Gut gerüstet für den Einsatz

Interview mit Alex Stirner, Geschäftsführer der Stirner GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Stirner, welche Meilensteine waren für die Entwicklung Ihres Unternehmens entscheidend?

Alex Stirner: Der wichtigste Schritt war 1991, als mein Vater in einen bereits stark besetzten Markt eingestiegen ist und sich bewusst auf Feuerwehrbedarf spezialisiert hat. Als Einzelunternehmer hat er sich schrittweise einen Namen gemacht. Die Gründung der GmbH 2006 war ein wichtiger formaler Schritt. Der größte Entwicklungssprung kam jedoch 2015 mit unserem Neubau, der uns neue Ressourcen in Vertrieb, Lager und Service eröffnet hat.

Wirtschaftsforum: Was hat dieser Neubau strategisch verändert?

Alex Stirner: Er hat uns ermöglicht, unser Portfolio deutlich zu erweitern. Neben dem Handel kamen zusätzliche Dienstleistungen hinzu, etwa Atemschutzwerkstätten, Druckbehälterprüfungen, Schulungen und später auch eine Wäscherei für Feuerwehreinsatzbekleidung. Diese Services haben unser Wachstum beschleunigt und das Unternehmen insgesamt stabiler gemacht. 

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist diese breite Aufstellung heute?

Alex Stirner: Sehr wichtig. Wir decken Feuerwehrbedarfhandel, vorbeugenden Brandschutz und abwehrenden Brandschutz ab. Dadurch sind wir weniger anfällig, wenn einzelne Segmente schwächeln oder temporär unter Druck geraten. Die Wäscherei ist aktuell noch ein kleinerer Umsatzanteil, aber ein Markt mit großem Entwicklungspotenzial.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet diesen Service von herkömmlichen Reinigungsangeboten?

Alex Stirner: Wir haben früh erkannt, dass fachgerecht gereinigte Schutzkleidung kein Komfort‑, sondern ein Sicherheits‑ und Gesundheitsthema ist. Einsatzkleidung ist heute stark kontaminiert, etwa durch Rauchgase und chemische Rückstände. Eine normale Reinigung reicht dafür nicht aus. Deshalb haben wir gezielt in eine spezialisierte Waschanlage und entsprechendes Know‑how investiert.  

Wirtschaftsforum: Sie betonen immer wieder den Servicegedanken. Wie zeigt sich das konkret?

Alex Stirner: Unsere Stärke liegt nicht im Preis, sondern in der Qualität. Unsere Vertriebsmitarbeiter sind nicht umsatzbeteiligt, sondern technisch sehr gut ausgebildet. Viele sind selbst aktive Feuerwehrleute. Wir verkaufen nur Produkte, von denen wir überzeugt sind. Diese Haltung schafft Vertrauen und langfristige Kundenbeziehungen. 

Wirtschaftsforum: Ein besonderer Aspekt bei Ihnen ist, dass viele Mitarbeiter selbst aktive Feuerwehrleute sind. Welche Rolle spielt diese Nähe zur Praxis?

Alex Stirner: Eine sehr große. Ein Großteil unserer Mitarbeiter – mich eingeschlossen – ist selbst ehrenamtlich bei der Feuerwehr aktiv. Das prägt unser Denken und Handeln enorm. Wir wissen aus eigener Erfahrung, was im Einsatz funktioniert, worauf man sich verlassen können muss und wo Produkte oder Prozesse an ihre Grenzen kommen. Diese Perspektive können wir nicht simulieren – sie entsteht nur durch eigene Einsätze. Genau deshalb sprechen wir mit unseren Kunden auf Augenhöhe.

Wirtschaftsforum: Wie stark hat sich die Feuerwehrtechnik in den letzten Jahren verändert?

Alex Stirner: Enorm. Die letzten zehn bis fünfzehn Jahre waren sehr prägend. Digitalisierung, akkubetriebene Rettungsgeräte, intelligente Dokumentationssysteme – das alles hat den Einsatzalltag stark verändert. Gleichzeitig sind Brände heute gefährlicher, weil moderne Materialien hochtoxische Gase freisetzen. Innovation ist deshalb zwingend notwendig.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Geschäftsmodell?

Alex Stirner: Für uns bedeutet Nachhaltigkeit vor allem Langlebigkeit. Feuerwehrprodukte werden oft 20 bis 30 Jahre genutzt. Deshalb achten wir auf langfristige Ersatzteilverfügbarkeit und stabile Lieferanten. Wir bevorzugen deutsche und europäische Hersteller, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Wenn das nicht gegeben ist, nehmen wir ein Produkt nicht ins Sortiment.

Wirtschaftsforum: Wie stellt sich die Stirner GmbH heute wirtschaftlich dar?

Alex Stirner: Wir beschäftigen rund 40 Mitarbeiter und erwirtschaften aktuell etwa 13,4 Millionen EUR Nettoumsatz. In den letzten zehn Jahren hatten wir ein jährliches Wachstum zwischen 8 und 20%. Besonders stark war das Wachstum nach dem Neubau, weil wir unsere Ressourcen deutlich effizienter einsetzen konnten.  

Wirtschaftsforum: Und wie blicken Sie in die Zukunft?

Alex Stirner: Unser Ziel ist keine aggressive Expansion, sondern Stabilisierung. Wir wollen unser Gebiet festigen, gesund wachsen und eine starke Eigenkapitalbasis aufbauen. Die Veränderungen am Markt werden schneller und kurzfristiger. Unsere Aufgabe ist es, Schritt zu halten, ohne unsere Grundprinzipien zu verlieren.

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