„Wir sind seit über 150 Jahren am Markt!“

Interview mit Markus Hartmann, Geschäftsführer der HARTMANN TRESORE GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hartmann, Ihre Firma ist ein Familienunternehmen mit langer Tradition. Seit wann sind Sie im Unternehmen tätig und wie sieht die heutige Eigentümerstruktur aus?

Markus Hartmann: Seit 2016 bin ich Geschäftsführer bei Hartmann Tresore, also seit zehn Jahren. Mein Bruder und seine Frau sind die Eigentümer der Hauptgesellschaft. Ich selbst bin Angestellter und gleichzeitig Eigentümer einer Tochtergesellschaft, die ich 2003 gegründet habe. Das Unternehmen geht auf einen 1835 gegründeten Handwerksbetrieb zurück und ist in der 5. Generation in Famileinhand.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Unternehmen von den Anfängen bis heute entwickelt?

Markus Hartmann: Alles begann als Dorfschmiede in Paderborn. Nach dem 2. Weltkrieg spezialisierten wir uns auf den Fenster- und Türenbau. In den 1980er-Jahren erkannte mein Vater das wachsende Bedürfnis nach Sicherheit und stieg in den Tresorbau ein: zunächst für Privatkunden, später auch für Gewerbe, Behörden und sogar für den Explosionsschutz. Heute sind wir mit 150 Mitarbeitern und einem Umsatz von fast 40 Millionen EUR international aktiv, unter anderem in Frankreich, der Schweiz, Italien, Polen und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihr Produktportfolio aus und wo­rauf legen Sie besonderen Wert?

Markus Hartmann: Wir verkaufen ausschließlich zertifizierte Tresore nach der Norm EN 1143-1. Unser Sortiment umfasst Privat- und Waffentresore, Apotheken- und Cannabis-Lagerlösungen, Hochsicherheits-Tresorräume sowie Explosionsschutztüren. Besonders wichtig sind uns Innovation und Service: Wir bieten stille Alarmanlagen, Fingerprint-Schlösser und digitale Inventarverwaltung. Unsere Tresore sind nicht nur sicher, sondern mit Touchscreens, außen liegenden Batteriefächern und vielen Serviceleistungen auch nutzerfreundlich.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden?

Markus Hartmann: Jeder kann einen Tresor brauchen, Privatpersonen, Hotels und Apotheken ebenso wie Behörden und Obdachlosenheime. Mehr als die Hälfte unserer Produkte geht ins Ausland. In Frankreich sind wir sogar Marktführer.

Wirtschaftsforum: Wie organisieren Sie Vertrieb und Kundenbindung?

Markus Hartmann: Wir setzen auf digitale Präsenz, Social Media und ausgewählte Messen wie ‘Jagd und Hund’ oder ‘Internorga’. Key Account Manager betreuen unsere großen Kunden, bei Privatkunden setzen wir vor allem auf Newsletter und unsere Service-Hotline. Unsere Tresore halten oft 30 bis 50 Jahre. Da geht es um langfristige Beziehungen und Vertrauen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen?

Markus Hartmann: Digitalisierung durchdringt alle unsere Prozesse: vom E-Commerce bis zur App für Inventarverwaltung. Bei der Nachhaltigkeit sind wir Vorreiter. Unser ‘ÖkoSafe’ ist der erste Tresor mit CO2-Zertifikat. Wir arbeiten kontinuierlich daran, Materialien recycelbarer zu machen und den Lebenszyklus unserer Produkte zu verlängern. Meine Kinder haben mich übrigens auf das Thema Nachhaltigkeit aufmerksam gemacht. Das zeigt, wie wichtig es auch für die nächste Generation ist.

Wirtschaftsforum: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren von Hartmann Tresore?

Markus Hartmann: Am Ende zählen die Menschen. Unsere Mitarbeiter leben Werte wie Mut, Ehrlichkeit, Wertschätzung, Zusammenhalt und Erfolg. Wir investieren stark in moderne Führung und das Konzept New Work, um ein attraktiver und zukunftsfähiger Arbeitgeber zu bleiben.

Wirtschaftsforum: Wie reagieren Sie auf den wachsenden E-Commerce und den Rückgang des stationären Handels?

Markus Hartmann: Wir haben unsere Prozesse vollständig digitalisiert. Heute kann ein Kunde sonntagsabends einen Tresor online bestellen, der am Montagmorgen auf die Palette geht. Gleichzeitig setzen wir auf Beratung und Service. Ein Tresor ist ein Vertrauensprodukt. Da braucht es mehr als nur einen Onlineshop.

Wirtschaftsforum: Was macht Hartmann Tresore aus Ihrer Sicht einzigartig?

Markus Hartmann: Es ist unsere Kombination aus Tradition, Innovation und Service. Wir sind seit über 150 Jahren am Markt, denken und handeln aber modern. Unsere Mitarbeiter sind unser größtes Kapital. Sie machen den Unterschied, wenn es um Beratung, Service und langfristige Kundenbeziehungen geht.

Wirtschaftsforum: Wie sieht es mit Ihrer Nachfolge aus? Wird die nächste Generation das Unternehmen übernehmen?

Markus Hartmann: Meine Kinder sind bereits in Projekte wie unseren ‘ÖkoSafe’ eingebunden. Ob sie das Unternehmen später übernehmen, steht noch nicht fest. Wichtig ist, dass wir das Unternehmen so aufstellen, dass es auch in der nächsten Generation erfolgreich weitergeführt werden kann, sei es durch die eigene Familie oder eine junge Führungsmannschaft.

HARTMANN TRESORE GmbH
Pamplonastraße 2
33106 Paderborn
Deutschland
Tel.: +49 5251 17440
info(at)hartmann-tresore.de
www.hartmann-tresore.de

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Wirtschaftsstandort Berlin: Strategien für zukunftssicheres Asset Management

Wirtschaftsstandort Berlin: Strategien für zukunftssicheres Asset Management

Der Wirtschaftsstandort Berlin hat sich in den vergangenen Jahren von einer reinen Verwaltungsmetropole zu einem der dynamischsten Investitionspflaster Europas entwickelt. Während die deutsche Hauptstadt früher oft im Schatten von Frankfurt…

Analytica 2026. Digital Transformation im Labor wird zur operativen Realität

Analytica 2026. Digital Transformation im Labor wird zur operativen Realität

Die Analytica 2026, die vom 8. bis 11. April 2026 in München stattfindet, gilt als führende internationale Leitmesse für Labortechnik, Analytik und Biotechnologie. Im Fokus steht die digitale Transformation des…

Zwischen KI, Plattformen und Direktvertrieb: Wie sich der Onlinehandel neu sortiert

Zwischen KI, Plattformen und Direktvertrieb: Wie sich der Onlinehandel neu sortiert

Der Onlinehandel ist schon länger kein Selbstläufer mehr und befindet sich derzeit in der Transformation. Über viele Jahre wurde er durch den klassischen Webshop geprägt, doch mittlerweile wandelt er sich…

Aktuellste Interviews

Das einfache (und doch nicht triviale) Produktivitätstool

Interview mit PD Dr. Peter Kuhlang, Geschäftsführer der MTM SOLUTIONS GmbH

Das einfache (und doch nicht triviale) Produktivitätstool

Das MTM-Verfahren, das auf der zentralen Größe Leistung, also Arbeit pro Zeiteinheit basiert, findet in der Industrie weite Verbreitung. Seine Umsetzung ist im Detail jedoch nicht trivial. Die MTM SOLUTIONS…

Im Tausendstel zu Hause

Interview mit Tobias Wild, Geschäftsführer der WILD & KÜPFER AG

Im Tausendstel zu Hause

Hochpräzision im Tausendstel-Millimeter-Bereich, Reinräume für Medizintechnik und Pharma, selbstfahrende Transportfahrzeuge in der Produktion: Die Wild & Küpfer AG aus Schmerikon ist kein typischer Kunststoffverarbeiter. Das Schweizer Familienunternehmen hat sich konsequent…

Fertigung wieder regional gedacht

Interview mit Frank Caser, Geschäftsführer der C.F.K. CNC- Fertigungstechnik Kriftel GmbH

Fertigung wieder regional gedacht

Als viele Industrieunternehmen ihre Fertigung in den vergangenen Jahren international verzweigten, blieb die C.F.K. CNC-Fertigungstechnik Kriftel GmbH dem Standort Deutschland treu – und baute zugleich Kompetenzen aus, die heute wieder…

TOP