„Mobilität bedeutet Flexibilität“

Interview mit Matthias Arndt, Geschäftsführer der Arndt Automotive GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Arndt, Ihr Unternehmen blickt auf eine ungewöhnliche Geschichte zurück. Wie hat alles begonnen?

Matthias Arndt: Die Geschichte ist tatsächlich sehr einfach – und gerade deshalb besonders. Mein Vater ist aus der DDR geflüchtet, mit nichts als einem Koffer. 1963 besaß er einen einzigen VW Käfer, den er zu vermieten begann. Das war keine strategische Entscheidung, sondern pure Notwendigkeit. Aus dieser Situation heraus ist dann Schritt für Schritt ein Unternehmen gewachsen. Ich bin seit meinem 24. Lebensjahr dabei und führe es heute in 2. Generation. Meine Kinder stehen bereits in den Startlöchern – das ist ein großes Glück.

Wirtschaftsforum: Was macht die Arndt Mobility Group heute aus?

Matthias Arndt: Wir verstehen uns als Mobilitätsdienstleister. Vermietung ist unser Ursprung, aber längst nicht mehr alles. Unter dem Dach der Arndt Mobility Group bündeln wir mehrere Geschäftsbereiche: klassische Autovermietung, Fahrzeughandel, Kühlfahrzeugvermietung und spezialisierte Automotive-Dienstleistungen für Hersteller. Das reicht vom Kleinwagen bis zur schweren Sattelzugmaschine. Diese Bandbreite gibt es so im Markt kaum.

Wirtschaftsforum: Das klingt nach einem sehr breiten Leistungsspektrum. Wo liegt Ihr Schwerpunkt?

Matthias Arndt: Im Kern geht es immer um die Nutzung von Mobilität. Wir stellen Fahrzeuge bereit – flexibel, bedarfsgerecht und wirtschaftlich sinnvoll. Dabei begleiten wir den gesamten Lebenszyklus eines Autos: von der Beschaffung über den Einsatz bis zur Vermarktung. Viele unterschätzen, wie komplex das ist. Hinter jedem Fahrzeug stehen Finanzierung, Wartung, Logistik und ein funktionierender Betrieb. Unsere eigentliche Leistung ist das Management dieser Prozesse.

Wirtschaftsforum: Ein besonderer Bereich ist die Kühlfahrzeugvermietung. Was macht diesen so relevant?

Matthias Arndt: Frigorent ist Marktführer in Deutschland. Hier geht es nicht nur um Fahrzeuge, sondern um funktionierende – das heißt nicht unterbrochene – Kühlketten. Der Wert liegt oft in der Ladung, also Lebensmittel oder Medikamente. Unsere Kunden sind überwiegend Unternehmen, etwa Logistiker oder Handelsketten. Sie nutzen unsere Fahrzeuge, um Spitzenzeiten abzudecken. Genau dafür ist Miete ideal: flexibel, ohne langfristige Bindung.

Wirtschaftsforum: Ist diese Flexibilität der entscheidende Trend in Ihrer Branche?

Matthias Arndt: Absolut. Früher wollte jeder ein Auto besitzen. Heute zählt die Nutzung. „Pay per use“ ist nicht nur ein Schlagwort, sondern Realität. Kunden wollen keine Fixkosten, sondern variable Lösungen. Das sehen wir in allen Bereichen – vom Kurzzeitmietwagen bis zum Abo-Modell. Mobilität wird dienstleistungsorientierter, und darauf haben wir uns früh eingestellt.

Wirtschaftsforum: Wie positionieren Sie sich gegenüber den großen internationalen Vermietern?

Matthias Arndt: Wir sind bewusst anders. Unser Fokus liegt auf dem Mittelstand. Wir nennen uns selbst „die Autovermietung des Mittelstands“. Das bedeutet: persönliche Betreuung, langfristige Partnerschaften und weniger Standardisierung. Bei uns sitzt noch jemand am Telefon, der zuhört. Das klingt banal, ist aber ein echter Unterschied. Wir sind kein globaler Tanker – eher ein Schnellboot, das schneller reagieren kann.

Wirtschaftsforum: Wie erleben Sie aktuell die Veränderungen durch Elektromobilität?

Matthias Arndt: Wir bieten das an, was der Kunde nachfragt. Derzeit dominieren noch Verbrenner, ergänzt durch Hybrid- und Elek­trofahrzeuge. Die Herausforderung liegt weniger in der Technik als in der Wirtschaftlichkeit. Die Innovationsgeschwindigkeit ist hoch, Restwerte sind schwer kalkulierbar. Deshalb gehen wir hier bewusst vorsichtig vor. Wir müssen kaufmännisch denken – sonst funktioniert das Modell nicht.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Zukunft der Arndt Mobility Group?

Matthias Arndt: Stillstand gibt es bei uns nicht. Wir werden unsere Geschäftsbereiche weiterentwickeln und neue Formen der Mobilität integrieren. Flexibilität wird noch wichtiger werden. Gleichzeitig bleiben wir unserem Kern treu: ein mittelständisches Unternehmen, das nah am Kunden ist. Oder anders gesagt: Wir bleiben das Schnellboot zwischen den großen Tankern. Wir sind seit jeher gewachsen, ohne unsere Wurzeln zu verlieren. Bodenständigkeit und Anpassungsfähigkeit gehen bei uns Hand in Hand. Wir reagieren schnell auf Veränderungen, bleiben aber vorsichtig in unseren Entscheidungen. Diese Balance wird auch in Zukunft entscheidend für unseren Erfolg sein.

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