Sauber und sicher in die Zukunft
Interview mit Jan Schlauer, Geschäftsführer der ESWE BioEnergie GmbH
Wirtschaftsforum: Herr Schlauer, wie ist die ESWE BioEnergie GmbH aufgestellt und worin liegt der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit als Geschäftsführer?
Jan Schlauer: Unser Unternehmen steht zu 90% im Eigentum der ESWE Versorgungs AG, deren Auftrags- und Projektcontrolling ich verantworte: In diesen Bereich fällt auch meine Tätigkeit als Geschäftsführer der ESWE BioEnergie GmbH, mit der wir ein Biomasseheizkraftwerk betreiben, welches sowohl Fernwärme als auch Strom auskoppeln kann und etwa 60% des Fernwärmebedarfs in unserem Versorgungsgebiet in der Landeshauptstadt Wiesbaden deckt. Die weiteren Anteile am Unternehmen werden zu gleichen Teilen von unserem Brennstofflieferanten sowie einem örtlichen Entsorgungswirtschaftsbetrieb gehalten.
Wirtschaftsforum: Worin liegen im Tagesgeschäft der ESWE BioEnergie GmbH die zentralen Herausforderungen?
Jan Schlauer: Grundsätzlich muss unsere Anlage als Teil der örtlichen kritischen Infrastruktur rund um die Uhr ausfallsfrei betriebsbereit sein. Um diesen ausgezeichneten Anlagenzustand konsequent gewährleisten zu können, müssen wir uns jedoch auf eine einmal im Jahr stattfindende Revision beschränken, damit die Wärmeerzeugung in der Region hiervon möglichst unbeeinträchtigt bleibt. Das setzt natürlich eine besonders hohe technische und organisatorische Effizienz voraus.
Wirtschaftsforum: Wo liegen derweil auf der kaufmännischen Seite die größten Herausforderungen?
Jan Schlauer: In der jüngeren Vergangenheit galten im Durchschnitt in deutlich mehr als 500 Stunden pro Jahr negative Strompreise. Wenn wir also zu dieser Zeit die in unserer Anlage generierte Elektrizität ins Netz einspeisen, müssen wir dafür sogar noch bezahlen. Aus diesem Grund investieren wir derzeit in einen größeren Batteriespeicher, der den erzeugten Strom gegebenenfalls zwischenspeichern kann, bis wir ihn in einer attraktiveren Marktsituation ins Netz einspeisen können – gewissermaßen als unser eigenes kleines temporäres Kraftwerk.
Wirtschaftsforum: Auch an anderer Stelle erschweren Ihnen die regulatorischen Bestimmungen ein wirtschaftliches Arbeiten.
Jan Schlauer: Die Bundesnetzagentur will die vermiedenen Netzentgelte zum 1. Januar 2029 abschaffen. Über dieses System erhielten wir bisher wie viele andere Betreiber dezentraler Energieerzeugungsanlagen auch eine Vergütung, wenn wir durch unsere Einspeisung das vorgelagerte Netz entlasten. Durch den Wegfall dieser Erlöse verschiebt sich unsere Rentabilitätskalkulation natürlich erheblich, und ohne diese Erlösquelle wären viele dezentrale Wärme- und Stromerzeugungsanlagen vermutlich nie errichtet worden. Die zahlreichen weiteren regulatorischen Anforderungen für den Emissionshandel machen den Betrieb eines Biomasseheizkraftwerks natürlich nicht einfacher.
Kontaktdaten
ESWE BioEnergie GmbH
Konradinerallee 25
65189 Wiesbaden
Deutschland
+49 611 7803275
bioenergie@eswe.com
www.eswe-bioenergie.de





