Interview mit Florian Homm, Hedgefondsmanager und Buchautor

Warum sollte ich mich wieder dafür einsetzen, dass der Geld- und Industrieadel noch mehr Reichtum und Macht gewinnt?

„Wer hoch fliegt, fällt tief“, heißt das Sprichwort. Wobei der wichtigste Aspekt darin gar nicht enthalten ist: das Aufstehen. Florian Homm, einer der bekanntesten Hedgefondsmanager Deutschlands kennt die Finanzwelt wie kaum ein anderer. Jetzt will er sein Wissen Privatanlegern zur Verfügung stellen. Im Interview mit Wirtschaftsforum erläutert er die Hintergründe seines Engagements und seine Abkehr von den Super- und Ultrareichen.

Wirtschaftsforum: Herr Homm, Sie sind seit über 25 Jahren in der Finanzwelt unterwegs, haben dabei Licht- und Schattenseiten kennengelernt. Ungeachtet aller negativen Erfahrungen, präsentieren Sie sich aktuell voller Tatendrang. Woher kommt diese Energie?

Florian Homm: Eigentlich bin ich bereits seit 38 Jahren im Finanzgeschäft, habe im Jahr 1979 im Alter von 19 Jahren meine erste Investment Gesellschaft in den USA gegründet. Mein Tatendrang ist sicherlich genetisch und familiär beeinflusst. Auch mein Großonkel Josef Neckermann hat nach dem „Notverkauf“ an Karstadt seine Energie auf die Deutsche Sporthilfe verlagert, mit großem Erfolg. Seit meiner Jugend bin ich dem Prinzip „was du machst, mach es richtig“ verpflichtet. Wenn ich kann, werde ich bis zum letzten Atemzug versuchen, etwas Sinnvolles zu machen.

Bis 2007 ging es mir fast ausschließlich um mein Ego, Geldvermehrung und Lebensintensität. Heute sollten die Aufgaben nicht nur profitabel sein, sondern auch einen höheren Sinn ergeben. Im Karitativen und im Sozialen konnte man meine Tätigkeiten zwischen 1979 und 2007 an maximal fünf Fingern abzählen. Heute bin ich für zwei gemeinnützige Vereine tätig, vor allem im Bereich notdürftige und behinderte Kinder: Thallion und Olmoms. Wenn mir jemand vor zehn Jahren gesagt hätte, dass ich eines Tages einen Bestseller für die Jesusmutter Maria verlegen würde, hätte ich laut aufgeschrien und diese Person in eine Nervenheilanstalt einliefern lassen.

„Bis 2007 ging es mir fast ausschließlich um mein Ego, Geldvermehrung und Lebensintensität. Heute sollten die Aufgaben nicht nur profitabel sein, sondern auch einen höheren Sinn ergeben.“

Florian Homm

Wirtschaftsforum: Stichwort aktiv: Zum November haben Sie einen neuen Long & Short Börsenbrief initiiert, der sich nicht an die Super- beziehungsweise Ultrareichen richtet. Was sind die Gründe für diese Entscheidung? 

Florian Homm: Unser Börsenbrief ist seit dem 1. November 2017 erhältlich und wird von fünf weiteren Mitarbeitern in der Schweiz aufbereitet. Clinuvel Pharmaceuticals hat aus unserer Sicht ein hohes Kurspotenzial und wird voraussichtlich bis zum Ende des nächsten Geschäftsjahres sehr gut performen. Warum das so ist, lesen unsere Börsenbrief Abonnenten. Auf der Short Seite sind wir mittelfristig wenig von der „Deutschen Börse“ - Aktie begeistert. Bei europäischen Junkbonds steht womöglich mittelfristig ein starker Wertverlust bevor. Ähnliches erwarten wir von Platinum.

Ich erachte es als wichtig, dass der Privatinvestor die kommende Wirtschafts- und Finanzkrise ohne enorme Verluste meistert. Ich bringe praktisch drei Jahrzehnte Kapitalmarkt Insiderwissen in ein breites Publikum. Das ist in dieser Form in Deutschland wirklich einzigartig. Ich drehe inhaltlich kritische Videos zu vielen Themen und konnte bisher einige Bestseller schreiben. Prinzipiell geht es um Aufklärungsarbeit für Privatanleger und nicht um die Geldvermehrung der reichsten Zehntausend weltweit. Die haben ohnehin extrem kompetente Berater. Diesen Bereich habe ich ein Vierteljahrhundert abgedeckt und zu viel Zeit in der Armseligkeit verbracht.

Warum sollte ich mich wieder dafür einsetzen, dass der Geld- und Industrieadel noch mehr an Reichtum und Macht gewinnt? Erst einmal finde ich die Aufgabe eher langweilig. Ich habe es sehr lange gemacht, und drittens ergibt sie wirklich keinen höheren Sinn. Privatanleger davor zu bewahren, wie die Lämmer zum Wertschriften-Schlachthof geführt zu werden, erachte ich als sinnvoller und wertvoller.

„Ich erachte es als wichtig, dass der Privatinvestor die kommende Wirtschafts- und Finanzkrise ohne enorme Verluste meistert. Ich bringe praktisch drei Jahrzehnte Kapitalmarkt Insiderwissen in ein breites Publikum.“

Florian Homm

Wirtschaftsforum: Die geopolitische Lage gleicht weltweit einem Kessel unter Hochdruck. Als Konsequenz herrscht bei vielen Menschen die Angst vor finanziellem Verlust oder einem Börsencrash. Sie sehen darin aber Chancen für Investments. Ist das nicht ein offenkundiger Widerspruch? 

Florian Homm: Auf keinen Fall. Verstehen Sie, dass sich die Zinsen auf einem 750 Allzeittief befinden und dass die Bewertungen für Aktien und Anleihen praktisch auf dem höchsten Stand seit eh und je sind? Das beruht primär auf aus dem nichts geschaffenen Geld. Das führt zu sensationellen Überbewertungen, die nicht nachhaltig sind.

Aus Chancen Risiko Gesichtspunkten sollte jeder Investor bei diesem Umfeld seine arithmetische Lebenserwartung berechnen. Buy&Hold ist derzeit eine brandgefährliche Anlagestrategie. Alternativ sollte man auf Total Return setzen, sowie bei zweijährigen Neuseeland Dollar Anleihen, sowie einigen spottbilligen, nicht zyklischen Aktien drauf schauen und sich vor allem seine eigene Meinung bilden. Man kann sicherlich auch von den Preisverzerrungen durch die Nullzinspolitik der EZB mittelfristig profitieren, indem man vielleicht überbewertete Anleihen und Aktien „shortet“, beziehungsweise „leer verkauft“. Auch inverse ETFs lassen sich zum Teil bestens für die Vermögenssicherung einsetzen.

Es wäre doch gewissenlos, dieses Wissen nicht mitzuteilen und einfach zuzuschauen, wie der Privatinvestor und der Arbeiter für das Missmanagement der Politiker und Zentralbanker, dass durch die Megareichen gesteuert wird, wieder einmal die Zeche zahlen muss, wie in 2000 bis 2002, sowie 2008 und 2009 und in Japan seit 29 Jahren.

„Man hat es wieder mal verschlafen die Universalbanken in Geschäftsbanken und Investmentbanken zu trennen, und die Eigenkapitalanforderungen der Banken auf circa 15% bis 20% zu erhöhen.“

Florian Homm

Wirtschaftsforum: Kritiker monieren mangelnde Regulierung auf dem Finanz- und Kapitalmarkt als Wurzel allen Übels. Teilen Sie diese Meinung? 

Florian Homm: Schwachsinn. Es geht um die richtige, wirkungsvollste und nachhaltigste Regulierung. Man hat es wieder mal verschlafen die Universalbanken in Geschäftsbanken und Investmentbanken zu trennen, und die Eigenkapitalanforderungen der Banken auf circa 15% bis 20% zu erhöhen. Das hat nach dem Crash von 1929 und der Einführung des Glass Steagall-Akt von 1933 jahrzehntelang bestens funktioniert. Im dem Augenblick, in dem diese Gesetze aufgeweicht wurden, gingen die US-Hypotheken-Banken scharenweise pleite und später weltweit etliche Universalbanken. Den letzten großen Bailout, der auf der auf dem Rücken der Steuerzahler ausgetragen wurde, gab es dieses Jahr in Italien und hat 30 Milliarden EUR gekostet. Die systemisch relevanten Banken sind heute 55% größer als in der letzten Krise. Die Regulierungsflut der letzten neun Jahre sichert überhaupt nichts ab, sondern führt nur zu einem irrsinnigen und sinnlosen administrativen Aufwand. Regulierung muss Sinn ergeben. Tut sie aber derzeitig nicht.

„Die Regulierungsflut der letzten neun Jahre sichert überhaupt nichts ab, sondern führt nur zu einem irrsinnigen und sinnlosen administrativen Aufwand.“

Florian Homm

Wirtschaftsforum: In den letzten Jahren haben Sie zahlreiche Bücher veröffentlicht. Ist das Schreiben für Sie Pflicht gegenüber dem Verlag oder auch ein persönliches Anliegen? 

Florian Homm: Das Schreiben dient ausschließlich der Verbreitung von wichtigen Inhalten, die es in dieser Form in der deutschsprachigen Literatur bisher nicht gab; zum Beispiel das erste Fachbuch zum Thema „leer verkaufen“ (Die Kunst des Leerverkaufes) oder eine Erklärung des Total Return Investing Ansatz (Erfolg im Crash) mit vielen praktischen Beispielen. Eine Investment-Akademie, die ein breites Wissensfundament für Einsteiger und Wissensbegierige zu einem erschwinglichen Preis ermöglicht, gibt es bisher auch nicht. Wir werden daher voraussichtlich im ersten Semester 2018 die investmentmastersociety starten.

Der „Florian Homm Long Short Börsenbrief“ ist zumindest in Deutschland einzigartig. Es geht uns darum, Wissenslücken zu schließen, die bisher der breiten Masse vorenthalten wurde und erfolgreiche krisenfeste Investment Strategien zu vermitteln, die nur die Megareichen einsetzen.

Am wichtigsten sollte uns immer der Glaube sein. Unsere höheren Aufgaben und Unabhängigkeit von weltlichen Interessenkonflikten müssen unser höchstes Gut sein. Wenn wir nicht mehr frei, polarisierend und konstruktiv agieren können, verlieren wir alle unsere Freiheit, die Authentizität sowie den Sinn und zum Schluss unsere Seele.

Finanzielle Vorsorge treffen - in einem extrem riskanten Umfeld

YouTube-Kanal von Florian Homm

Interview: Markus Büssecker

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Menschen im Fokus

Florian Homm

CV in Zahlen

Geboren: 1959, Oberursel

Werdegang: Florian Homm, MBA, ist seit langem Deutschlands prominentester und meist prämierter Hedgefondsmanager. Bekannt wurde er einem breiten Publikum durch die erfolgreiche Sanierung des Fußballklubs BVB Borussia Dortmund. Florian Homm ist ehemaliger Junioren- Basketballnationalspieler, zweifacher Harvardabsolvent, ehemaliger Botschafter, ehemaliger Unesco-Delegierter und mehrfacher Bestsellerautor. Er galt als einer der reichsten Deutschen. 

Für die Jahre 2004 bis 2007 wird gegen Florian Homm wegen verschiedenen, vermeintlichen Verstößen in den USA und in der Schweiz ermittelt. Florian Homm polarisiert als Kapitalmarktinsider aufgrund seiner unverblümten, kritischen Kommentare für Russia Today (RT Deutsch), auf YouTube und in den Medien zu wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen. Florian Homm ist bekennender Christ und bei zwei gemeinnützigen Vereinen engagiert:

Links: www.florianhomm.org
www.olmoms.org
www.thallion.de

„Erfolg im Crash: Wie Sie mit konkreten Anlageideen von der Krise profitieren“ ist die aktuelle Publikation von Florian Homm, erschienen im FinanzBuch Verlag.

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