Investieren, wenn andere abwarten
Interview mit Jasmin Waidner, Geschäftsführerin der Thomas Waidner GmbH

Für Jasmin Waidner war der Weg ins Familienunternehmen früh vorgezeichnet. Sie ist mit dem Betrieb aufgewachsen. Heute führt sie ihn gemeinsam mit ihrer Schwester Sandra Struck. „Bei mir war von Anfang an klar, dass ich das Unternehmen irgendwann übernehmen möchte“, sagt sie. Bereut habe sie diese Entscheidung nicht – obwohl der Zeitpunkt anspruchsvoll war. Auf das Spitzenjahr 2022 folgte 2023 ein Umsatzrückgang um 45%. Heute liegt der Umsatz bei rund 6 Millionen EUR. Vor allem die schwache Baukonjunktur und Insolvenzen im Kundenumfeld machen sich bemerkbar. Der Werkzeugbau sei dagegen gut ausgelastet. Statt angesichts der Flaute auf Stillstand zu schalten, investiert das Familienunternehmen weiter.
Mehr Raum, neue Maschinen
In den vergangenen zwei Jahren kamen 600 m2 Produktionsfläche hinzu. Außerdem entstand ein neuer Werkzeugbau mit 900 m².
Eine CNC-Fräsmaschine und eine Stanzmaschine wurden angeschafft, zuletzt folgte eine weitere Erodiermaschine. Der eigene Werkzeugbau sorgt dabei für Flexibilität. Konstruktion und Werkzeugfertigung bleiben im Haus, sodass bei Ausfällen schnell reagiert werden kann. Das Leistungsspektrum reicht vom Stanzen über das Entfetten und Gleitschleifen bis zur Baugruppenmontage. Kurze Wege sieht Waidner als wichtige Stärke des Familienunternehmens. Die Investitionen erweitern nicht nur die Kapazitäten, sondern stärken auch die Reaktionsfähigkeit des Betriebs. Weitere Anschaffungen sind bereits vorgesehen. „Aktuell ist ja gerade die beste Zeit dafür“, sagt sie mit Blick auf den Maschinenmarkt.
Nachwuchs und neues Wissen
Parallel schreitet die Digitalisierung voran. 2024 wurde ein neues ERP-System eingeführt. Als nächster Schritt ist ein BDE-Terminal geplant. Danach soll die Automatisierung stärker in den Fokus rücken. Auch mit KI beschäftigt sich das Unternehmen: Erfahrungswissen soll strukturiert erfasst und künftig digital nutzbar gemacht werden.
Entscheidend bleibt jedoch der Nachwuchs. Ab September 2026 werden acht der insgesamt 45 Mitarbeitenden Auszubildende sein. Angesichts des Fachkräftemangels hofft Waidner, möglichst alle später übernehmen zu können. Die eigene Ausbildung ist damit zugleich eine Investition in die langfristige Zukunft des Unternehmens.
Auch Vater Thomas Waidner ist weiterhin regelmäßig im Unternehmen. Seine mehr als 50 Jahre Berufserfahrung sind für die nächste Generation wertvoll. „Die Berufserfahrung, die er hat, habe ich noch nicht“, sagt Jasmin Waidner. Neues aufzubauen und zugleich dieses Wissen zu bewahren – darin liegt für sie ein wichtiger Teil der Zukunft des Familienunternehmens.








