Reisen im Umbruch: Warum persönliche Betreuung wieder zählt

Interview mit Thomas Klein, Vorstand der LCC Reisebüro AG

Die LCC Reisebüro AG positioniert sich in einem Markt, der gleichzeitig umkämpft und chancenreich ist: als starker Mittelstands- Partner im Firmendienst und als Qualitätsanbieter im touristischen Beratungsgeschäft. Dabei tritt das Unternehmen mit zwei klar profilierten Marken auf: Lufthansa City Center ONE Business für den Geschäftsreisebereich und Lufthansa City Center Urlaubswelten für das touristische Endkundengeschäft.

Vom Nachfolge-Modell zum Wachstumstreiber

Der Ausgangspunkt für die Gründung der LCC Reisebüro AG war ein pragmatischer Ansatz: Reiseketten und Franchisesysteme stehen seit Jahren vor der Frage, was passiert, wenn inhabergeführte Standorte keine Nachfolgeregelung finden.

„Die tatsächliche Gründung war 2016 – richtig ins Laufen gekommen sind wir Anfang 2018, als wir begonnen haben, Reisebüros zu übernehmen, bei denen Nachfolgeregelungen fehlten“, sagt Vorstand Thomas Klein. Der ursprüngliche Gedanke sei bis heute tragfähig, habe sich aber inhaltlich erweitert. Dann kam Corona – eine Vollbremsung für die Touristik. „Ab März 2020 hat uns das natürlich in vollem Ausmaß getroffen“, sagt Thomas Klein. Gleichzeitig entstand in dieser Phase ein Momentum, das viele Marktteilnehmer so nicht erwartet hatten: Konsolidierung, neue Strukturen und gezielte Zukäufe. Ein weiterer Wachstumsschub folgte 2022, als sich im Firmendienst Chancen ergaben, etwa durch frei werdende Spezialisten und Kundenbeziehungen aus dem Markt. „Wir konnten Mitarbeitende akquirieren – und damit auch Geschäft, weil Unternehmen einen neuen Anbieter brauchten“, sagt Thomas Klein. Heute zeigt sich das Ergebnis in belastbaren Größenordnungen: „Vor der Pandemie lagen wir beim Außenumsatz unter 40 Millionen EUR – heute sind es rund 150 Millionen“, sagt Thomas Klein. Wichtig ist ihm die Einordnung: Die LCC Reisebüro AG arbeitet weitgehend als Vermittler, ergänzt durch punktuelle Eigenveranstaltungen im touristischen Segment.

Geschäftsreisen: regional verankert, ganzheitlich betreut

Zwei Drittel des Geschäfts entfallen laut Thomas Klein auf den Firmendienst – ein Bereich, der in vielen Unternehmen nach Pandemie und Kostendruck neu bewertet wurde. Die Reisetätigkeit sei nicht verschwunden, aber bewusster geworden. „In Summe wird weniger gereist – aber wenn gereist wird, dann konzentrierter und länger“, sagt Thomas Klein. Aufenthaltsdauern, Buchungsklassen und Reiseanlässe würden stärker hinterfragt; zugleich steige der Anspruch an Effizienz und reibungslose Abläufe. Genau hier setzt die LCC Reisebüro AG mit einem ‘End-to-End’-Ansatz an – vom Flug über Hotel und Bahn bis zur gesamten Koordination. „Diese Gesamtbetreuung des Kunden steht bei uns im Vordergrund“, sagt Thomas Klein. Dazu kommen spezialisierte Einheiten für Gruppenreisen, Incentives und MICE. „Für Incentives und MICE haben wir spezielle Abteilungen, weil das ein anderes Geschäft ist als eine einzelne Flugbuchung“, sagt Thomas Klein. Ein zentrales Differenzierungsmerkmal bleibt dabei die regionale Nähe. In zehn Regionen ist der Firmendienst mit Niederlassungen präsent – bewusst mit persönlicher Ansprechpartner-Struktur.

Privatkunden: Beratung für die komplexe Reise

Auch das Endkundengeschäft bleibt für die LCC Reisebüro AG strategisch relevant – mit 19 stationären Standorten und einem wachsenden digitalen Auftritt. Der Markt habe sich jedoch klar segmentiert: einfache Standardprodukte wandern ins Internet, komplexe Reisen brauchen Beratung. „Das Reisebüro muss sich stärker auf beratungsintensive Produkte entwickeln – etwa Fernreisen, komplexe Kreuzfahrten oder Individualreisen“, sagt Thomas Klein. Gleichzeitig beobachtet er, dass Umsätze stabil bleiben können, auch wenn die Zahl der Kunden sinkt: „Die einfache Badereise ist stark ins Internet abgewandert“, sagt Thomas Klein. Treiber im Beratungsgeschäft sind derzeit Kreuzfahrten und Rundreisen – oft mit langen Vorlaufzeiten. „Wir sind mit sehr guten Vorausbuchungen ins Jahr 2026 gestartet“, sagt Thomas Klein. Und die Buchungsfenster verschieben sich weiter nach vorn: „Wir haben heute schon Umsätze für Mitte 2027 – gerade im Kreuzfahrtbereich wird sehr früh gebucht“, sagt Thomas Klein. Last Minute verliere dagegen im stationären Vertrieb an Bedeutung. „Den Last-Minute- Trend, den es früher gab, gibt es an vielen Stellen so nicht mehr – das ist eher onlinegetrieben“, sagt Thomas Klein. Neben dem Verkauf klassischer Veranstalterprodukte gewinnt ein weiteres Feld an Bedeutung: eigene Reiseformate. „Wir stellen in einigen Büros individuelle Reisen als Eigenveranstaltungen zusammen – also Angebote, die es so im Katalog nicht gibt“, sagt Thomas Klein. Das sei sowohl für bestehende Stammkundschaft interessant als auch für Vereine, Clubs oder Gruppen, die maßgeschneiderte Programme nachfragen.

Digitalisierung, KI und Integration

Wachstum bringt Komplexität – und die muss beherrscht werden. Thomas Klein beschreibt die aktuellen Prioritäten daher weniger als ‘noch schneller, noch größer’, sondern als Professionalisierung im Inneren: Prozesse vereinheitlichen, Standards harmonisieren, neue Mitarbeitende integrieren. „Wir haben in den letzten Jahren extrem viel eingestellt – jetzt ist es wichtig, das Unternehmen als Einheit mit einheitlichen Prozessen weiterzuentwickeln“, sagt Thomas Klein. Digitalisierung und KI könnten Standardarbeiten, Reiseverläufe und Abläufe spürbar entlasten – damit Beratung dort Zeit bekommt, wo sie Mehrwert stiftet.

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