Vom Kinderzimmer zum Systempartner: Wie FD Textil das Merch-Business neu denkt

Interview mit Daniela Doliwa, Geschäftsführerin der FD Textil GmbH & Co. KG

Vom improvisierten Start zur strategischen Entwicklung

Die Geschichte der FD Textil GmbH & Co. KG beginnt 1980 unter ungewöhnlichen Bedingungen: im Kinderzimmer der Gründerfamilie. Ohne Kapital, aber mit Unternehmergeist, bauten die Eltern von Daniela Doliwa das Unternehmen Schritt für Schritt auf. „Meine Eltern haben tatsächlich im Kinderzimmer angefangen – mit 200 T-Shirts im ersten Auftrag“, sagt Daniela Doliwa. Kurz darauf folgte ein Druckauftrag über 5000 Sweatshirts der eine schnelle Standortveränderung nach sich zog.

Aus dem klassischen Textildruck entwickelte sich über die Jahre ein vielseitiges Geschäftsmodell: Großhandel, Stickerei, Werbeartikel und schließlich eigene Importlösungen. Früh setzte das Unternehmen auf Flexibilität – etwa durch die Spezialisierung auf kleine Stückzahlen. Diese Kundennähe ist bis heute prägend.

„Wir fanden es immer falsch, Kunden abzuweisen, nur weil sie kleine Mengen brauchen“, betont die Geschäftsführerin.

Mit rund 15 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz im einstelligen Millionenbereich ist FD Textil heute ein etabliertes, aber bewusst schlank aufgestelltes Unternehmen. Entscheidender als Größe ist für Doliwa die Fähigkeit, sich kontinuierlich neu auszurichten.

Vom Produzenten zum Systempartner

Der wohl größte Wandel liegt im Selbstverständnis des Unternehmens. FD Textil hat sich vom reinen Produzenten zum strategischen Partner entwickelt. Digitalisierung, On-Demand-Produktion und automatisierte Prozesse bilden heute das Fundament.

„Wir sind vom Lohndrucker zum Systempartner geworden“, unterstreicht die Geschäftsführerin, die das Unternehmen in zweiter Generation mit ihren Geschwistern führt.

Kern des Angebots ist eine vollständig digitalisierte Prozesskette – von der Anfrage bis zur Auslieferung. Ergänzt wird sie durch einen KI-gestützten Assistenten, der Kunden durch den gesamten Bestellprozess begleitet. Ziel ist es, Effizienz und persönliche Beratung zu verbinden.

Das Unternehmen positioniert sich dabei bewusst zwischen klassischen Onlineanbietern und beratungsintensiven Dienstleistern. Besonders im Bereich Textil und Textilveredelung sieht sich FD Textil als Vorreiter.

„Im Textilbereich sind wir mit unserem Modell aktuell noch ziemlich einzigartig“, so die Unternehmerin.

Typische Produkte bleiben zwar Klassiker wie Hoodies, T-Shirts oder Trinkflaschen, doch der Mehrwert liegt in der Systemlösung: individuelle Beratung, bedarfsgerechte Produktion und die Vermeidung von Lagerkosten.

Menschlichkeit, Resilienz und neue Perspektiven

So wichtig Technologie ist – für Daniela Doliwa bleibt der entscheidende Faktor der Mensch. In unsicheren Zeiten, sagt sie, kommt Unternehmen eine stabilisierende Rolle zu.

„Wir müssen den Menschen wieder Mut geben und sie aus der Angst holen“, erklärt die Geschäftsführerin. Die Kunden sollen Spass haben an unseren Angeboten und sich von unserer KI abgeholt fühlen. Sie brauchen davor keine Angst zu haben. Und wir sind als Team immer greifbar. Das unterscheidet uns von reinen Online Angeboten.

Diese Haltung prägt auch die Unternehmenskultur. Persönliche Gespräche, Showroom-Erlebnisse und direkte Begegnungen ergänzen die digitalen Angebote bewusst. Für die Firmenchefin ist das kein Widerspruch, sondern ein Erfolgsfaktor.

Auch strategisch denkt das Familienunternehmen weiter: Neue Marken, interne Gründungsansätze und eine stärkere Positionierung als Beratungspartner sollen das Wachstum vorantreiben – perspektivisch in den zweistelligen Millionenbereich.

Gleichzeitig bleibt die persönliche Motivation entscheidend. „Ich frage mich immer wieder: Macht mich das, was ich tue, wirklich glücklich ? Ich freue mich, dass ich diese Frage immer wieder mit ja beantworten kann“, so die Geschäftsführerin.

Dieser Anspruch – an sich selbst und an das Unternehmen – prägt den Weg von FD Textil bis heute.

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