Berufsbekleidung: Warum der günstigste Stückpreis nicht immer wirtschaftlich ist

Kosten pro Waschzyklus beachten
Die Wäschetauglichkeit ist „das wirtschaftlichste Argument in der Beschaffung“. Warum das so ist, zeigt ein Rechenbeispiel:
Beispiel | Hose A | Hose B |
Kaufpreis | 29 Euro | 39 Euro |
angenommene Waschzyklen | 30 Waschzyklen | 50 Waschzyklen |
anteilige Anschaffungskosten je Waschzyklus | 0,97 Euro | 0,78 Euro |
Wenn eine Arbeitshose deutlich teurer als eine andere ist, dafür aber weniger schnell durch Waschen verschleißt, kann sie sich am Ende als die kostengünstigere Option erweisen. Indem die anteiligen Anschaffungskosten je Waschzyklus berechnet werden, wird dies in Zahlen deutlich. Die obenstehende Tabelle zeigt, dass die teurere Hose B im Beispiel die wirtschaftlichere Entscheidung ist. Hinzu kommt hier noch der geringere Aufwand für Einkauf, Lager und Reklamationen, der ein weiteres Argument für die langlebigere Variante darstellt.
Schwachstellen am Musterstück weisen auf mögliche Folgekosten hin
Indem ein Musterstück angefordert und genau begutachtet wird, lassen sich mögliche Schwachstellen identifizieren. Für Nahtstellen dienen etwa drei bis fünf Stiche pro Zentimeter als Orientierung. Zu wenige Stiche können die Naht schwächen, während zu viele den Stoff perforieren können. An punktuell sehr belasteten Stellen, wie zum Beispiel Tascheneingriffen, Gürtelschlaufen oder Schrittnähten, ist häufig der Einsatz von Riegelnähten sinnvoll.
Die Qualität von Verschlüssen hat ebenfalls direkte wirtschaftliche Folgen. Reißverschlüsse sollten leichtgängig sein und sowohl Wasch-Chemie als auch Trocknung unbeschadet überstehen. Außerdem sollten sie sich möglichst reparieren lassen, damit bei einem auftretenden Schaden nicht direkt das komplette Kleidungsstück getauscht werden muss.
Bei Taschen sind neben einer sauberen Naht auch eine ausreichende Tiefe und eine zur Tätigkeit passende Position relevant. Was auf den ersten Blick unscheinbar wirken mag, entscheidet am Ende darüber mit, ob ein Produkt im Alltag gerne genutzt oder doch vorzeitig aussortiert wird.
K.O.-Kriterien gehören vor die Feinbewertung
Sind bei PSA die erforderliche Schutzleistung oder Schutzklasse nicht belegt oder Herstellerinformation und EU-Konformitätserklärung weder beigefügt noch zugänglich, scheidet das Produkt unabhängig von seiner Verarbeitung aus. Gleiches gilt, wenn benötigte Größen fehlen, das Waschverfahren die Schutzwirkung gefährdet oder Kleidung und weitere Schutzausrüstung nicht zusammenpassen.
Erst wenn alle essenziellen Anforderungen erfüllt sind, lohnt es sich bei der Bewertung überhaupt, ins Detail zu gehen. So wird vermieden, dass Zeit in vermeintlich günstige Kandidaten investiert wird, die am Ende als Gesamtlösung ohnehin gar nicht infrage kommen.
Mit einem ganzheitlichen Prüfraster werden die besten Entscheidungen getroffen
Ein von Bierbaum-Proenen veröffentlichter Leitfaden unterscheidet bei der Bewertung sechs übergeordnete Bereiche mit insgesamt 26 Prüfpunkten. Anhand dieser Punkte lässt sich ein konkretes Musterstück nachvollziehbar und systematisch bewerten. Es kommt also nicht auf einzelne Kennzahlen an. Wesentlich wichtiger sind die Standardisierung und die Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Der Stückpreis bleibt auch weiterhin relevant, ist jedoch immer im Verhältnis zur vorhandenen Qualität und zur erwarteten Nutzungsdauer zu betrachten.





