Zwischen Skipiste und Almwiese – 365 Tage Bergerlebnis

Interview mit Paul Pisching, Geschäftsführer der Seilbahnen St. Vigil in Enneberg AG

Wirtschaftsforum: Herr Pisching, Sie leiten ein traditionsreiches Unternehmen in einer der bekanntesten Skiregionen Europas. Was macht die Seilbahnen St. Vigil in Enneberg AG heute aus?

Paul Pisching: Wir sind ein zentraler Teil des Kronplatzes und betreiben auf der Südseite insgesamt neun Seilbahnanlagen mit rund 30 km Pisten. Unsere Gesellschaft wurde vor über 60 Jahren gegründet und hat sich seither kontinuierlich weiterentwickelt. Während früher einfache Schlepplifte ausreichten, setzen wir heute auf modernste Technik und investieren laufend in Qualität und Sicherheit. Besonders stark sind wir auch im Wintertourismus aufgestellt – mit Angeboten wie der Weltcup-Piste oder dem Nachtskifahren im Ort. Doch auch der Sommer gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen den Sommertourismus an – ein Bereich, der in vielen Skigebieten noch unterentwickelt ist. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Paul Pisching: Die letzten Jahre zeigen klar, dass der Sommer großes Potenzial bietet. Wir arbeiten aktiv daran, die Saison zu verlängern. Besonders Familien sind unsere Zielgruppe: Wir haben neue Spiele am Piz de Plaies installiert, neue Wanderwege eingerichtet und planen zusätzliche Erweiterungen. Auch Mountainbike-Trails gehören dazu, wobei die Zusammenarbeit mit Grundbesitzern hier eine zentrale Rolle spielt. Zusätzlich bieten wir auf 2.200 m Höhe zwei Museen und viele Aktivitäten für Kinder – inklusive Schatzsuchen.

Wirtschaftsforum: Neben den Seilbahnen betreiben Sie seit Kurzem auch ein eigenes Hotel. Was hat es damit auf sich?

Paul Pisching: Genau, das Hotel AMA Stay ist unser jüngstes Projekt, das wir zwischen 2020 und 2022 gebaut haben. Es ist ein modernes Hotel mit Co-Working-Konzept und spricht insbesondere digitale Nomaden, Aktivurlauber und Menschen an, die Beruf und Freizeit verbinden möchten. Das Haus ist architektonisch hochwertig umgesetzt, bietet eine exzellente Gastronomie, Wellnessbereiche und flexible Aufenthaltsmöglichkeiten – vom Kurztrip bis zum längeren Aufenthalt. Es ergänzt unser touristisches Angebot ideal und macht uns unabhängiger von saisonalen Schwankungen und ist außerdem ein wichtiger wirtschaftlicher Pfeiler geworden.

Wirtschaftsforum: Aus welchen Ländern kommen Ihre Gäste hauptsächlich – und haben sich die Herkunftsländer in den letzten Jahren verändert?

Paul Pisching: Hauptmärkte sind Italien, Deutschland, Österreich und die Schweiz. Allerdings spüren wir aktuell einen Rückgang bei deutschen Gästen, was vor allem auf wirtschaftliche Faktoren zurückzuführen ist. Stabil ist der italienische Markt, während wir deutlichen Zuwachs aus Osteuropa – etwa Polen, Tschechien oder Kroatien – verzeichnen. Auch Gäste aus Großbritannien und den USA, etwa über Direktverbindungen nach Bozen, entdecken die Region zunehmend für sich.

Wirtschaftsforum: Sie befinden sich mitten in einer Region, die vom Tourismus lebt. Gibt es hier eine Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, insbesondere im Bereich Vermarktung?

Paul Pisching: Die übergeordnete Vermarktung übernimmt die IDM – Innovations-, Entwicklungs- und Marketinggesellschaft Südtirols – als Dachmarke für das ganze Land. Für unsere Region wurde zusätzlich die Brand Kronplatz gegründet, ein Zusammenschluss der wichtigsten Tourismusorganisationen, Gemeinden und Seilbahnbetreiber. Wir sind Teil des Skirama Kronplatz, das gemeinsam mit elf weiteren Talschaften das weltweit größte Skikarussell bildet: Dolomiti Superski. Diese enge Kooperation schafft eine starke gemeinsame Präsenz und eine klare Positionierung am Markt.

Wirtschaftsforum: Sie haben erwähnt, dass auch Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema ist. Wie setzen Sie das konkret um?

Paul Pisching: Seit 2009 sind wir nach ISO 14001 zertifiziert und entwickeln aktuell einen eigenen Nachhaltigkeitsreport, in dem wir unsere Maßnahmen transparent dokumentieren. Auch die ESG-Zertifizierung ist für uns von großer Bedeutung, nicht zuletzt wegen Finanzierungsfragen. Kürzlich wurden wir sogar als „bestes mittelständisches ESG-Unternehmen in Norditalien“ ausgezeichnet – ein schöner Beweis für unser Engagement.

Wirtschaftsforum: Wie sind Sie selbst zu Ihrer Position gekommen?

Paul Pisching: Ich bin hier in der Region aufgewachsen, meine Eltern betrieben ein Berggasthaus. Nach Stationen in der Energiewirtschaft und der Elektroinstallation kam ich über das Organisationskomitee des Weltcups zum Skirama Kronplatz. Als bei den Seilbahnen St. Vigil in Enneberg eine Nachfolge gesucht wurde, kam ich dazu – und bin seit nunmehr fünf Jahren mit Herzblut dabei!

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie in Ihrer täglichen Arbeit?

Paul Pisching: Es ist die Möglichkeit, den Gästen und Einheimischen ein besonderes Erlebnis zu bieten. Skifahren ist mehr als ein Sport – es ist Emotion, Erinnerung und Bewegung in der Natur. Wenn jemand nach Hause fährt und sagt: „Das war ein toller Tag“, dann ist das für mich der schönste Lohn.

Seilbahnen St. Vigil in Enneberg AG 
Str. Plan De Corones 38
39030 Enneberg
Italien
+39 0474 501131
info@funivi.it
www.funivi.it

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