Sicherheit für sensible Prozesse
Interview mit David Wendel, Geschäftsführer der ETS Degassing GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wendel, Sie führen die ETS Degassing GmbH gemeinsam mit Benjamin Kersch und verantworten unter anderem das operative Geschäft, den Vertrieb und die Marktentwicklung. Sie beschreiben die Tätigkeit von ETS Degassing als Umweltschutzdienstleistung. Was ist darunter zu verstehen?
David Wendel: Der Kern unserer Dienstleistungen ist die Einhaltung gesetzlicher Umwelt- und Emissionsvorgaben. In Raffinerien, Tanklagern oder Chemieanlagen entstehen gefährliche Restgase und Dämpfe, etwa wenn Tanks oder Rohrleitungen gewartet, gereinigt oder außer Betrieb genommen werden. Mit mobilen Anlagen behandeln wir diese sicher vor Ort und helfen zugleich, die Stillstandszeiten zu minimieren.
Wirtschaftsforum: Wie funktioniert eine solche Entgasung?
David Wendel: Vereinfacht kann man sich einen Tank wie einen Kochtopf vorstellen: Wird die Flüssigkeit entfernt, bleibt der Raum darüber mit Dämpfen gefüllt. Bei Benzin sind das Kohlenwasserstoffdämpfe, die explosiv, gesundheitsschädlich und umweltgefährdend sein können. Wir behandeln sie thermisch vor Ort. Bei einer definierten Temperatur und einer Verweildauer von etwa 0,3 Sekunden werden die Moleküle in CO2 und Wasserdampf umgewandelt. Was in der Natur Jahrzehnte dauert, geschieht bei uns innerhalb von Sekundenbruchteilen.
Wirtschaftsforum: Welche Situationen erfordern den Einsatz Ihrer mobilen Anlagen?
David Wendel: Raffinerien und Tanklager verfügen häufig über stationäre Einrichtungen zur Gasrückgewinnung. Fallen solche Systeme aus oder stehen Wartungs- und Prüfarbeiten an, stellen wir je nach Produkt und Anwendung die passende mobile Lösung bereit. Unsere Verbrennungseinheiten reichen von 0,2 bis 19,9 MW thermischer Leistung. Hinzu kommen mobile Stickstoffanlagen, etwa für Ammoniak sowie LPG- und LNG-Tanks in der Schifffahrt. Die Einsätze dauern im Durchschnitt zwei bis vier Wochen, können sich bei größeren Umbauten aber auch über mehrere Jahre erstrecken.
Wirtschaftsforum: ETS Degassing gilt als europäischer Markt- und Technologieführer; zudem wurde die ETS Group 2026 mit dem TOP 100-Siegel für ihre Innovationskraft ausgezeichnet. Worauf gründet diese Position?
David Wendel: Vor allem auf der Größe unseres Anlagenparks, unserer regionalen Verfügbarkeit und unserem Personalstamm. Gleichzeitig entwickeln wir unsere Technologien und Verfahren kontinuierlich weiter, um Emissionen zu reduzieren und die Sicherheit weiter zu erhöhen. Hinzu kommt unsere Erfahrung: In knapp 20 Jahren haben wir rund 3.500 bis 4.000 Projekte durchgeführt, aktuell sind es etwa 180 bis 200 pro Jahr. Diese umfangreiche Projekterfahrung ist gerade in Hochsicherheitsbereichen mit explosiven oder toxischen Stoffen entscheidend. Unsere Anlagen werden deshalb ausschließlich von eigenem Personal betrieben. Zu unserer Kompetenz gehören hohe Standards beim Arbeitsschutz, in der Qualitätssicherung und im
Umweltschutz sowie ein sicherer Umgang mit Behörden und Genehmigungsverfahren.
Wirtschaftsforum: Wie ist die heutige ETS Degassing entstanden?
David Wendel: Unsere Wurzeln liegen in den beiden familiengeführten Unternehmen ENDEGS und SIS. Im Jahr 2019 beteiligte sich ECM Equity Capital Management im Zuge einer Nachfolgeregelung an SIS, 2023 folgte ENDEGS. Beide Unternehmen wurden zusammengeführt und strategisch neu aufgestellt. Heute bildet die ETS Group das strategische Dach, während ETS Degassing das operative Geschäft und die internationalen Aktivitäten bündelt. Wir beschäftigen rund 85 bis 90 festangestellte Mitarbeitende, davon etwa 65 in Deutschland, und erwirtschaften als Gruppe einen Umsatz von rund 20 Millionen EUR.
Wirtschaftsforum: Wie international ist ETS heute aufgestellt – und welche Rolle spielt die Diversifizierung angesichts des schwierigen europäischen Marktumfelds?
David Wendel: Neben Deutschland sind wir mit eigenen Gesellschaften in den Niederlanden, Frankreich und Saudi-Arabien vertreten. Europa bleibt unser Kernmarkt, steht aber unter erheblichem Druck: Hohe Energiekosten, Abgaben und regulatorische Anforderungen haben dazu geführt, dass Unternehmen Investitionen gestoppt oder Anlagen heruntergefahren haben. Auch wenn unsere Auslastung seit März wieder steigt, bleibt eine breitere internationale Aufstellung für uns wichtig. In Saudi-Arabien haben wir mit einem mehrjährigen Vertrag mit Aramco ein Leuchtturmprojekt gewonnen und eine Basis für weiteres Wachstum im Mittleren Osten geschaffen. Wachstum sehen wir vor allem in Ost- und Südosteuropa, Skandinavien und im Mittleren Osten; auch Südostasien bleibt interessant. Entscheidend ist für uns, gezielt zu wachsen, ohne uns zu verzetteln. Unsere internationale Präsenz wollen wir dort ausbauen, wo Erfahrung, Kapazitäten und Sicherheitsstandards langfristig gefragt sind. Dabei geht es nicht um eine schnelle Expansion, sondern um einen nachhaltigen Ausbau unserer Position in ausgewählten Märkten.
Wirtschaftsforum: Welchen messbaren Nutzen schaffen Ihre Lösungen für die Auftraggeber – und welches Wachstumspotenzial eröffnet sich daraus für ETS?
David Wendel: Wir können unsere Projekte messtechnisch begleiten und ihre Wirkung nachweisen. Bei LNG beziehungsweise Methan lassen sich gegenüber einer Freisetzung rund 89% der CO2-Äquivalente einsparen. Gleichzeitig helfen unsere mobilen Lösungen, kostspielige Stillstände zu vermeiden und Anlagen gesetzeskonform weiterzubetreiben. Umweltschutz, Versorgungssicherheit, regulatorische Anforderungen und Wirtschaftlichkeit greifen damit unmittelbar ineinander. Wachstum sehen wir vor allem in Ost- und Südosteuropa, Skandinavien und im Mittleren Osten; auch Südostasien bleibt interessant. Entscheidend ist für uns, gezielt zu wachsen, ohne uns zu verzetteln. Unsere internationale Präsenz wollen wir dort ausbauen, wo Erfahrung, Kapazitäten und
Sicherheitsstandards langfristig gefragt sind. Dabei geht es nicht um eine schnelle Expansion, sondern um den nachhaltigen Ausbau unserer Position.












