„Leadership ist eine Frage des Handelns, nicht des Titels“

Das Unternehmen wurde vor rund 30 Jahren in Kopenhagen gegründet; der Gründer ist bis heute CEO. Deutschland war das erste Land außerhalb Dänemarks, in dem Implement Consulting nicht über Akquisitionen Fuß fasste, sondern gleichsam vollständig ‘auf der grünen Wiese aufgebaut wurde. „Wir wollten in Deutschland bewusst von Grund auf starten und uns den Markt Schritt für Schritt erarbeiten“, sagt Nina Möller. Der Markteintritt erfolgte vor etwas mehr als sieben Jahren mit fünf Mitarbeitenden in München. Heute beschäftigt Implement Deutschland rund 100 Mitarbeitende an den Standorten München, Hamburg und Düsseldorf; gruppenweit sind es etwa 2.000. Hamburg wurde nach der Anfangsphase gezielt aufgebaut, Düsseldorf folgt derselben Logik und zieht aktuell in eigene Räumlichkeiten um. 

Die Standortentwicklung folgt dabei einem klaren Prinzip: Bis zu 20 Mitarbeitenden arbeitet Implement bewusst im Coworking-Umfeld, kommen mehr hinzu, wird ein eigenes Büro bezogen. Meilensteine misst Implement weniger an formalen Eröffnungen als an erfolgreichen Recruiting-Phasen, anspruchsvollen Kundenmandaten und der Auszeichnung als Hidden Champion für Strategieumsetzung im deutschsprachigen Raum.

Transformation konsequent vom Menschen aus gedacht

Die Unternehmenskultur von Implement ist aus einer bewussten Unzufriedenheit mit klassischen Beratungssystemen entstanden. Ziel war eine Organisation mit wenig ‘Corporate Theater’, klaren Spielregeln und hoher Wirksamkeit. Intern prägen wenige, transparente KPIs, klar definierte Entscheidungsspielräume und Leitgedanken wie „Leadership is an Activity, not a Rank“ und „You Own the Energy“ die Zusammenarbeit. Autonomie ist dabei stets mit Verantwortung verbunden; enge Rollenbilder oder starre Rahmen werden bewusst abgelehnt. Fachliche Tiefe gilt als nicht verhandelbar – die Aussage „I’m a Nerd“ ist bei Implement positiv besetzt. „Man kann unsere Kultur nicht vollständig erklären – man muss sie erleben. Das zeigt sich im täglichen Miteinander genauso wie in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden“, sagt Nina Möller. Diese Haltung prägt auch die externe Arbeit. Transformation wird nicht als reine Konzeptleistung verstanden, sondern als Frage der nachhaltigen Verankerung. Veränderungen können nur wirken, wenn Mitarbeitende, Stakeholder und Führungskräfte sie mittragen. Angesichts verkürzter Strategiezyklen geht es weniger um langfristige Masterpläne als um Hypothesen, Optionen und resiliente Entscheidungsfähigkeit. Komplexität und Ambiguität wird dabei als Normalzustand akzeptiert – der Anspruch, dauerhaft ‘on top’ zu sein, gilt als überholt. Künstliche Intelligenz ist für Implement ein zentrales Transformationsthema. „KI ist eine der prägendsten Kräfte unserer Zeit – und ihre Wirkung sieht je nach Branche und Organisation sehr unterschiedlich aus: von vollständig automatisierten Standorten bis zur schrittweisen Adaption im Headquarter“, sagt Nina Möller. 

Gleichzeitig verändert KI auch die Beratungsarbeit selbst; Skillsets, Rollen und Anforderungen entwickeln sich weiter. Organisatorisch arbeitet Implement ohne zentrales Staffing. Projekte entstehen über Netzwerke und Followership – intern wie extern. Aktives Beziehungsmanagement ist Voraussetzung für Projektarbeit. Gleichzeitig folgt Implement konsequent der „One Implement“-Logik: Teams werden funktions-, standort- und länderübergreifend zusammengestellt. Das Leistungsspektrum umfasst unter anderem Transformation, Strategie, Leadership & Change Management, Wachstum & Innovation, Produktion & Supply Chain, Nachhaltigkeit sowie Digitalisierung; ergänzt durch Industrie-Teams wie Financial Services, Consumer Products, Life Science, Pharma, Energy und Industrial Goods. Im Markt spielt insbesondere der international tätige deutsche Mittelstand eine zentrale Rolle. Diese Unternehmen sind häufig offener für neue Beratungspartner, teilen unternehmerische Werte und denken langfristig – etwa bei Nachhaltigkeit oder Generationswechseln. Erfolge im Mittelstand haben zugleich den Zugang zu großen Konzernen erleichtert, die stärker über Ausschreibungen und Einkaufsprozesse gesteuert sind. Unterschiede zeigen sich auch im öffentlichen Sektor: „In Deutschland ist der Public Sector für uns eher opportunistisch, während er in Dänemark eine sehr große Practice ist“, erläutert Nina Möller. Auch die Mitarbeiterstruktur spiegelt den Ansatz wider: Mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren ist Implement „für Beratungshäuser alt“. Gesucht sind bewusst Menschen mit eckigen Lebensläufen, Industrie- und Transformationserfahrung – auch aus gescheiterten Projekten. Rekrutiert wird international, etwa aus Politik, Wirtschaft oder dem Ausland. Beteiligungsmodelle mit einer breiten Partnerschaft von über 400 Partnern sowie die Möglichkeit für Mitarbeitende, Anteile zu halten, unterstreichen den Co-Ownership-Gedanken und das Prinzip „Skin in the Game“. Wachstum bleibt ein Ziel, jedoch ohne starre Zahlen: Ob Verdopplung oder moderateres Wachstum, beides ist das Ergebnis von Menschen, Markt und Followership – nicht von Vorgaben. Die Kultur wird zudem durch kontinuierliche Weiterbildung gestärkt: Zweimal jährlich treffen sich alle 2.000 Mitarbeitenden weltweit zur internen ‘University’, aktuell in Aarhus, um Themen wie Kultur, KI und Change gemeinsam weiterzuentwickeln. So positioniert sich Implement nicht als Beratung mit fertigen Antworten, sondern als langfristiger Partner für Unternehmen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Transformation als fortlaufenden Prozess zu verstehen – getragen von Klarheit, Umsetzungskraft und einer konsequent menschenzentrierten Haltung.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

„Leadership ist eine Frage des Handelns, nicht des Titels“

„Leadership ist eine Frage des Handelns, nicht des Titels“

Dauerhafte Unsicherheit, steigende Komplexität und technologischer Wandel verändern die Anforderungen an Unternehmen grundlegend. Die Implement Consulting Group begegnet diesen Herausforderungen mit einem menschenzentrierten Ansatz und einer Abgrenzung zu klassischen Beratungsmodellen.…

Wie Cybersecurity-Bedrohungen die Geschäftsstrategien im Jahr 2024 prägen

Wie Cybersecurity-Bedrohungen die Geschäftsstrategien im Jahr 2024 prägen

Die Bedeutung der Cybersicherheit in der Geschäftswelt nimmt stetig zu, da Bedrohungen immer raffinierter werden. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Strategien anzupassen, um diesen Risiken zu begegnen. Dabei spielen…

Talentmagnet Mittelstand: Wie Sie den Fachkräftemangel mit digitaler Stärke regional besiegen

Talentmagnet Mittelstand: Wie Sie den Fachkräftemangel mit digitaler Stärke regional besiegen

Der deutsche Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft, doch ein hartnäckiges Problem bedroht sein Fundament: der Fachkräftemangel. Insbesondere in ländlichen und regionalen Gebieten wird der Wettbewerb um qualifizierte Talente immer…

Aktuellste Interviews

„Edelsteine sind eine tragbare Währung“

Interview mit Sue van Bömmel, Geschäftsführerin der Jakob Burck Uhren und Schmuck GmbH

„Edelsteine sind eine tragbare Währung“

Seit über 130 Jahren ist Juwelier Burck eine Institution in Friedberg. Doch wer hinter die glänzenden Schaufenster blickt, entdeckt weit mehr als ein klassisches Fachgeschäft. Sue van Bömmel, die vor…

Seele statt Standard

Interview mit Niels Battenfeld, Geschäftsführer der Lieblingsplatz Hotels Betriebs- und Managementgesellschaft mbH

Seele statt Standard

Wie sieht ein Hotel aus, das kein Hotel ist und zu einer Hotelkette gehört, die keine Hotelkette ist? Für Niels Battenfeld ist die Antwort klar: Wie ein Wohnzimmer, wie…

Strategien im E-Commerce

Interview mit Waldemar Derksen, Geschäftsführer der Albatros International GmbH

Strategien im E-Commerce

Der E-Commerce ist von permanentem Wandel geprägt: Plattformen verändern ihre Bedeutung, Konsumverhalten schwankt, technologische Entwicklungen beschleunigen Prozesse. Die Albatros International GmbH ist ein eigenmarkengetriebenes E-Commerce-Unternehmen, das sich seit über 20…

TOP