Frischer Wind für Ihr Hotel

Interview mit Oliver Hertrich, Geschäftsführer der atlas Zentraleinkauf GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hertrich, wie kam es zu der Gründung der Einkaufskooperation für die Privathotellerie? Was waren die Meilensteine bis heute?

Oliver Hertrich: Das Unternehmen wurde 1978 von meinem Vater gegründet, der in der Hotellerie arbeitete und immer wieder feststellen musste, dass privat geführte Hotels beim Einkauf benachteiligt wurden. Das gilt nicht nur für die Einkaufskonditionen, sondern auch für die fehlende Marktübersicht, denn der Privathotelier kann wegen der Vielfalt seiner Aufgaben und Verantwortungen nicht die dafür nötige Zeit aufwenden. Diesen Bereich wollen wir dem Hotelier als ‘ausgegliederte’ Einkaufsabteilung abnehmen.

Wirtschaftsforum: Was schwebte ihm damals vor?

Oliver Hertrich: Kurzgesagt: Eine generelle Professionalisierung und Optimierung des Beschaffungswesens für die gehobene Privathotellerie.

Wirtschaftsforum: Welche Bereiche umfasst das?

Oliver Hertrich: Alles was im Hotel benötigt wird. Somit umfasst es das gesamte Ambiente, beim Außenbereich zum Beispiel die Outdoor-Beleuchtung, im Innenbereich das Mobiliar oder den Fußbodenbelag, sowie auch die Deko der Tische im Restaurant als auch die Gestaltung der Zimmer. Unser Team setzt sich fast ausschließlich aus ehemaligen Hotelmitarbeitern zusammen, die sich auf verschiedene Bereiche spezialisiert haben. So können wir unsere Kunden sowohl in allen Bereichen der Möblierung, Gestaltung aber auch in beratender Funktion bei technischen Geräten bestens unterstützen. Und wenn wir mit einem Problem konfrontiert werden, das wir nicht intern lösen können, greifen wir gerne auf unser sehr gut funktionierendes Netzwerk zurück, welches im Laufe der Jahrzehnte entstanden ist.

Wirtschaftsforum: Wie sieht das in der Praxis aus?

Oliver Hertrich: Wir starteten 1978 mit zwölf Betrieben. Inzwischen kümmern wir uns um mehr als 400 Hotels und einige Restaurantbetriebe. Viele davon betreuen wir seit vielen Jahren und sogar seit Jahrzehnten. Wir kennen die Betriebe und stehen mit den Hoteliers in engem persönlichen Kontakt. Wenn Planungen und Projekte anstehen, besuche ich die Hoteliers persönlich. Das Tagesgeschäft, wie Nachbestellungen etc., wickeln wir sehr rationell mit einem Warenwirtschaftssystem ab, das uns hilft, auch Jahre später folgende Nachbestellungen artikelgenau zu identifizieren, um Fehlbestellungen weitestgehend zu vermeiden.

Wirtschaftsforum: Sie agieren quasi als Projektmanager?

Oliver Hertrich: Ja, das kann man durchaus so bezeichnen.

Wirtschaftsforum: Wie haben Sie bisher die Pandemie erlebt?

Oliver Hertrich: Selbstverständlich haben wir diese gespürt, denn unsere Branche war mit am stärksten betroffen. Der klassische Nachkauf fiel lange Zeit weg, denn alle Hotels und Restaurants waren geschlossen. Ab dem Sommer ging es wieder aufwärts. Geplante Renovierungen, also größere Projekte, waren nicht so sehr davon betroffen, denn die Hotels haben ihre geplanten Renovierungen oder Umbauten durchgezogen. Fälschlicherweise hört man immer in der Presse, dass Hotels kurzentschlossen renovieren würden, da sie ja geschlossen seien. Das kann ich so nicht bestätigen.

Wirtschaftsforum: Wie sieht sich das Unternehmen selbst mit Blick auf Kunden und Mitarbeiter?

Oliver Hertrich: Wir pflegen ein offenes, vertrauensvolles und loyales Verhältnis zu Mitliedern und Mitarbeitern gleichermaßen. Unser Team kennt sich seit Jahren, teilweise seit Jahrzenten und ist super eingespielt. Auch die Zusammenarbeit mit den Mitgliedsbetrieben geht in der Regel über Jahre. Wir sind auch nicht an einmaligen Aufträgen interessiert, sondern wollen als echter Partner wahrgenommen werden. Das treibt uns täglich an.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie privat an?

Oliver Hertrich: Natürlich in erster Linie meine Familie und Sport an der frischen Luft. Ich arbeite gerne und bin in der Hotellerie groß geworden. Früher schon haben wir unseren Vater bei seinen Terminen in Hotels begleitet. Daher war eine Ausbildung im Hotel naheliegend. Nach verschiedenen Stationen in Deutschland hat es mich noch vier Jahre in die Schweiz verschlagen, bevor ich im Jahr 2002 die Entscheidung getroffen habe im elterlichen Betrieb einzusteigen. Das Persönliche in dieser Branche liegt mir am Herzen. Mir macht es Spaß, mit Hoteliers Ihre Wünsche umzusetzen.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie das Unternehmen in Zukunft?

Oliver Hertrich: Wir möchten weiterhin die beste und nicht die größte Einkaufsgemeinschaft für die Hotellerie sein. Ich möchte weitere Mitglieder gewinnen, um ein gesundes Wachstum des Unternehmens zu erreichen. Die Branche wird sich von der Pandemie erholen und wir bleiben weiterhin Partner für Einzelaufträge und große Projekte. Unsere Kunden können sich auf uns verlassen.

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