Wenn Energie zur Wertschöpfung wird

Interview mit Felix Hallwachs, Geschäftsführer der LittleSun GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hallwachs, wie sind Sie zu LittleSun gekommen – und was hat Sie geprägt?

Felix Hallwachs: Ich bin Architekt und bin über die Arbeit im Kunstkontext zu LittleSun gekommen. Aus Projekten mit einem Künstler, der viel mit Licht gearbeitet hat, entstand 2012 die Idee, Solarlicht in die Welt zu bringen – auch dorthin, wo es keine Stromversorgung gibt. Das war der Ausgangspunkt: eine kleine Solarlampe als Symbol und Werkzeug zugleich.

Wirtschaftsforum: LittleSun war lange für Solarlampen bekannt. Warum der Strategiewechsel?

Felix Hallwachs: Die Lampen waren wichtig – und sie wurden sehr geschätzt. Aber wirtschaftlich war das dauerhaft schwierig. Unsere Schlussfolgerung war: Wenn wir nachhaltige Wirkung skalieren wollen, müssen wir stärker über produktive Nutzung von Solarenergie nachdenken – also über Einkommen und Wertschöpfung.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet ‘produktive Nutzung’ ganz konkret in Ihrem aktuellen Projekt?

Felix Hallwachs: Wir haben uns gefragt: Wo kann Solarenergie Menschen helfen, regelmäßig Geld zu verdienen – nicht nur Kosten zu sparen? Heute konzentrieren wir uns auf solarbetriebene Produktivitätslösungen für Kleinbauern in Sambia. Das ‘Produkt’ ist nicht mehr eine Lampe, sondern ein Marktzugang: Wir ermöglichen Kleinbauern, Milch zuverlässig in den formellen Markt zu verkaufen.

Wirtschaftsforum: Warum ausgerechnet Milch – und warum Sambia?

Felix Hallwachs: Sambia importiert Milch beziehungsweise Milchpulver. Gleichzeitig gibt es einen großen Bestand an Rindern, verteilt auf viele Kleinbetriebe. Molkereien haben Interesse an lokaler Milch – aber die Verbindung scheitert oft an Logistik, Qualitätssicherung und Kühlung. Ein einzelner Betrieb bringt vielleicht 5, 7 oder 20 l – dafür lohnt sich keine klassische Großanlage. Genau diese Lücke schließen wir.

Wirtschaftsforum: Wie funktioniert Ihr Modell entlang der Wertschöpfungskette?

Felix Hallwachs: Wir betreiben kleine Sammelstandorte in Dörfern – man kann sich das wie eine kompakte Hütte vorstellen. Dort gibt es solarbetriebene Testkomponenten und ein System zur schnellen Abkühlung: Die Milch wird von Umgebungstemperaturen zügig heruntergekühlt und anschließend in Kühlbehältern gelagert. Sobald genügend Volumen zusammenkommt holt ein Lkw aus der Hauptstadt die Milch ab und liefert sie an die Molkerei. Wir kaufen also von Kleinbauern und verkaufen an Molkereien – eine einfache Logik, aber mit großer Wirkung.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen von Brücken – was meinen Sie damit?

Felix Hallwachs: Wir verbinden Geld aus der formellen Wirtschaft mit Menschen im informellen Sektor. Es fließt also nicht primär Entwicklungsgeld ‘in’ ein Projekt, sondern Umsatz ‘durch’ ein System. Solarenergie ist dabei der Hebel, weil sie Infrastruktur ermöglicht, wo keine Netze existieren: Kühlung, Tests, digitale Prozesse. Das ist aus meiner Sicht ein Schlüssel, um die ‘letzte Meile’ wirtschaftlich zu erschließen.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Projekt finanziert – und was braucht es für die Skalierung?

Felix Hallwachs: Wir sind gemeinnützig und arbeiten hybrid finanziert: Zuwendungen von Einzelpersonen, Unternehmen und passenden Fonds, kombiniert mit geförderten Darlehen oder ergebnisbasierten Finanzierungsmodellen. Der nächste große Schritt ist die Skalierung. Wir betreiben derzeit sieben Standorte mit insgesamt zwölf Kühleinheiten und kaufen, prüfen und kühlen etwa 80.000 l Milch pro Monat – je nach Saison. Bis 2028 wollen wir auf 90 Kühleinheiten wachsen. Dafür benötigen wir rund 3 Millionen USD über die nächsten Jahre. Dann reden wir über substanzielle Einkommen in ländlichen Regionen: In unserer Planung würden wir ab 2028/2029 fast 2 Millionen EUR pro Jahr als Umsatz bei Kleinbauern ermöglichen – zusätzlich zu den Arbeitsplätzen, die entlang des Systems entstehen. Und ab einem bestimmten Punkt kann das System Reparaturen und Betrieb aus eigener Kraft tragen. Genau das macht den Ansatz so attraktiv: Die Wirkung endet nicht mit einer Förderrunde.

Wirtschaftsforum: Welche Partnerschaften suchen Sie dafür – und was bieten Sie Unternehmen?

Felix Hallwachs: Wir klopfen bei relevanten Entwicklungs- und Finanzierungsinstitutionen an – aber wir schauen auch bewusst in die Wirtschaft. Gerade Unternehmen aus Landwirtschaft, Milchindustrie oder angrenzenden Bereichen können nicht nur finanziell unterstützen, sondern Know-how einbringen.

LittleSun GmbH
Zehdenicker Straße 21
10119 Berlin
Deutschland
Tel.: +49 30 32524990
hello(at)littlesun.org
www.littlesun.org

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