Einfach mehr für die industrielle Produktion
Interview mit Claudia Lenders, Mitglied des Management Teams der Hoffmann SE und verantwortlich für Vertrieb und Marketing
Wirtschaftsforum: Frau Lenders, die Hoffmann Group, Marktführer für den Vertrieb von Qualitätswerkzeugen, hat in ihrer langen Geschichte einen wichtigen Transformationsprozess durchlaufen. Wie sahen nachhaltig prägende Veränderungen aus?
Claudia Lenders: Hoffmann blickt auf eine über 100-jährige Firmengeschichte zurück, startete als Werkzeughändler und entwickelte sich zum Systempartner, der auch im Bereich Services und Software erfolgreich Fuß fasste. Hinter dieser Entwicklung steckt die Erkenntnis, dass Kunden heute mehr brauchen als Werkzeuge, die täglich in Gebrauch sind. Sie brauchen Beratungen für das richtige Werkzeug, den richtigen Produktionsablauf und die richtige Anwendung. Sie brauchen spezialisiertere Beratungen und gleichzeitig Beratungen für komplette Prozesse. Das Werkzeug allein ist weiterhin das Standardtool, aber auch eine Commodity, die man bei Hoffmann in sehr guter Qualität und Angebotsbreite beziehen kann. Wenn es um Beratungen für konkrete Anwendungen, um die Frage, wie man Produktions- und Beschaffungsprozesse optimieren und digitalisieren kann, geht, ist Hoffmann europaweit der beste Ansprechpartner, den industrielle Kunden sich wünschen können. Diese Wandlung vom reinen Katalogwerkzeughändler zum Prozessberater zur Digitalisierung in der Produktion und Beschaffung war der größte Schritt in der Hoffmann-Geschichte.
Wirtschaftsforum: Was hat sich organisatorisch in den vergangenen Jahren verändert?
Claudia Lenders: Vor drei Jahren hat uns die SFS Group Schweiz, mit der wir seit langem partnerschaftlich verbunden sind, übernommen. Der Anbieter von Schrauben, Beschlägen und Werkzeugen ist in unterschiedlichen Industrien tätig, deshalb sehen wir große Synergiepotenziale. Neue Impulse und Nutzen für unsere Kunden erhoffen wir uns auch durch die Mehrheitsbeteiligung an Jellypipe, eine 3D-Druckplattform. Kunden profitieren von weiteren Services in Produktion und Beschaffung aus einer Hand. Ein weiterer wichtiger Schritt Richtung Zukunft ist das von uns erwartete Closing der Akquise unserer langjährigen Partner Gödde, Perschmann und Oltrogge. In naher Zukunft werden wir in Deutschland einen einheitlichen Auftritt in Richtung Kunde haben und in den Märkten Belgien und Polen Präsenz zeigen.
Wirtschaftsforum: Wie sieht die heutige Unternehmensstruktur nach diesen strategisch wichtigen Entwicklungsschritten aus?
Claudia Lenders: In der gesamten Gruppe sind circa 4.000 Mitarbeiter in 50 Ländern tätig; etwa 1.700 sind reine Vertriebsmitarbeiter. Hier unterscheiden wir zwischen Innen-, Außen- und digitalem Vertrieb, es gibt Generalisten und Spezialisten. Wir bedienen mit Großkunden, Mittelstand und Kleinstkunden ein breites Kundenportfolio, deshalb ist eine breite Aufstellung sinnvoll.
Wirtschaftsforum: Wie hoch ist der Umsatz und wie sehen Erwartungen für die Zukunft aus?
Claudia Lenders: 2024 hat die Hoffmann Group 1,4 Milliarden EUR umgesetzt. 2025 sind wir holprig in das Jahr gestartet und deutlich positiver herausgekommen. Vorhersagen sind momentan aufgrund vieler Unsicherheiten schwierig. Zwar gab es auch in der Vergangenheit mit Corona und dem Krieg in der Ukraine große Herausforderungen, jetzt haben wir es zudem mit Handelskriegen und volatilen Zöllen zu tun, die für Unsicherheit sorgen. Es gab aber auch einige positive Impulse. So haben sich einige europäische Regionen schneller erholt als die DACH-Region. Zudem spüren wir, dass Unternehmen beginnen, wieder mehr zu investieren; noch nicht signifikant, aber es ist ein positives Signal, das uns optimistisch nach vorn schauen lässt. Nicht zuletzt gibt es Forschungszulagen, was für uns als ein auf Forschung und Entwicklung fokussiertes Unternehmen bedeutend ist. Hier tun sich neue Möglichkeiten und Chancen auf, die wir gern nutzen.
Wirtschaftsforum: Frau Lenders, Sie sind seit drei Jahren bei der Hoffmann Group. Wie sehen Sie Ihre Aufgaben?
Claudia Lenders: Wenn man stark regional wächst, muss man auch lokale Themen verstehen. Man kann nicht mit dem Hoffmann-Standard in neue Länder gehen und erwarten, dass dies funktioniert. Es geht darum, ein gutes Augenmaß zu haben. Um in den jeweiligen Ländern erfolgreich zu sein, ist es wichtig, unsere Value Proposition als Versprechen an unsere Kunden zu liefern und gleichzeitig auf lokale Bedürfnisse eingehen zu können. Entscheidend ist, profitabel und effizient zu bleiben und zu erkennen, in welchen Märkten und mit welchem Portfolio die größten Potenziale liegen. Weil das in jedem Land anders ist, lautet eine strategische Frage, wo wir uns anders aufstellen müssen, um das zu erreichen.
Wirtschaftsforum: Wie wollen Sie diese Herausforderungen meistern?
Claudia Lenders: Mit den richtigen Menschen im Team; sie sind das Wichtigste überhaupt. Mein großes Glück ist, dass ich ein hervorragendes Team habe. Ich bin davon überzeugt, dass man nur dann wettbewerbsfähig ist, wenn man die Profitabilität erhöht. Und um diese zu erhöhen, muss man Standards setzen, Mut zu neuen Standards haben und Mut haben, repetitive Themen in den Märkten zu standardisieren, zu digitalisieren und zu automatisieren. Nur dann habe ich Kapazitäten für Innovationen und neue Ideen und Märkte frei.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie diese Potenziale?
Claudia Lenders: In vielen Ländern waren und sind unsere Kernmärkte Automotive und Maschinenbau; Wachstumschancen sehen wir aktuell in den Bereichen Schiffbau, Aerospace, Energie und Defense. Um hier Potenziale effizient nutzen zu können, muss ich Kapazitäten frei machen.
Wirtschaftsforum: Wie lässt sich das Portfolio grob skizzieren?
Claudia Lenders: Hoffmann kommt aus dem Bereich Zerspanung; das ist unser Steckenpferd aus der Vergangenheit und auch heute eines der wichtigsten Felder. Ein von Wachstum geprägter Bereich ist die Betriebseinrichtung – von der Ausplanung bei Werksneubauten oder Neuausrichtungen in der Produktion bis zu Beschaffung, Montage und Bestückung. Immer wichtiger wird zudem der Bereich ‚Persönliche Schutzausrüstung‘. Hier gibt es viele Regeländerungen; Themen wie Sicherheit, Komfort und Gesundheit am Arbeitsplatz rücken immer mehr in den Vordergrund. Weitere Highlights sind die Bereiche Connected Manufacturing und Simple System, eine Beschaffungsplattform, über die bei verschiedenen Lieferanten bestellt werden kann. Insbesondere bei unseren digitalen Produkten wie Connected Manufacturing sehen wir noch große Potenziale für uns und unsere Kunden durch die Möglichkeiten der Vernetzung, um die Produktivität zu steigern und den Gewinn zu maximieren. Ein weiteres Thema, das an Bedeutung gewinnt, ist der 3D-Druck. Aus einer Fabrik können unterschiedlichste Technologien für verschiedenste Anwendungen ausgewählt werden.
Wirtschaftsforum: Automation spielt damit eine große Rolle im Unternehmen. Wie geht Hoffmann mit dem Thema Künstliche Intelligenz um?
Claudia Lenders: Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Thema und haben mit einigen Piloten in kleinem Maßstab in verschiedenen Bereichen begonnen. Auf der übergeordneten Ebene haben wir Anwendungsfälle definiert; das betrifft vor allem repetitive Transaktionen, die durch KI effizienter und produktiver werden können. Auch im Außenvertrieb wie bei Kundenberatungen oder Remindern kann KI helfen. Entscheidend ist, den Kunden auf diese Reise mitzunehmen und aufzuzeigen, wie Produktivität und damit Wettbewerbsfähigkeit durch KI gesteigert werden können.
Wirtschaftsforum: Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für die Erfolgsgeschichte von Hoffmann?
Claudia Lenders: Die Menschen, die leidenschaftlich für Hoffmann arbeiten. Hier wird eine starke Leistungskultur mit Herz gelebt, die den Kunden immer in den Mittelpunkt stellt; hier geht es um Tradition und Innovation, um Schritte aus der Komfortzone heraus. Das macht Hoffmann so besonders.





