„Edelsteine sind eine tragbare Währung“

Interview mit Sue van Bömmel, Geschäftsführerin der Jakob Burck Uhren und Schmuck GmbH

Wirtschaftsforum: Frau van Bömmel, Ihr Weg führte Sie vor über zwei Jahrzehnten aus dem Investmentbanking für Großkunden direkt in ein traditionsreiches Familienunternehmen. Wie viel „Bankerin“ steckt heute noch in Ihrer Arbeit als Juwelierin?

Sue van Bömmel: Tatsächlich sehr viel. Mein Hintergrund als BWLerin und meine Erfahrung im Vertrieb helfen mir enorm dabei, das Unternehmen zahlenorientiert und strategisch zu führen. Ich habe früher Institutionen bei der Disposition von Firmengeldern beraten; heute berate ich Privatkunden dabei, wie sie ihr privates Vermögen sinnvoll ergänzen können. Dabei ist mir aufgefallen, dass Menschen mit ihrem privaten Geld oft viel vorsichtiger umgehen als Entscheider mit institutionellen Geldern. Diese analytische Sichtweise ist ein Kernbestandteil unserer heutigen Beratungsphilosophie.

Wirtschaftsforum: Sie haben bei Juwelier Burck das Thema Investment-Schmuck stark ausgebaut. Was war der Auslöser, Edelsteine verstärkt als Anlagealternative zu positionieren?

Sue van Bömmel: Ein prägendes Erlebnis war der Beginn des Ukraine-Krieges. Viele Flüchtlinge kamen mit ihrer Landeswährung hierher, die sie bei keiner Bank tauschen konnten. Hätten sie mobile Güter wie Gold, Silber oder hochwertige Edelsteine mit entsprechenden Expertisen besessen, hätten sie diese weltweit sofort in liquide Mittel umwandeln können. Das hat uns gezeigt, wie wichtig „tragbare“ Sachwerte als Ergänzung zum klassischen Portfolio sind.

Wirtschaftsforum: Worauf müssen Kunden achten, wenn sie in Diamanten oder Farbsteine investieren wollen?

Sue van Bömmel: Rarität ist der entscheidende Faktor. Wir beraten ausschließlich zu natürlichen Produkten, da synthetische Steine millionenfach duplizierbar sind und keinen bleibenden Wert besitzen. Ein Beispiel sind Paraiba-Turmaline. Da die Minen in Brasilien längst geschlossen sind, explodieren hier die Preise. Wichtig ist zudem die objektive Expertise. Mein Mann ist Uhrmachermeister, unser Sohn ebenfalls, und wir sind beide Diamantgutachter und Gemmologen. Dieses gebündelte Fachwissen schafft das notwendige Vertrauen, denn als Laie kann man am Markt leicht „ein X für ein U vorgemacht“ bekommen.

Wirtschaftsforum: Juwelier Burck beschäftigt heute elf Mitarbeiter und erwirtschaftet einen beachtlichen Jahresumsatz. Ein großes Standbein ist dabei das sogenannte Nachfolgegeschäft. Was verbirgt sich dahinter?

Sue van Bömmel: Wir erleben derzeit einen großen Generationenwechsel. Viele Kunden erben Schmuckstücke, die handwerklich hochwertig, aber nicht mehr zeitgemäß sind. Hier setzen wir an: Wir arbeiten „alte Schätzchen“ in modern designte Unikate um. So bleibt der emotionale Bezug zum Erbstück erhalten, aber das Material wird wieder tragbar. Das ist nachhaltig und wertschöpfend zugleich.

Wirtschaftsforum: Zum Abschluss ein Blick auf die Branche: Viele Einzelhändler klagen über den Online-Handel und Nachwuchssorgen. Wie blicken Sie in die Zukunft?

Sue van Bömmel: Wir dürfen nicht in der „Katalogmentalität“ verharren oder versuchen, über den Preis mit Billig-Plattformen zu konkurrieren. Qualität hat ihren Preis. Wir investieren massiv in junge Talente – unsere aktuelle Auszubildende hat sogar ein Lehramtsstudium für das Uhrmacherhandwerk eingetauscht. Zudem engagieren wir uns im BID (Business Improvement District) in Friedberg, um das gesamte Umfeld attraktiv zu halten. Tradition und Innovation schließen sich nicht aus – man muss nur bereit sein, die „alten Zöpfe“ rechtzeitig abzuschneiden und neue Kanäle mutig zu bespielen.

Jakob Burck Uhren und Schmuck GmbH
Juwelier & Uhrmachermeister
Kaiserstraße 50
61169 Friedberg/Hessen
Deutschland

+49 06031 5022
info(at)juwelier-burck.de
www.juwelier-burck.de

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Stop Treating, Start Healing: Warum Unternehmen Gesundheit ganzheitlich denken sollten

Stop Treating, Start Healing: Warum Unternehmen Gesundheit ganzheitlich denken sollten

Erschöpfung, Brain Fog, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl, trotz ausreichend Schlaf nie wirklich erholt zu sein: Solche Beschwerden werden im Alltag schnell normalisiert. Wir funktionieren weiter, gehen zur Arbeit, erfüllen unsere…

Jury und Publikum wählen bei der DMEXCO 26 den Markentrend für 2027

Jury und Publikum wählen bei der DMEXCO 26 den Markentrend für 2027

Bei der DMEXCO 2026 in Köln bewerteten sechs CMOs großer Marken gemeinsam mit dem Publikum vier Trend-Kandidaten für 2027, unser Autor war als akkreditierter Journalist vor Ort und hat die…

Tinnitus Krankschreibung: Wann ist eine Pause sinnvoll?

Tinnitus Krankschreibung: Wann ist eine Pause sinnvoll?

Eine Krankschreibung bei Tinnitus kann sinnvoll sein, wenn bestehenden Ohrgeräusche die Konzentration, den Schlaf oder die alltägliche Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigen. Entscheidend ist die individuelle gesundheitliche Situation, nicht allein die Diagnose.…

Aktuellste Interviews

Kreislauf statt Wegwerfprodukt

Interview mit Dr. Thomas Kloubert, Geschäftsführer der Verpackungstechnik Frielinghaus GmbH

Kreislauf statt Wegwerfprodukt

Kunststoffverpackungen stehen unter Rechtfertigungsdruck. Dabei können sie leicht, bruchsicher und kreislauffähig sein, wenn Material und Konstruktion stimmen. Die Verpackungstechnik Frielinghaus GmbH aus Zülpich setzt deshalb auf Rezyklate, Monomaterialien und kundenspezifische…

Ein Modell für moderne Medizin

Interview mit Dr. med. Keihan Ahmadi-Simab, geschäftsführender Gesellschafter und ärztlicher Direktor der Medizinicum GmbH

Ein Modell für moderne Medizin

Eine gute medizinische Versorgung braucht mehr als einzelne Spezialisten – sie braucht Zusammenarbeit. Genau darauf setzt die Medizinicum GmbH in Hamburg. Das interdisziplinäre Zentrum vereint rund 30 Fachbereiche, mehr als…

„Die Zukunft der Mobilität wird ambivalent sein!“

Interview mit Karl Heinz Beckers, Geschäftsführer der BBT Automotive Components GmbH

„Die Zukunft der Mobilität wird ambivalent sein!“

Kurz nach der Wiedervereinigung baute der aus Bayern stammende Unternehmer Karl Heinz Beckers einen fertigungsintensiven Betrieb in den neuen Bundesländern auf, mit dem er Zündkabelsätze und Zündkerzenstecker für die Automobilindustrie…

TOP