Service aus Stahl

Interview mit Benjamin Simon, Geschäftsführer der KNAPPSTEIN Stahlservice GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Simon, KNAPPSTEIN blickt auf eine lange Historie zurück. Wie haben Sie das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet?

Benjamin Simon: Unser Geschäft hat sich stark gewandelt. In den zurückliegenden Jahren haben wir vor allem unser Direktgeschäft mit Stahlverbrauchern – etwa aus dem Regalbau, der Profilindustrie, dem Bau oder der Automobilzulieferung – stark ausgebaut. Daneben spielt unverändert das Geschäft mit unseren Partnern im Stahlhandel eine wichtige Bedeutung. In diesem Mix spielen wir die Stärke unserer Organisation optimal aus. Langfristverträge mit Endkunden sind gut planbar und bilden damit ein solides Fundament für unsere Auslastung und Ertragssituation. Auf dieser Basis stehen wir stabil als Partner im sehr volatilen Spotgeschäft mit unseren Handelspartnern zur Verfügung, die von unserer guten Sortierung profitieren. 

Wirtschaftsforum: Was bedeutet das für den Kundenservice?

 

Benjamin Simon: Im Verbrauchergeschäft spielt der Preis nicht die alleinige Rolle – da zählen vor allem Verlässlichkeit und Service. Und da setzen wir den Maßstab. Wir sind nah an unseren Kunden, klären Themen sofort telefonisch statt zeitversetzt per E-Mail, reagieren proaktiv auf Probleme und entwickeln gemeinsam mit unseren Partnern Lösungen. Ich bin als Geschäftsführer in viele Themen direkt involviert – das ist in einer kleinen, flexiblen Einheit wie unserer gut möglich und Teil unseres Selbstverständnisses.

 

Wirtschaftsforum: Ihr Slogan lautet „Service aus Stahl“. Was steckt konkret dahinter?

Benjamin Simon: Er beschreibt unseren Anspruch, uns durch Service vom Wettbewerb abzuheben. Die Maschinen, das Material, die Technik – das ist überall ähnlich. Was uns unterscheidet, ist der Umgang miteinander, die Verlässlichkeit, die Kommunikation. Wir schulen unsere Mitarbeiter regelmäßig – auch über ihren unmittelbaren Aufgabenbereich hinaus –, damit jeder fundiert Auskunft geben kann. Wir wollen keine internen Weiterleitungen, sondern direkte Hilfe.

Wirtschaftsforum: Sie haben die Unternehmenskultur stark in den Fokus gerückt. Welche Werte sind Ihnen besonders wichtig?

Benjamin Simon: Einer der ersten Schritte, die wir gegangen sind, war die gemeinsame Definition unserer Werte. Das war ein partizipativer Prozess, an dem alle Mitarbeiter beteiligt waren. Neben Respekt, Teamwork, Kreativität, Kompetenz und Ehrlichkeit ist mir vor allem der Wert „Mut“ besonders wichtig – Mut, Entscheidungen zu treffen, den Hörer in die Hand zu nehmen oder auch mal Fehler zu machen. Diese Werte geben Orientierung und schaffen Vertrauen – intern wie extern.

Wirtschaftsforum: Aktuell ist der Markt von Unsicherheit und Rezession geprägt. Wie gehen Sie damit um?

Benjamin Simon: Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Der wirtschaftliche Druck ist hoch, viele Kunden befinden sich in schwierigen Situationen.

Unsere Aufgabe ist es, sie bestmöglich zu unterstützen. Hier müssen wir nah beim Kunden sein, um auch in dieser Phase unsere Anlagenkapazität auszulasten und Arbeitsplätze zu sichern. Das verlangt viel Fingerspitzengefühl – und mentale Stärke. Ich sehe meine Aufgabe auch darin, mein Team zu motivieren, zuzuhören und gemeinsam Perspektiven zu entwickeln.

Wirtschaftsforum: Ein weiteres dominierendes Thema ist die Nachhaltigkeit. Wie begegnet KNAPPSTEIN dieser Herausforderung?

Benjamin Simon: Die Stahlindustrie ist naturgemäß sehr energieintensiv. Doch der Druck zur CO2-Reduktion ist enorm – und berechtigt. Wir arbeiten deshalb eng mit unseren Lieferanten und der SPAETER Gruppe daran, Prozesse transparenter und klimafreundlicher zu gestalten. Kunden fordern zunehmend CO2-reduziert erzeugte Qualitäten. Diese Nachfrage können wir mit den CSGreen®-Produkten von SPAETER bedarfsgerecht reflektieren. Selbstverständlich stellen wir auf Kundenwunsch auch zertifizierte Nachweise über den Carbon Footprint unserer Produkte zur Verfügung.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Ihnen die Zugehörigkeit zur SPAETER Gruppe?

Benjamin Simon: Sehr wichtig. Die SPAETER Gruppe zählt mit über 1.400 Mitarbeitern und rund 2,4 Milliarden EUR Umsatz zu den bedeutenden Akteuren der Branche – gleichzeitig ist sie familiengeführt. Diese Kombination aus Größe und Werteorientierung ist ein echtes Plus. Wir bekommen starken Support aus der Zentrale in Duisburg und spüren trotzdem den mittelständischen, persönlichen Geist. Das ist nicht selbstverständlich – und genau der Rahmen, in dem ich gerne arbeite.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Pläne für die kommenden fünf Jahre?

Benjamin Simon: Wir wollen weiter wachsen – in Menge und schlussendlich auch Ertragskraft. Aktuell verarbeiten wir rund 100.000 t Stahl pro Jahr. Ziel ist es, hier um mindestens 50% zu wachsen und auch den Umsatz entsprechend zu steigern. Aber noch wichtiger ist mir, dass wir als Team stabil und motiviert bleiben, neue Fachkräfte gewinnen und bestehende Mitarbeiter langfristig binden können. Dazu gehört auch, dass wir digitale Prozesse verbessern, etwa mit automatisierten Warenwirtschaftssystemen oder KI-gestützter Dokumentenverarbeitung.

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