Das Transformationsprojekt kippt – und jetzt?

Der kritische Moment

Die Signale sind meist eindeutig, wenn Projekte ins Stocken kommen: unklare Verantwortlichkeiten, zunehmender Abstimmungsbedarf, Entscheidungsstaus und eine Atmosphäre, die zwischen Ratlosigkeit und Reaktanz schwankt. In SAP-Großprojekten zeigen sie sich oft durch nicht belastbare Timelines, fehlendes Change-Management oder überforderte Projektteams. Andreas Krieg, Gründer von SaphirACon und Transformationsexperte, spricht in diesem Kontext von einem „System, das zu komplex geworden ist, um es noch sauber steuern zu können.“
Mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme öffnet sich jedoch der Weg zur Recovery. Sofern die Bereitschaft besteht, klar zu formulieren, wo es hakt, können die Weichen neu gestellt werden.

Recovery – was jetzt zählt

Recovery bedeutet, aktiv Führung zu übernehmen, nicht einfach nur in irgendeiner Form zu reagieren. Sie beginnt dort, wo andere Projekte abbrechen, nämlich mit einem klaren Ziel: Stabilität schaffen, Vertrauen zurückholen, Handlungsfähigkeit wiederherstellen.
Fundamental: Während in der Konzeption strategische Fragen im Mittelpunkt stehen und die Implementierung operativ-technisch geprägt ist, verlangt Recovery eine neue Qualität des Denkens – eine Verknüpfung aus Analyse, Priorisierung und mentaler Neuausrichtung.

Ursachenanalyse statt Symptombekämpfung

Die häufigsten Projektkiller sind keine Überraschung: Scope Creep (unkontrolliertes Wachstum des Projektvolumens), falsche Ressourcenplanung und unklare Ziele. In der Praxis zeigt sich dies regelmäßig in Form von veralteten Tools, mangelhafter Integration bestehender Systeme oder einer heterogenen Prozesslandschaft, die gewachsene Strukturen konserviert, statt sie zu harmonisieren.
Um die Ursachen eingehend zu analysieren, stellt sich kaum die Frage, was denn nun schiefgelaufen ist. Vielmehr ist zunächst zu klären, warum ein frühes Bemerken nicht möglich war. Hilfreich hierbei ist ein Analyse-Framework, das sowohl die Symptome registriert als auch die darunterliegenden Strukturen offenlegt. Andreas Krieg weiß aus Erfahrung: „Oft liegt die wahre Ursache viel tiefer – im Setup, der Organisation oder in unterschätzten Abhängigkeiten.“

Stabilisieren: Das SaphirACon-Modell

In der Recovery-Phase ist mehr als bloßes Projektmanagement erforderlich. Benötigt wird ein strukturierter Neustart. Der Ansatz des Spezialisten Andreas Krieg basiert dabei auf drei Prinzipien:

  • Re-Fokus auf Business-Ziele: Jetzt zählt, was wirklich trägt. Der Projektrahmen wird auf das Wesentliche geschärft – alles, was keinen klaren Beitrag zur Zielerreichung leistet, wird konsequent aussortiert.
  • Re-Strukturierung von Teams und Streams: Es wird aufgeräumt. Wer nicht ins Projekt passt – fachlich oder strukturell – wird ersetzt, Verantwortlichkeiten klar neu verteilt und blinde Flecken geschlossen.
  • Re-Design der Steuerungsmechanismen: Steuerung wird wieder zur echten Steuerung. Komplexe Gremien, zähe Abstimmungen und unklare Eskalationen weichen transparenten Strukturen, schnellen Wegen und messerscharfen Entscheidungen.

Auf den Punkt gebracht: Recovery beginnt immer mit Klarheit. Ohne sie keine Priorisierung, ohne Priorisierung keine Stabilisierung.

Kommunikation als Gamechanger

Krisenkommunikation ist keine Einbahnstraße. In Transformationsphasen wird sie zum Führungsinstrument. Transparenzoffensiven, etwa durch offene Q&A-Formate, wöchentliche Lageberichte oder moderierte Konfliktpanels helfen nicht nur bei der Rückgewinnung von Vertrauen, sondern auch bei der Konsolidierung der Teams.
“Der Schlüssel liegt in der Verständlichkeit der Botschaften zwischen allen Beteiligten und in der Konsequenz ihrer Umsetzung – intern wie extern”, betont Andreas Krieg.

Lessons Learned – das hilft wirklich

Was Projekte rettet, ist selten eine Heldentat – sondern vielmehr ein Frühwarnsystem. Drei Dinge haben sich als entscheidend erwiesen:

  • Klarheit in den Rollen und Zielen
  • Unabhängigkeit in der Analyse
  • Konsequenz in der Umsetzung

Recovery verlangt Neutralität, keinesfalls um eines Kompromisses willen, vielmehr als aktives Führungsinstrument.

Recovery als Standardkompetenz

In einem Umfeld, in dem Ressourcenengpässe, Projektüberlastung und Innovationsdruck die neue Normalität darstellen, wird Recovery zu einer Kernkompetenz. Betriebe, die sich in der Lage zeigen, Transformationen stabil zu führen, erreichen einen strategischen Vorteil. Sie beweisen Resilienz – und damit Zukunftsfähigkeit.

Recovery ist kein Rückzug – sie wird der Moment für Führung

Stabilisierung bedeutet nicht automatisch Scheitern. Es handelt sich vielmehr um ein Zeichen von Reife. Echte Führung zeigt sich in der Übernahme von Verantwortung, wenn es kritisch wird.
„Unser Ziel ist es, Unternehmen durch innovative Technologien und strategische Planung nachhaltig zu stärken“, ergänzt Andreas Krieg. Recovery verdient eigene Methoden, Tools und Wertschätzung. Immerhin ist sie die Kunst, das Steuer zu übernehmen, wenn andere aufgeben.

 

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