„Es gibt nichts Besseres als Unternehmer zu sein“

Ein Plädoyer fürs Gründen in der Gründerflaute

Anders als Start-up-TV-Shows wie „Höhle der Löwen“ vermuten lassen, lahmt die Gründerszene in Deutschland schon seit Jahren. Der KfW-Gründungsmonitor 2019 zeigt bei der Zahl der Gründungen seit Anfang der 2000er Jahre einen starken Trend nach unten. Dabei ist es gerade für junge Leute attraktiv, ein Unternehmen zu gründen, meint Franzen: „Generation Y und auch Z haben nicht mehr den Motivator Geld und Status. Sie legen mehr Wert auf Selbstverwirklichung, wollen etwas machen, das einem Sinn gibt. Als Selbständige können sie sich ihren Arbeitsplatz selbst bauen, ihre Freiheit ausleben und ihren Wunsch nach Selbstverwirklichung erfüllen.“ 

Mehr Freiheit

Der in Offenbach lebende Macher gehört selbst zur Generation Y. Die Ypsiloner haben die New Yorker Terroranschläge, Wirtschafts- und Eurokrise erlebt und haben Studien zufolge ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Andererseits lehnen sie Hierarchien, Reglementierungen und Gängelungen ab und zeigen gerne was sie können. Intensives Arbeiten ist ebenso selbstverständlich wie Erfüllung, Freude und Anerkennung.

Eine Anstellung war nach dem Jura-Studium für Franzen undenkbar. „Ich bin ein absoluter Freigeist und ein Macher. Ich möchte meine Ideen und Vorstellungen in die Tat umsetzen und diese nicht auf langen Entscheidungswegen unter komplizierten Hierarchien begraben müssen. Es ist einfach ein gutes Gefühl, zu gestalten, etwas Neues zu kreieren, Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die Alltag, Arbeitswelt und Wirtschaft voranbringen. Das macht mich glücklich.“

Mehr Sinn

Warum gibt es nicht mehr Gründer? „Unternehmer haben in Deutschland ein schlechtes Image“, bedauert Franzen. „Sie werden als Ausbeuter und Kapitalisten gesehen, die gerne mal Steuern hinterziehen. Dagegen sind gut ausgebildete Arbeitnehmer auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt sehr gesucht.“ Auch wenn eine feste Anstellung dem Sicherheitsbedürfnis vieler junger Menschen entgegenkommt, plädiert er fürs Unternehmerdasein.

Mehr Glück

„Es ist grandios, etwas bewegen zu können. Man kann frei agieren, ist nicht abhängig von Arbeitgebern und von der Unternehmensentwicklung. Man kann etwas Großartiges aufbauen und hat alles selbst in der Hand. Und wenn mein Kunde zufrieden ist, macht mich das sehr stolz.“

Natürlich kennt er auch die Nachteile. Privat- und Geschäftsleben würden verschwimmen, das Geschäftsdenken sei immer angeknipst und wenn es bergauf gehe, gehe es zwangsläufig auch wieder runter: „Your life is a roller coaster. Vor allem runterwärts nimmt einen das emotional mit.“ Den Sicherheitsbedürftigen entgegnet der Unternehmer: „Pleiten wie jüngst die von Thomas Cook zeigen: Auch als Arbeitnehmer ist man nicht sicher.“ 

Text und Fotos: Sven L. Franzen

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