„Der Bauturbo muss in den Kommunen ankommen!“
Interview mit Pablo Schumm, Geschäftsführer der Classic Unternehmensgruppe GmbH & Co. KG
Wirtschaftsforum: Herr Schumm, seit über 50 Jahren steht die Classic Projektentwicklung für Immobilieninvestments, die durch Qualität und Werthaltigkeit überzeugen wollen – wie hat sich Ihr Geschäftsfeld in dieser Zeit verändert?
Pablo Schumm: Unsere Unternehmensgruppe besteht heute aus verschiedensten Geschäftsbereichen – den Grundstein hat mein Großvater vor etwa einem halben Jahrhundert gelegt, als er sich hier in Heilbronn im klassischen Wohnungsbau zu engagieren begann. Nach dem Mauerfall ging er dann gemeinsam mit meinem Vater nach Dresden. Dort haben sie als erster privater Bauträger in der Stadt mehrere Tausend Wohneinheiten entwickelt – ein großer Schritt in der Geschichte unserer Unternehmensgruppe. Kurz darauf haben sie dann auch in ganz Deutschland erste Seniorenwohnungen realisiert. Schon bald folgten Businessapartments und Studentenwohnheime.
Wirtschaftsforum: Der Beginn Ihres starken Fokus auf Microapartments, der noch heute Ihre Unternehmenstätigkeit prägt?
Pablo Schumm: Genau! Wir haben aber auch schon Villenanlagen in Spanien errichtet und verschiedenste Photovoltaikprojekte umgesetzt, auch wenn dieser Geschäftsbereich von uns derzeit nicht besonders nachdrücklich weiterverfolgt wird, schlicht weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür nicht überzeugen. Trotzdem haben wir einige Grundstücke in petto, für die wir interessante Konzepte entwickeln könnten, sobald sich das ändert.
Wirtschaftsforum: Wie nehmen Sie die aktuelle Marktlage bei Ihren Microapartments wahr?
Pablo Schumm: Gerade setze ich mein erstes eigenes Bauvorhaben um: In der Universitätsstraße in Bayreuth errichten wir ein Studentenwohnheim mit insgesamt 141 Wohneinheiten. Derzeit befinden wir uns in der Rohbauphase, seit gut drei Wochen läuft der Abverkauf. Bisher konnten wir unsere Vorverkaufsquoten planmäßig erfüllen, was uns sehr freut. Trotzdem sind wir weit von den einstigen Boomzeiten entfernt, als man den Vertrieb fast ein bisschen bremsen musste. Der zentrale Engpass liegt dabei nicht einmal in einer rückläufigen Kundennachfrage, sondern vielmehr in der Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe.
Wirtschaftsforum: Worauf kommt es bei werthaltigen Microapartments besonders an?
Pablo Schumm: In erster Linie muss der Standort zum Objekt passen – denn den kann man hinterher nicht mehr verändern. Die zentrale Herausforderung besteht für uns darin, eine Immobilie getreu unserem starken Qualitätsversprechen zu errichten, ohne dass dabei die Kosten aus dem Ruder laufen. Unsere Objekte sollen sich durch eine gute Lebensqualität auszeichnen – etwa mit einer ansprechenden Fassade und einem attraktiven Nutzungskonzept –, gleichzeitig aber auch eine einträgliche Rendite für die Investoren sicherstellen. Beides scheint uns zu gelingen: Denn während teilweise über 100 Menschen auf den Wartelisten für einen Platz in einem unserer Objekte stehen, erwerben auch viele Kapitalanleger gerne eine zweite oder dritte Immobilie von uns, wenn wir wieder mit einem neuen Projekt an den Start gehen.
Wirtschaftsforum: Mit welchen Innovationen beschäftigt sich die Classic Unternehmensgruppe derzeit?
Pablo Schumm: Wir werden die Usability unserer Objekte noch weiter verbessern – beispielsweise mit einer Lösung, mit der die Gemeinschaftsräume in unseren Studentenapartments einfach per App gebucht werden können. Auch die Hausverwaltung soll technologisch noch nahtloser integriert werden. Zudem möchten wir noch attraktivere Sportangebote in den Objekten schaffen. Als wegweisend betrachten wir dabei unser my-room-active-Konzept, das wir in München umgesetzt haben. Darüber hinaus sehen wir attraktive Möglichkeiten, um uns perspektivisch auch über Deutschland hinaus zu engagieren – in der Schweiz betreiben wir beispielsweise bereits ein eigenes Unternehmen. Aber auch in anderen europäischen Ländern sehen wir eine starke Nachfrage nach deutschen Baustandards, mit denen wir dort nachhaltig überzeugen könnten.
Wirtschaftsforum: Was könnte man derweil in Deutschland tun, damit mehr dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden kann?
Pablo Schumm: Die vielfältigen Vorschriften und die langwierigen Genehmigungsprozesse verzögern und verteuern Bauprojekte leider weiterhin spürbar. Der Bauturbo der Bundesregierung ist ein sinnvoller Ansatz, um diesem Problem zu begegnen – doch er muss von den Kommunen dann auch umgesetzt werden. Das ist aber leider noch nicht in jeder Stadt angekommen. Wir erleben immer wieder, wie von der Verwaltung an jahrzehntealten Bebauungsplänen festgehalten wird, die zu den heutigen Anforderungen überhaupt nicht mehr passen – mit dem Ergebnis, dass ungenutzte Grundstücke, auf denen Hunderte Wohneinheiten entstehen könnten, weiter brach liegen. Das sind vertane Chancen.
Classic Unternehmensgruppe GmbH & Co. KG
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