Das Herz hinter vielen Anwendungen

Interview mit Reto Furrer, CSMO (Chief Sales & Marketing Officer) der KNF Gruppe

Seit 1946 hat sich KNF konsequent auf Membranpumpentechnologie spezialisiert. Heute entwickelt und fertigt die Gruppe Lösungen für die Förderung von Gasen und Flüssigkeiten und ist weltweit präsent. Die Anwendungen reichen von Medizin- und Analysetechnik über Umwelttechnik und Digitaldruck bis hin zu Brennstoffzellen und neuen Energien. Selbst in Herzunterstützungssystemen, bei der Luftaufbereitung auf der Internationalen Raumstation ISS oder in Ultraschall-Zahnreinigungssystemen beim Zahnarzt können Pumpen von KNF zum Einsatz kommen.
Entscheidend ist für KNF nicht allein das Produkt, sondern dessen Anpassung an die jeweilige Anwendung. Auf Basis eines modularen Baukastensystems werden Pumpen so konfiguriert, dass Motor, Werkstoffe und Auslegung zu den spezifischen Anforderungen passen. Dahinter steht über Jahrzehnte aufgebautes Anwendungswissen. „Wir wollen das Richtige konfigurieren und über das Richtige beraten, damit es eine Win-win-Situation gibt“, sagt Reto Furrer. Die dezentrale Organisation unterstützt diesen Ansatz: Lokale Vertriebsteams kennen ihre Märkte und Kunden, während Produktzentren ihr technologisches Wissen einbringen.
Auch die Struktur als Familienunternehmen prägt die Entwicklung. Langfristiges Denken, Vertrauen, Qualität und Zuverlässigkeit gehören laut Reto Furrer zu den zen­tralen Werten. Strategien könnten über Jahre verfolgt werden, ohne dass kurzfristige Schwankungen sofort die Richtung bestimmten. Gleichzeitig sorgt die breite Aufstellung nach Märkten, Branchen und Kunden für Stabilität. Für den CSMO ist gerade die Verbindung von Technologie und persönlicher Zusammenarbeit wesentlich: Trotz aller Möglichkeiten der Digitalisierung würden anspruchsvolle Lösungen letztlich häufig „im Gespräch zwischen Menschen“ entstehen.

Mehr Intelligenz in Produkt und Beratung

Digitalisierung bedeutet bei KNF deshalb nicht, den persönlichen Austausch zu ersetzen. Vielmehr erweitert sie die Möglichkeiten, nicht zuletzt die der Produkte. Sensorik und intelligente Funktionen ermöglichen es beispielsweise, Vakuum, Druck oder Förderleistung der Pumpen präziser zu kontrollieren. Bei neuen Produkten verbindet sich bewährte Technologie zunehmend mit solchen digitalen Möglichkeiten. Ein Beispiel ist die webbasierte Simulationssoftware Nautilus für Smooth Flow-Pumpen. Ingenieure können damit bereits im Browser ein System modellieren und prüfen, welche Pumpe grundsätzlich infrage kommt. Anschließend lässt sich die Konfiguration gemeinsam mit den KNF-Experten weiter konkretisieren. „Wir versuchen Mehrwerte für unsere Kunden auf allen Ebenen zu schaffen“, erläutert Reto Furrer. Gerade bei komplexen Anwendungen sei ein schnell verfügbares Standardprodukt nicht automatisch die beste Lösung: Entscheidend sei, dass die Pumpe zum Gesamtsystem passe. Dieser Anspruch dürfte auch künftig die Richtung bestimmen. Digitalisierung, globale Präsenz und widerstandsfähige Lieferketten bleiben wichtige Themen. Am Grundprinzip soll sich jedoch wenig ändern: KNF will auf seinen technologischen Stärken aufbauen und nachhaltig wachsen – mit spezialisierten Produkten, langfristigen Partnerschaften und Lösungen, die häufig im Hintergrund arbeiten, dort aber eine entscheidende Funktion übernehmen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„Auf unsere Branche rollt eine riesige Auftragswelle zu!“

Interview mit Gerd Manns, Geschäftsführer der MANNS GmbH

„Auf unsere Branche rollt eine riesige Auftragswelle zu!“

Viele Straßen und Brücken in Deutschland sind marode, und auch zahlreiche Gebäude haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Hier kommt das Unternehmen von Gerd Manns ins Spiel, das sich auf…

„Unternehmertum braucht Freiraum!"

Interview mit Florian Reinhardt, Geschäftsführer der Norva24 Deutschland GmbH

„Unternehmertum braucht Freiraum!"

Unter Straßen, Gebäuden und Betriebsgeländen verbirgt sich eine Infrastruktur, die meist erst dann Aufmerksamkeit bekommt, wenn Probleme akut werden. Im Gespräch erläutert Florian Reinhardt von Norva24 Deutschland in Berlin, warum…

Chemie, die mehr können muss

Interview mit Roberto Camera Magni, Gesellschafter und CEO der Nearchimica S.r.l.

Chemie, die mehr können muss

Seit 1979 entwickelt die Nearchimica S.r.l. chemische Lösungen für die Textilindustrie. Das Unternehmen aus Legnano begleitet seine Kunden nicht nur mit Produkten, sondern auch mit anwendungstechnischem Know-how. Roberto Camera Magni,…

Spannendes aus der Region Schenkon

Technikaffine Netzwerker

Interview mit Thomas Vetsch, CEO der Gramag AG

Technikaffine Netzwerker

Vor einem Jahr übernahm Thomas Vetsch die Gramag AG, ein angesehenes Engineering- und Maschinenhandelsunternehmen aus Reiden in der Schweiz. Der CEO war immer im Maschinenbau tätig und das weltweit. Seine…

Mit Pumas und anderen Tieren: Anpassungsfähig wie die Natur

Interview mit Olivier Carnal, General Manager der Essemtec AG

Mit Pumas und anderen Tieren: Anpassungsfähig wie die Natur

Der Schweizer Maschinenbauer Essemtec AG mit Sitz in Aesch ist längst im Zeitalter der Industrie 4.0 angekommen. Das Unternehmen aus dem Kanton Luzern stellt Produktionsequipment unter anderem für die Elektronikfertigung…

Wachsen gegen den Trend – und in Schweizer Qualität

Interview mit Benno Brinlinger, Geschäftsführer der REFCO Manufacturing Ltd.

Wachsen gegen den Trend – und in Schweizer Qualität

Positive Nachrichten aus der Wirtschaft sind rar geworden – aber es gibt sie. Zum Beispiel von der REFCO Manufacturing Ltd. aus Hitzkirch in der Schweiz. Der Premiumanbieter für Werkzeuge und…

Das könnte Sie auch interessieren

Vom Surfcamp zum Ferienresort

Interview mit Olaf Winkelmann, Geschäftsführer der Feriendorf und Surfschule Pepelow GmbH

Vom Surfcamp zum Ferienresort

Was 1992 als einfaches Surfcamp begann, ist heute ein vielseitiges Ferienresort an der Ostsee. Die Feriendorf und Surfschule Pepelow GmbH verbindet Wassersport, Urlaub und mediterranes Ambiente zu einem Angebot für…

„Auf unsere Branche rollt eine riesige Auftragswelle zu!“

Interview mit Gerd Manns, Geschäftsführer der MANNS GmbH

„Auf unsere Branche rollt eine riesige Auftragswelle zu!“

Viele Straßen und Brücken in Deutschland sind marode, und auch zahlreiche Gebäude haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Hier kommt das Unternehmen von Gerd Manns ins Spiel, das sich auf…

„Mehr Selbstwirksamkeit täte der Industrie gut!“

Interview mit Martin Kugelmann, Geschäftsführer der Spherea GmbH

„Mehr Selbstwirksamkeit täte der Industrie gut!“

Der Ulmer Standort der aus Frankreich stammenden Spherea Group entwickelt vornehmlich Prüfsysteme für die militärische Luftfahrt und die Bahnindustrie: Branchen, die nicht zuletzt aufgrund der Aussetzung der Schuldenbremse in den…

TOP