Interview mit Maximilian Tayenthal, Mitgründer und Mitinhaber der N26 GmbH
Interview mit Maximilian Tayenthal, Mitgründer und Mitinhaber der N26 GmbH

Wahre Freiheit im Banking

Genau dieses ambitionierte Ziel verfolgten Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf, als sie im Februar 2013 ihr Fin-Tech Start-Up gründeten, damals unter dem Namen Number26. Schnell avancierte das Unternehmen der beiden dynamischen Jungunternehmer zu einem der bekanntesten Fin-Tech Unternehmen Deutschlands und sorgte für viel Wirbel im etablierten Bankenmarkt. Jetzt, vier Jahre später, besitzt N26 eine eigene Banklizenz, hat über 300.000 Kunden und ermöglicht internationales Banking in 17 europäischen Ländern. Mit ihren Ideen sind die beiden Gründer noch nicht am Ende. Wirtschaftsforum sprach mit Maximilian Tayenthal über seine Erfahrungen der vergangenen Jahre und über die zukünftigen Pläne für das Unternehmen.

Wirtschaftsforum: Herr Tayenthal, was hat Sie angetrieben, ein Fintech zu gründen?

Maximilian Tayenthal: Der Drang, etwas nachhaltig zu verändern, war maßgebend dafür, N26 zu gründen. Dass sich der europäische Finanzmarkt bewegen musste, war schon sehr offensichtlich. Zum einen entwickelte sich 2013 der Trend weg von online und hin zu mobilen Anwendungen, aber die Nutzeroberflächen der Banken sahen damals noch aus wie das Internet der 1990er-Jahre. Auf der anderen Seite hat sich das Leben junger Europäer verändert. Man wächst beispielsweise in Wien auf, studiert in Amsterdam, macht ein Praktikum in London und arbeitet irgendwann in Berlin. Es ist unverständlich, warum man in jedem Land ein neues Konto aufmachen muss. So wollen wir mit N26 die Grenzen im Banking einreißen, die es politisch gar nicht mehr gibt.

Wirtschaftsforum: Ein ambitioniertes Ziel, das aber erst einmal umgesetzt werden will.

Maximilian Tayenthal: Wir leben im 21. Jahrhundert und eine Kontoeröffnung dauert immer noch unheimlich lange. Überweisungen sind zeitintensiv und Banking an sich eine Last. Das muss nicht so sein. N26 nutzt die vorhandenen Technologien und das mit Verstand. Wir möchten ein unkompliziertes, transparentes Konto für alle schaffen, die ihr Banking gern und einfach am Smartphone erledigen.

Wirtschaftsforum: Sie haben mit N26 bewegte Zeiten hinter sich. Welche Lehren ziehen Sie daraus? Welche Erkenntnisse nehmen Sie mit?

Maximilian Tayenthal: In Summe hatten wir ein sehr erfolgreiches Jahr 2016. Die Europäische Zentralbank hat uns eine Banklizenz erteilt. Mit der neuen Finanzierungsrunde über 40 Millionen Dollar ist Li-Kashings Horizons Ventures mit an Bord gekommen. Wir haben in neun weitere Länder expandiert und sind stark gewachsen. Außerdem sind wir erfolgreich auf unsere eigene Bankplattform umgezogen. Die Relevanz von N26 zeigt sich auch daran, dass Apple uns als einzige Bank Europas auf dem WWDC (Worldwide Development Conference) erwähnt hat. Bei einem jungen Unternehmen, das Neuland betritt, kommt es immer wieder zu neuen Herausforderungen. Wir können sagen, dass wir im letzten Jahr viel gelernt haben – auch, wie wir besser mit unseren Kunden kommunizieren können. Dadurch sind wir heute viel besser aufgestellt.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne haben Sie für 2017?

Maximilian Tayenthal: In diesem Jahr werden wir unser Angebot der wichtigsten Finanzprodukte in unserer App um ein Sparprodukt sowie um Versicherungen erweitern. Zuletzt haben wir ein Kreditprodukt auf den Markt gebracht, bei dem Kreditprüfung, Identifizierung und Abschluss innerhalb weniger Minuten funktioniert und der Kunde die N26 App nicht verlassen muss. Bei einem erfolgreichen Antrag ist das Geld sofort auf dem Konto verfügbar.

„Bankfilialen werden unwirtschaftlich und bringen den Kunden immer weniger Mehrwert!“

Maximilian Tayenthal
Mitgründer und Mitinhaber der N26 GmbH

Wirtschaftsforum: Werden Sie ins Firmenkundengeschäft einsteigen? Falls ja, wie wird das Angebot aussehen?

Maximilian Tayenthal: Wir haben bereits ein Business Konto für SMEs und Freelancer im Rahmen des Umzugs auf unsere eigene Bankplattform angeboten. Aktuell liegt unser Fokus auf Privatkunden und darin, ihnen das beste Banking zu bieten. Sicherlich werden wir auch ins Firmenkundengeschäft einsteigen, denn wir sehen hier großes Potenzial. Geschäftskonten sind unglaublich teuer für Unternehmer und noch ganz weit im hinten beim Thema Digitalisierung.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle werden traditionell regional verwurzelte Banken, wie zum Beispiel die Volksbanken Raiffeisenbanken und die Sparkassen, mittel- und langfristig in der deutschen Bankenlandschaft noch spielen?

Maximilian Tayenthal: Die Rolle der regionalen Banken wird kleiner werden. Das Nutzerverhalten ändert sich definitiv hin zum Smartphone, Filialen werden unwirtschaftlich und bringen immer weniger Mehrwert für die Kunden.

Wirtschaftsforum: Ihre Vision 2020 für N26?

Maximilian Tayenthal: N26 wird einen signifikanten Anteil der jungen Bevölkerung in ganz Europa als Kunden haben und die Benchmark im Mobile Banking sein. Wir werden nicht nur die finanziellen Aspekte des Lebens unserer Kunden einfacher in nur einer App zugänglich machen, sondern auch darüber hinaus.

3 Fragen? 3 Antworten.

Der CEO der Smartphone-Bank N26, Valentin Stalf, war Gast bei der Panel Diskussion „Convenience & Effizienz – durch Digitalisierung“ auf der 23. Handelsblatt Jahrestagung „Banken im Umbruch“ in Frankfurt am Main.

Wirtschaftsforum war vor Ort und hat drei prägnante Fragen mit den zugehörigen Antworten von Valentin Stalf aufbereitet.

Handelsblatt: Herr Stalf, warum hängt Deutschland beim Thema Mobile Payment so hinterher?

Valentin Stalf: Das hat verschiedene Gründe. Einer der großen Gründe ist, dass einfach in vielen Branchen Schwarzgeld an der Tagesordnung ist. Vor allem in der Gastronomie ist das so und es wird zu wenig dagegen gemacht. Das sieht man auch im Taxi-Gewerbe. […] Das zweite Thema ist auf der Kundeseite. Es gibt ein Gefühl, das Onlinezahlungen oder digitale Zahlungen unsicherer sind, was faktisch einfach falsch ist. Wenn ich heute eine Karte verwende, dann habe ich viel niedrigere Fraud-Raten, insgesamt auch viel niedrigere Kosten für das Gesamtsystem.

Handelsblatt: N26 hat zuletzt eine volle Banklizenz erhalten. War es grundsätzlich schwer, diese zu bekommen?

Valentin Stalf: Grundsätzlich ist es natürlich keine einfache Sache, eine Banklizenz zu bekommen, aber ich glaube es ist ein normaler Prozess. Im Gesetz ist genau geregelt ist, wie man diese bekommen kann und am Ende waren wir sehr froh, dass wir innerhalb von einem Jahr unsere eigene Banklizenz erhalten haben. Das wirklich entscheidende ist, wenn man eine Branche wirklich verändern will, dann muss man auch die regulatorischen Voraussetzungen dafür schaffen. Die Banklizenz in Deutschland ist für uns auch ein Zeichen von Vertrauen gegenüber dem Kunden, dass wir hier eine vertrauenswürdige Institution sind.

Handelsblatt: Ist das jetzt für Sie nicht auch ein wenig anstrengender geworden mit dieser Banklizenz? Jetzt haben Sie sich auch an andere Regeln als vorher zu halten.

Valentin Stalf: Wir mussten uns schon vorher genauso an die Regeln halten. Wir haben natürlich nicht unsere eigene Banklizenz gehabt, sondern haben unter der Lizenz einer anderen Bank operiert, aber grundsätzlich waren unsere Produkte auch von dieser Bank kontrolliert. […] Heute ist es für uns sogar einfacher geworden, weil wir direkt mit dem Regulator sprechen können und daher zum Beispiel schon vorher in neue Entwürfe eingebunden wie bei der Videolegitimation oder anderen Themen, die für unser Geschäftsmodell sehr wichtig sind. Einer der entscheidenden Wettbewerbsvorteile, die wir heute haben, ist , dass wir das Mindset einer digitalen Company mit den regulatorischen Voraussetzungen vereinen.

Foto: Euroforum

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