Älteste Electronic Family weltweit
Interview mit Nicolai Beck, Geschäftsführer der BECK GmbH & Co. Elektronik Bauelemente KG
Wirtschaftsforum: Herr Beck, Sie sind nicht nur Geschäftsführer, sondern Teil der Familie, die seit 100 Jahren die BECK Elektronik prägt. Wie erleben Sie diese Verbindung von Familie und Unternehmen?
Nicolai Beck: Für uns ist das eine Einheit. Mein Zwillingsbruder Patrick und ich sind mit dem Unternehmen aufgewachsen. Schon als Kinder haben wir mitbekommen, wie unser Vater in Asien unterwegs war. Heute sind wir als 4. Generation in der Geschäftsführung. Unser Großvater, 95 Jahre alt, ist noch voll im Thema und fragt uns sonntags beim Essen nach neuesten Kundenprojekten. Das ist für uns Normalität: Familie und Firma gehören zusammen.
Wirtschaftsforum: 2025 feierte BECK Elektronik das 100-jährige Jubiläum. Welche Meilensteine haben das Unternehmen besonders geprägt?
Nicolai Beck: Gegründet wurde das Unternehmen 1925 von meinem Urgroßvater Gustav Beck als Handelsvertreter für elektronische Erzeugnisse. Nach dem Krieg hat er das Geschäft aus den Trümmern wiederaufgebaut – buchstäblich – und fuhr mit dem Fahrrad zu Kunden und Lieferanten. Mein Großvater, einer der ersten Elektrotechnik-Ingenieure der TU München, hat das Unternehmen internationalisiert und in den 1970-Jahren den Firmensitz nach Nürnberg verlegt. Ein entscheidender Schritt war die Gründung unserer Niederlassung in Hongkong: Damit konnten wir unsere globalen Kunden direkt aus Asien beliefern und wurden endgültig zum internationalen Player.
Wirtschaftsforum: Wie positioniert sich BECK Elektronik heute im Markt?
Nicolai Beck: Wir sind ein Spezialdistributor für passive und aktive elektronische Bauelemente. Das ist alles, was man auf Platinen findet: Widerstände, Kondensatoren, Mikrochips. Unser Fokus liegt auf Nischenprodukten und Hidden Champions aus Asien, die wir gezielt in den europäischen Markt einführen. Wir bieten nicht nur Logistik, sondern vor allem Mehrwert: Wir vermitteln zwischen Lieferanten und Kunden, entwickeln gemeinsam neue Produkte und binden beide Seiten langfristig an uns. So schaffen wir Perfect Fits, die oft über Jahrzehnte laufen.
Wirtschaftsforum: Ihre Kunden kommen aus verschiedenen Branchen. Wo sehen Sie aktuell die größten Wachstumschancen?
Nicolai Beck: Traditionell waren wir stark in der Automobilindustrie – heute liegt der Anteil bei etwa 40%. Vor fünf Jahren haben wir bewusst diversifiziert. Große Potenziale sehen wir in der Medizinbranche, bei öffentlichen Verkehrsmitteln und in der Beleuchtungstechnik. Gerade bei Displays und Steuerungssystemen für Busse und Bahnen sind wir stark gewachsen. Die Dekarbonisierung treibt die Nachfrage nach effizienten elektronischen Lösungen voran – hier sind wir mit unseren Partnern vorn dabei.
Wirtschaftsforum: Wie pflegen Sie den Kontakt zu Ihren Kunden?
Nicolai Beck: Persönlicher Vertrieb ist uns extrem wichtig. Unsere Mitarbeiter besuchen Kunden regelmäßig, auch ohne direkten Geschäftsabschluss. Oft geht es um Afterservice oder die Einbindung neuer Technologien. Viele unserer Kunden schätzen, dass wir als mittelständisches Familienunternehmen auf Augenhöhe kommunizieren – nicht übermächtig wie große Konzerne.
Wirtschaftsforum: BECK Elektronik ist zu 100% in Familienhand. Warum ist Ihnen das wichtig?
Nicolai Beck: Wir sind unsere eigenen Herren. Es gibt keine externen Stakeholder, die Entscheidungen beeinflussen. Das gibt uns Freiheit und Agilität. Wir wachsen organisch aus eigener Kraft. Unser Ziel ist es, das Unternehmen so aufzustellen, dass auch die 5. Generation die Chance hat, es zu übernehmen. Druck gibt es von uns dabei nicht. Meine Eltern haben mich nie zu diesem Weg gedrängt. Mein Bruder und ich sind mit Herzblut dabei.
Wirtschaftsforum: Was macht die Electronic Family aus?
Nicolai Beck: Der Name ist Programm. Wir sind nicht nur ein Familienunternehmen, sondern leben eine Kultur, in der Mitarbeiter oft Jahrzehnte bleiben. Viele sind als Azubis gestartet und heute im Vertrieb oder Produktmanagement. Wir wollen, dass alle mit Freude zur Arbeit kommen, auch wenn es nicht immer einfach ist. In der Familie gibt es manchmal Streit, aber man hält zusammen. So ist es auch bei uns. Wir stehen zusammen und finden Lösungen.
Wirtschaftsforum: Wie sieht die Zukunft von BECK Elektronik aus?
Nicolai Beck: Wir werden uns weiter anpassen – wie seit 100 Jahren. Die Digitalisierung treiben wir voran, etwa mit einem neuen ERP-System und KI-gestützten Prozessen. Gleichzeitig bleiben wir unseren Werten treu: Mehrwert für Kunden, langfristige Partnerschaften und ein guter Arbeitgeber zu sein. Unser größter Erfolg? Dass wir das älteste Distributionsunternehmen für elektronische Bauelemente weltweit sind – und immer noch wachsen.
BECK GmbH & Co. Elektronik Bauelemente KG
Eltersdorfer Straße 7
90425 Nürnberg
Deutschland
Tel.: +49 911 934080
info(at)beck-elektronik.de
www.beck-elektronik.de





