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Schmerz, lass nach!

Interview mit Dr. Joachim Kamprad, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie

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Wirtschaftsforum: Dr. Kamprad, was bedeutet es für einen Menschen, unter chronischen Schmerzen zu leiden?

Dr. Joachim Kamprad: In vielen Fällen bedeutet das die Aufgabe des bisherigen privaten und beruflichen Lebens. Chronische Schmerzen schlagen über kurz oder lang auf die Psyche durch und verursachen Folgeerscheinungen wie Schlafstörungen oder sogar Folgeerkrankungen wie Depressionen. Die psychosozialen Folgen sind verheerend. Ganze Ehen und Familien zerbrechen daran, es entstehen Arbeitsausfälle. Neben dem menschlichen Leid ist auch der volkswirtschaftliche Schaden beachtlich. Jährlich entstehen schätzungsweise 30 Milliarden EUR volkswirtschaftliche Kosten allein durch Frühverrentung wegen Schmerzen. Deshalb ist es mir unbegreiflich, dass sich die Industrie, die pharmazeutischen Firmen und die Politik nicht für unsere Entwicklung interessieren.

Wirtschaftsforum: Wie sind Sie selber zum Thema „chronischer Schmerz“ gekommen?

Dr. Joachim Kamprad: Ich bin seit 1991 niedergelassener Arzt und leitender Arzt einer Klinik. Es ist nicht nur mein Job, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes meine Berufung, meinen Patienten zu helfen. Zu mir kommen täglich chronische Schmerzpatienten. Ich erlebe seit Jahren, wie diese Menschen leiden und nicht mehr in der Lage sind, ein normales Leben zu führen. Selbstverständlich berührt mich das nicht nur als Arzt, sondern auch als Mensch. Mir ist schon klar, dass die Pharmaindustrie kein Wohlfahrtsverein ist, aber meiner Meinung nach haben alle Akteure, die im Gesundheitssystem agieren auch eine Verantwortung den Patienten und Menschen gegenüber. Außerdem: mit geschätzt 70 Millionen chronisch Schmerzkranken in Europa, ist der chronische Schmerz einer der größten Indikationen Europaweit. Zur Verdeutlichung der wirtschaftlichen Bedeutung von Arzneimitteln folgende Zahl: Allein z.B. mit dem Cholesterinsenker Sortis wurden jährlich viele Milliarden EUR umgesetzt.

Dr. Joachim Kamprad
"Mir ist schon klar, dass die Pharmazie kein Wohlfahrtsverein ist, aber meiner Meinung nach haben alle Player, die im Gesundheitssystem agieren, auch eine Verantwortung den Patienten und Menschen gegenüber." Dr. Joachim Kamprad

Wirtschaftsforum: Wie werden chronisch Schmerzkranke üblicherweise behandelt?

Dr. Joachim Kamprad: Man redet ihnen gut zu, probiert verschiedene Medikamente aus, verordnet Physio- und Psychotherapien, weist Sie in eine Schmerzklinik ein oder schickt sie zu einem darauf spezialisierten Schmerztherapeuten. Fast alle Fachdisziplinen und jeder Hausarzt hat mit chronischen Schmerzpatienten zu tun. Die Behandlung chronischer nicht aber akuter Schmerzen ist meist extrem enttäuschend.

Wirtschaftsforum: Warum gibt es so viele Medikamente gegen akute Schmerzen und nichts gegen chronische Schmerzen?

Dr. Joachim Kamprad: Im akuten Schmerzbereich gibt es viele Substanzen, die zur Behandlung eingesetzt werden. Im chronischen Schmerzbereich muss man andere Wege gehen, denn man muss ein komplexes System beeinflussen, den komplizierten Mechanismus des Schmerzes beeinflussen und das körpereigene System stärken. So ein Medikament muss ja gleich mehrere Bedingungen erfüllen. Es muss wirken und man soll es lange einnehmen können. Es darf keine Nebenwirkungen haben und muss sich mit anderen Medikamenten, die täglich eingenommen werden, vertragen. Es darf keine Abhängigkeit bzw. Sucht entstehen.

Wirtschaftsforum: Was für ein Arzneimittel ist Allevia genau und wie wirkt es?

Dr. Joachim Kamprad: Allevia ist ein Mittel gegen chronische Schmerzen. Wenn unserem Gehirn ein Schmerz gemeldet wird, dann setzt gleichzeitig ein Schmerzkontrollsystem ein, damit wir weiter agieren und funktionieren können. Im Grunde funktioniert das wie ein duales System: der Schmerz wird gemeldet und gleichzeitig kontrolliert. Dieses duale System ist auch der Schlüssel zum Erfolg einer guten Schmerztherapie. Besteht ein Schmerz allerdings länger, dann verändert er sich und mit ihm das System. Die schmerzkontrollierenden Systeme verlieren ihre Kraft und werden geschwächt. Am Ende steht die Schmerzkrankheit. Unser Mittel Allevia gleicht dies wieder aus und regelt die Schmerzkontrolle auf der Basis eines natürlichen Stoffes (Natürliche Aminosäure), L-Tryptophan, und einem bereits seit vielen Jahren bekannten Hilfsstoffs, Benserazid. Allevia stärkt die neurochemische Balance und erreicht einen Zustand wie bei einem gesunden Menschen. Es macht nicht abhängig, wie zum Beispiel Opiate, ist effektiv, hat praktisch keine Nebenwirkungen, verträgt sich mit anderen (Schmerz-) Medikamenten und beeinflußt auch die mit chronischen Schmerzen im Zusammenhang stehenden Folgeerkrankungen wie Depressionen und Schlafstörungen positiv. Die Ergebnisse unserer Studien in der klinischen Phase 1- 2 waren durchweg positiv. Es entfaltet seine volle Wirkung (bei praktische allen chronischen Schmerzformen) bereits nach zwei Wochen. Allevia ist unserer Meinung nach geeignet als Basismedikament für den chronischen Schmerz und verstärkt auch noch die Wirkung schon vorhandener Schmerzmedikamente. Vorsichtig optimistisch formuliert könnte Allevia eine Revolution im Schmerzmedikamentemarkt auslösen.

Wirtschaftsforum: Warum glauben Sie, reagiert die Pharmaindustrie nicht auf Ihre Entwicklung?

Dr. Joachim Kamprad: Die Pharmaindustrie ist straff organisiert. Da gibt es feste Strukturen und da passen wir nicht rein. Außerdem sind Wirkung und Nebenwirkung von Allevia so einfach und gut, daß man dem Ganzen nicht wirklich traut. Bekannte Substanzen sind nicht „sexy“ ( interessant und innovativ ) genug. Eine solche Medikamentenentwicklung außerhalb der Pharmaindustrie kann es eigentlich nicht geben, wobei das Entwicklungsrisiko extrem gering ist. Wir sind ein Außenseiter und damit hat man ein Problem. Es ist ein bisschen wie David gegen Goliath. Hier geht es ums Geld. Wir brauchen 3 - 5 Millionen EUR zum Abschluß der Phase 2, was für die Entwicklung eines Arzneimittels ein vergleichsweise niedriger Betrag ist. Aber man sagt uns immer wieder, wir seien mit unserer Entwicklung nicht weit genug. Wir müssten erst die klinische Phase 2 abschließen. Dabei sind die Substanzen, die wir für Allevia einsetzen, am Markt bekannt. Zudem haben wir eine positives Scientific Advice (Stellungnahme der Deutschen Zulassungsbehörde BIfARM) und positive klinische Studien, die der Zulassungsbehörde auch vorgelegen haben. Jeder Arzt, dem ich von unserer Entwicklung erzähle, ist hellauf begeistert, aber die Pharmaindustrie schlägt uns die Türen vor der Nase zu

Dr. Joachim Kamprad
"Wir sind ein Außenseiter und damit hat man ein Problem. Es ist ein bisschen wie David gegen Goliath." Dr. Joachim Kamprad

Wirtschaftsforum: Wie wollen Sie jetzt weiter vorgehen?

Dr. Joachim Kamprad: Wir werden jetzt verstärkt über die sozialen Netzwerke versuchen, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren und Aufmerksamkeit zu schaffen. Wir werden hier auch gezielt nach Investoren suchen, die uns bei der Entwicklung von Allevia unterstützen.

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Kamprad, wir wünschen Ihnen viel Erfolg.

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