„Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet!“
Interview mit Mira Steinhoff-Busch, Geschäftsführerin der Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Steinhoff-Busch, gemeinsam mit Ihren beiden Geschwistern betreiben Sie in Unna den Kranken- und Intensivpflegedienst LebensLuft. Sie möchten den Menschen in Ihrer Wohngemeinschaft ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Welcher Ansatz prägt dabei Ihr Handeln?
Mira Steinhoff-Busch: Uns ist es wichtig, dass die Menschen, die in unserer Wohngemeinschaft leben, so weit wie möglich über ihren Alltag mitentscheiden können – beginnend etwa mit der Frage, was sie essen und wie sie ihren Tagesablauf gestalten möchten. Alle haben ein Recht darauf, dass ihre Stimme Gehör findet. Wer seine Wünsche aufgrund seiner Schwerstpflegebedürftigkeit nicht selbst äußern kann, wird dabei von einer Betreuungsperson unterstützt, die diese bestmöglich kommuniziert. In enger Abstimmung mit den Angehörigen lassen sich auch besondere Bedürfnisse erfüllen: Wenn jemand beispielsweise Tiere immer gern gemocht hat, kann der Besuch eines Therapiehundes einen besonders schönen Nachmittag bereiten.
Wirtschaftsforum: Wie können Sie diese intensive persönliche Betreuung trotz der engen Rahmenbedingungen des Pflegealltags gewährleisten?
Mira Steinhoff-Busch: Wir sind mit erstklassigem Personal gesegnet, das sich in vielen Fällen schon seit vielen Jahren bei uns engagiert. Dadurch können wir mitunter auch Erlebnisse ermöglichen, die anderswo vielleicht nicht realisierbar wären: Vor zwei Jahren sind wir beispielsweise mit unserer gesamten Wohngemeinschaft in den Urlaub gefahren; allein die dafür benötigten Pflegehilfsmittel füllten einen ganzen Bus.
Mit Sommerfesten und anderen Benefizveranstaltungen, die wir gemeinsam mit den Angehörigen unserer Bewohnerinnen und Bewohner organisieren, können wir dafür auch Spenden sammeln. Im Alltag setzen wir stark auf die intensive Arbeit von Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten sowie weiteren Betreuungskräften. Sie aktivieren und fördern die Menschen gezielt, damit diese weiterhin möglichst selbstständig das tun können, wozu sie körperlich und kognitiv in der Lage sind.
Wirtschaftsforum: Worauf führen Sie Ihre gute Personalsituation zurück? Schließlich herrscht in kaum einer anderen Branche ein so ausgeprägter Fachkräftemangel wie in der Pflege.
Mira Steinhoff-Busch: Tatsächlich könnten wir derzeit keine weiteren Mitarbeitenden einstellen, weil unser Personalbedarf bereits vollständig gedeckt ist. Ich glaube, dass unsere Werte als Familienunternehmen dabei entscheidend sind: Wir bleiben mit unseren Mitarbeitenden im Gespräch, zeigen Verständnis, setzen aber auch klare Grenzen, wenn etwas einmal nicht möglich ist. Das schafft Verlässlichkeit und bildet die Grundlage für ein faires Geben und Nehmen. Wir wollen unserem Slogan „Wir sind für den Menschen da“ jeden Tag gerecht werden. Das gilt nicht nur für unsere Beziehung zu den Bewohnerinnen und Bewohnern, sondern ebenso für unser Verhältnis zu den Mitarbeitenden. Wir möchten alle Menschen gleich behandeln, unabhängig davon, welche Tätigkeit sie ausüben. Das prägt unser Handeln – genauso wie der Glaube, der meinen Geschwistern und mir bereits in unserer Kindheit vermittelt wurde.
Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung hat der Glaube für Ihren Berufsalltag?
Mira Steinhoff-Busch: Als Führungskräfte bestärkt er uns in unserer Haltung, dass es immer eine Lösung gibt, ganz gleich, wie schwierig eine Situation erscheinen mag. Wir sind überzeugt, dass dahinter ein höherer Plan steht, der einen Sinn hat – auch wenn wir diesen vielleicht nicht unmittelbar erkennen oder verstehen, wenn uns im Alltag große Herausforderungen begegnen. Doch wir wissen, dass es immer weitergeht. Mit dieser Haltung hat bereits unsere Mutter den Pflegedienst Busch gegründet, aus dem schließlich auch unser Unternehmen hervorgegangen ist, das in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiern konnte. Das hätten wir allein aus eigener Kraft niemals geschafft. Deshalb dürfen wir darauf vertrauen, dass dahinter auch Gottes Segen steht, der uns darin bestärkt, weiterhin an das Gute zu glauben und dafür zu kämpfen.
Wirtschaftsforum: Können auch andere Pflegeeinrichtungen von Ihrem Ansatz lernen?
Mira Steinhoff-Busch: Wir gehen mit den Menschen einen sehr individuellen Weg, auch in pflegerischer Hinsicht. Wir versuchen, sie bestmöglich zu mobilisieren und zu aktivieren, damit sie so selbstständig wie möglich leben können. Nicht wenige konnten wir später wieder nach Hause entlassen oder in eine Seniorenwohngemeinschaft überleiten. Wir haben allerdings auch das große Glück, in unserer langjährigen Geschichte mit den Strukturen gewachsen zu sein. Angesichts der vielfältigen personellen, wirtschaftlichen, strukturellen und medizinischen Herausforderungen bin ich mir, offen gestanden, nicht sicher, ob ich ohne den starken Hintergrund unseres über Jahre gewachsenen Familienunternehmens heute in dieser Branche den Weg in die Selbstständigkeit wählen würde.








