„Beim Brandschutz gilt: Es gibt kein Zuviel“

Inwieweit sollten Unternehmen über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen, um einen umfassenden Brandschutz zu gewährleisten, und welche Vorteile können sich daraus ergeben?

Dafür braucht es eine genaue Prüfung des Einzelfalls und der möglichen Gefährdungen im jeweiligen Unternehmen. Aber klar ist auf jeden Fall: Beim Brandschutz gibt es nie ein Zuviel. Freiwillige Investitionen in Topstandard beim Brandschutz rechnen sich sogar – etwa in Form von Rabatten bei wichtigen Firmenversicherungen.

Welche grundlegenden gesetzlichen Anforderungen und Pflichten müssen Unternehmen in Bezug auf den betrieblichen Brandschutz überhaupt erfüllen in Deutschland? Und wie können die Betriebe sicherstellen, dass sie diesen Anforderungen auch gerecht werden?

Auch hier braucht es den genaueren Blick: Die Anforderungen an den betrieblichen Brandschutz unterschieden sich je nach Art des Unternehmens und des Standorts. Handelsfirmen benötigen beispielsweise einen anderen Brandschutz als Industrieunternehmen. Wichtig und richtungsweisend für den optimalen Brandschutz ist auch die jeweilige Gebäudeklasse – mehrstöckige Bauten müssen noch besser geschützt werden als etwa ein kleiner Flachbau. Die Vorgaben der örtlichen Feuerwehr oder auch der Versicherer sind hier zu beachten.

Unternehmern aus dem Mittelstand rate ich daher, sich vertraut zu machen mit den konkreten Vorgaben für ihr Unternehmen. Informationen zum erwarteten und notwendigen Brandschutz finden sich etwa in der Baugenehmigung oder denn Versicherungsunterlagen. Manche Beschreibungen darin könnten für Laien vielleicht nicht direkt verständlich sein. Daher – und weil es um extrem hohe Sachwerte und letztlich auch Menschenleben geht – empfehle ich außerdem, bei der kleinsten Unklarheit einen Brandschutzbeauftragten zurate zu ziehen, der auch die gesetzlich geforderten Schulungen und Unterweisungen durchführen kann. Auch ein Anruf bei der örtlichen Feuerwehr kann helfen: In größeren Städten verfügen die Feuerwehren in der Regel über eine eigene Abteilung für vorbeugenden Brandschutz und geben gern fachkundige Auskunft.

Der Blick der Experten von außen hilft bei der Optimierung des Brandschutzes. Klar ist, dass jedes Unternehmen die notwendigen Basisschutzmaßnahmen direkt selbst umsetzen kann. Dazu gehört, dass Flucht- und Rettungswege grundsätzlich frei sein müssen und nicht etwa durch Büropflanzen, Drucker oder Papierstapel zugestellt sein dürfen. Feuerlöscher und andere Brandschutzeinrichtungen müssen frei zugänglich sein, die Wartungsintervalle konsequent eingehalten werden. Vorgeschrieben und wichtig sind zudem die regelmäßigen Schulungen und Unterweisungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Brandschutz. Unternehmen, die mit leicht entflammbaren Flüssigkeiten hantieren in der Produktion, müssen besondere Vorsicht walten lassen – das betrifft vor allem die Lagerung dieser Stoffe und die vorgehaltene Menge.

Welche Rolle spielen regelmäßige Brandschutzprüfungen und -inspektionen in einem Unternehmen, und wie können potenzielle Mängel frühzeitig erkannt und behoben werden?

Regelmäßige Brandschutzprüfungen sind für Unternehmen extrem wichtig. Sie stellen sicher, dass alle Brandschutzeinrichtungen in der Firma funktionsfähig bleiben und im Notfall einwandfrei funktionieren. Mein dringender Appell daher: Halten Sie die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfinterwalle ein. Es ist zudem sinnvoll, eine regelmäßige Sichtprüfung auch abseits der vorgeschriebenen Prüfungsintervalle durchzuführen, um Mängel schnell zu erkennen. So lässt sich etwa direkt erkennen, ob eine Brandschutztür wie vorgeschrieben schließt oder nicht.

Welche spezifischen Maßnahmen und Vorkehrungen empfehlen Sie Unternehmen, um das Risiko von Bränden zu minimieren, insbesondere unter Berücksichtigung der Art des Geschäftsbetriebs und der vorhandenen Infrastruktur?

Das hängt von der Art der Betriebstätte ab. Allgemein gilt: Prüfen Sie regelmäßig ihre elektrischen ortsveränderlichen Betriebsmittel. Nach der Verordnung „DGUV 3“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist das mindestens alle drei Jahre je nach Gerät und Anwendungsbereich notwendig. Wichtig und vorgeschrieben ist auch eine ausreichend hohe Zahl von Brandschutzhelfern im Unternehmen: Es müssen mindestens fünf Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entsprechend geschult und dann auch im Unternehmen sein. Die Zahl der Brandschutzhelfer variiert jedoch von Unternehmen zu Unternehmen: So braucht zum Beispiel eine Pflegeeinrichtung mit vielen betagten und bettlägerigen Patienten wesentlich mehr Brandschutzhelfer als eine Werbeagentur in einem klassischen Bürogebäude.

Wie gestaltet sich die Schulung und Sensibilisierung von Mitarbeitern bezüglich brandschutzrelevanter Aspekte? Und welche Verantwortung tragen Unternehmen, um sicherzustellen, dass ihre Mitarbeiter angemessen geschult sind?

Die Brandschutzunterweisung aller Beschäftigen ist einmal im Jahr Pflicht – und darf nicht vernachlässigt werden. Jeder Betrieb benötigt wie bereits erwähnt eine Mindestzahl an Brandschutzhelfern. Zudem müssen auch die bereits geschulten Brandschutzhelferinnen und Brandschutzhelfer regelmäßig – alle vier Jahre – neu geschult werden. Das Thema Brandschutz bringt also einige Pflichten mit sich. Doch die Mühe, die es erfordert, ist alternativlos. Denn die Alternative will sich kein kleines und mittleres Unternehmen wirklich ausmalen …

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