Die Ausstellung Digital by Nature in der Kunsthalle München macht sichtbar, wie sehr sich digitale Technologien von reinen Produktionsmitteln zu eigenständigen Systemen entwickelt haben. Die gezeigten Arbeiten folgen keiner klassischen Bildlogik, sondern entstehen aus Regeln, Datenstrukturen und algorithmischen Prozessen, die sich kontinuierlich weiterentwickeln.
Im Mittelpunkt stehen Räume, die nicht gestaltet wirken, sondern berechnet, generiert und dynamisch angepasst werden. Formen wachsen, Linien verändern sich, Strukturen reagieren. Natur erscheint dabei nicht als ästhetisches Vorbild, sondern als systemisches Prinzip. Ordnung entsteht nicht durch Design, sondern durch Logik.
Gerade die physische Inszenierung dieser digitalen Prozesse ist entscheidend. Großformatige Projektionen und immersive Installationen übersetzen abstrakte Rechenvorgänge in räumliche Erfahrung. Der Besucher bewegt sich nicht vor Bildern, sondern innerhalb von Systemen. Wahrnehmung wird Teil des Prozesses.
Damit berührt die Ausstellung einen zentralen Aspekt aktueller Technologieentwicklung. Systeme produzieren heute nicht mehr nur Ergebnisse, sondern Strukturen, Entscheidungsräume und Wirkungslogiken. Gestaltung verschiebt sich von Kontrolle hin zu Rahmenbedingungen.






