"Absolute Datensicherheit ist eine Illusion"

Kritik an Apples Daten-Versprechen

Grundsätzlich hält Weigend Daten für nützlich, weil sie uns das Leben erleichtern können. Er appelliert aber an die Nutzer, sich für die eigenen Daten einzusetzen: „Wir müssen die großen Konzerne in die Pflicht nehmen, für Transparenz im Umgang mit unseren Daten zu sorgen“. Das geht aus einer seiner sechs Leitlinien für ein neues Datenverständnis hervor. Gleichzeitig solle sich der Nutzer nicht für dumm verkaufen lassen: Denn auch wenn Apple plakatiere ‚What happens on your iPhone, stays on your iPhone‘ sei klar: „Absolute Datensicherheit ist eine Illusion, auch bei Apple-Produkten.“

DSGVO auch über Europa hinaus

Mit der im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist der Autor durchaus zufrieden. Eine Ausweitung über Europa hinaus sei aber sinnvoll: „Globale Prozesse wie die Digitalisierung brauchen allerdings auch globale regulatorische Rahmen. Wünschenswert wäre also, wenn auch außerhalb der Europäischen Union dieser Weg weiter verfolgt wird.“ Die Künstliche Intelligenz, die schon jetzt schon durch Alexa und Co. sichtbar ist, stellt eine Herausforderung für den Datenschutz dar. Und es sei absehbar, dass sich unser Leben dadurch in den kommenden Jahren drastisch verändern werde.

Künstliche Intelligenz als „Quantensprung in der menschlichen Entwicklung“

„Für mich als promovierten Physiker, der Technik liebt, ist dieser Einzug von klugen Assistenten in unsere Leben ein Quantensprung in der menschlichen Entwicklung“, schreibt Datenexperte Weigend. Dass Künstliche Intelligenz bei Nutzern Angst und Sorgen auslösen kann, kann er durchaus nachvollziehen. Doch ohne unsere Daten sei die Funktionalität nicht gewährlistet: „Die Daten, die jeder von uns beisteuert, sorgen letztendlich dafür, dass die Services genauer und intelligenter werden, sodass sie den Begriff Künstliche Intelligenz tatsächlich Stück für Stück verdienen.“ Weigend, der seit August 2018 auch im Digitalrat der Bundesregierung sitzt, erkennt noch nicht das Worst-Case-Szenario, nach dem Künstliche Intelligenz uns überflüssig machen könne: „Alexa & Co. sind derzeit weniger Apokalyptische Reiter der Künstlichen Intelligenz als auf unsere Worte hin trainierte digitale Äffchen.“

Aufklärung und Diskurs werden immer wichtiger

Klar ist: Künstliche Intelligenz werde in den kommenden Jahren immer schneller immer mehr dazulernen – auch mithilfe unserer Daten. Daher ist es wichtig, in der Gesellschaft Wissen und Kompetenz für digitale Anwendungen zu schaffen: „Um die Synergien zwischen menschlicher und Künstlicher Intelligenz in gesellschaftlichen Nutzen zu transformieren, braucht es einen informierten und aufgeklärten Diskurs über Technik und Technikfolgen“, fordert Weigend, der im Digitalrat der Bundesregierung seinen Teil dazu beitragen möchte.

Quelle: Murmann Verlag

Lesen Sie hier unser Interview mit Dr. Andreas Weigend

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