Staat
Auch junge Technologieunternehmen bekommen in Berlin eine eigene Bühne. Beim Smart Country Startup Award werden Lösungen gesucht, die Verwaltungen, Städte und öffentliche Infrastruktur effizienter und vernetzter machen. Die Bandbreite reicht von KI für Stadtplanung und Verwaltung bis zu digitalen Vergabeprozessen und neuen Mobilitätskonzepten. Die Finalisten präsentieren ihre Anwendungen am 14. Oktober live vor Jury und Publikum. Gerade GovTech-Start-ups können für den öffentlichen Sektor interessant werden, weil sie Lösungen für Probleme entwickeln, die klassische Unternehmenssoftware nicht immer abdeckt. Entscheidend bleibt allerdings, ob Pilotprojekte anschließend auch über einzelne Kommunen oder Behörden hinaus skaliert werden können.
Digitalisierung wird zur Standortfrage
Die Smart Country Convention findet vom 13. bis 15. Oktober 2026 auf dem Berliner Messegelände statt. Die Veranstaltung richtet sich an Vertreter aus Bund, Ländern und Kommunen ebenso wie an Digitalunternehmen, Start-ups, Wissenschaft und öffentliche Unternehmen. Eintritt ist kostenfrei. Der hub27 war bereits acht Monate vor Veranstaltungsbeginn ausgebucht, woraufhin die Ausstellungsfläche in Halle 26 nochmals erweitert wurde. Der Zuspruch zeigt, wie groß der Handlungsdruck ist. Für Unternehmen ist Verwaltungsdigitalisierung kein Thema des öffentlichen Sektors allein. Genehmigungen, Unternehmensgründungen, Infrastrukturprojekte: Wie schnell und zuverlässig Behörden arbeiten, wirkt sich direkt auf wirtschaftliche Prozesse aus. Die entscheidende Frage in Berlin wird deshalb nicht sein, welche digitalen Technologien grundsätzlich verfügbar sind, sondern welche davon den Weg in den Verwaltungsalltag tatsächlich schaffen.







