„Unser Produkt ist der Mensch!“

Interview mit Manuel Fink, Geschäftsführer der ProServ Produktionsservice und Personaldienste GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Fink, seit 27 Jahren tritt ProServ als Matchmaker zwischen engagierten Bewerbern und attraktiven Unternehmen aus der Logistik und dem produzierenden Gewerbe auf – was machen Sie dabei anders als andere Marktteilnehmer? 

Manuel Fink: Eine Besonderheit liegt bereits in unserer Gesellschafterstruktur: Als Tochterunternehmen des Personaldienstleistungsweltmarktführers Adecco ist ProServ ein Joint Venture der Michelin Reifenwerke, wo unsere Kompetenz im Bereich Produktion und Manufacturing herrührt, und der LGI Logistics, einem der größten Logistikunternehmen in Deutschland. Schon durch die DNA unserer Gesellschafter können wir auf eine umfassende Expertise in diesen Branchen zurückgreifen und sie als Personaldienstleister in der vollen Breite bespielen – vom Staplerfahrer bis hin zum kaufmännischen Leiter. Dass wir seit über 25 Jahren und mittlerweile an 12 bundesweiten Standorten mit 1.200 Mitarbeitenden den strengen Qualitätskriterien dieser Weltkonzerne entsprechen, verschafft uns nicht nur eine nachhaltige Glaubwürdigkeit im Markt, sondern ist gleichermaßen auch eine ideale Grundlage für unsere beständige Weiterentwicklung.

Wirtschaftsforum: Wie haben Michelin und LGI Logistics die ProServ geprägt? 

Manuel Fink: Michelin stellt ein Hochsicherheitsprodukt her, mit entsprechend hohen Anforderungen an Qualität und Arbeitssicherheit, die auch ProServ prägen: So wurden wir für unsere innovativen Arbeitsschutzkonzepte inzwischen mehrfach ausgezeichnet. In der Logistik geht es derweil vor allem um Geschwindigkeit und Flexibilität – zwei gleichermaßen unabdingbare Erfolgsfaktoren für Personaldienstleister: Schließlich sind wir die Frühindikatoren im gesamtwirtschaftlichen Auf und Ab. 

Wirtschaftsforum: Davon können ganze Branchen gerade ein Lied singen – wie hat ProServ die letzten Jahre erlebt? 

Manuel Fink: Die Deindustrialisierung spüren wir schon seit 2017, auch wenn es im Umfeld der Coronapandemie ein kurzes Hockeystick-Hoch gab, als sich die Nachholeffekte in Produktion und Logistik bemerkbar machten. Trotzdem hat sich die Branche in den letzten zehn Jahren halbiert – aber so funktioniert nun einmal unser Geschäftsmodell, schließlich stehen wir für die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Insofern werden wir dann auch wieder die Ersten sein, die mit neuen Personalkonzepten unterstützen, sobald die Konjunktur anzieht – denn der Fachkräftemangel wird uns als Brandthema erhalten bleiben. 

Wirtschaftsforum: Wie wird sich Ihre Rolle als Personaldienstleister in Zukunft verändern? 

Manuel Fink: Viele vergessen, dass unser Produkt am Ende des Tages der Mensch ist – wir bauen eben keine Autos und backen keine Brötchen. Themen wie Fluktuation, Produktivität, Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung sind somit für unser Überleben wichtig. In diesem Zuge bieten wir unseren Kunden schon heute deutlich umfangreichere Lösungen als die reine Arbeitnehmerüberlassung und -vermittlung an, etwa ein umfassendes Fehlzeitenmanagement und eine professionelle Begleitung zu einschlägigen Personalthemen. Viele Unternehmen haben ihre HR-Abteilungen inzwischen sogar vollständig outgesourct. Auch die permanente Weiterqualifizierung unserer Mitarbeiter wird für uns in Zukunft noch stärker in den Fokus rücken. 

Wirtschaftsforum: Die Zeitarbeitsbranche hat sich in den letzten Jahren stark verändert, und trotzdem bestehen weiterhin gewisse Vorbehalte – bleibt das ein struktureller Nachteil? 

Manuel Fink: Ich habe in den letzten 26 Jahren alle Veränderungen der Branche miterlebt: Inzwischen unterliegen 95% unserer Arbeitsverhältnisse der Tarifbindung samt Weihnachts- und Urlaubsgeld, auch in der untersten Einkommensstufe selbstverständlich oberhalb des Mindestlohns. Ich glaube, dass die jüngere Generation die Vorteile inzwischen deutlicher erkennt – und offen gestanden: Wenn ich heute Anfang 20 wäre, würde ich wahrscheinlich erst einmal ein paar Jahre in einem Zeitarbeitsverhältnis verbringen. 

Wirtschaftsforum: Weshalb? 

Manuel Fink: Weil man dabei in einigen Jahren problemlos eine Handvoll Betriebe aus nächster Nähe kennenlernen kann, während man zugleich die ganze Zeit über in der Stabilität und Sicherheit eines einzigen Arbeitsverhältnisses verbleibt. Dabei kann man unglaublich viel lernen. Das ist natürlich auch in späteren Lebensabschnitten noch möglich: Bei Adecco Medical hatten wir einmal den Fall einer Pflegefachkraft aus Hamburg, die für ein halbes Jahr nach Köln ziehen wollte. Auch das ist in einem Zeitarbeitsverhältnis bei gleichem Arbeitgeber kein Problem. 

Wirtschaftsforum: Krankt die Zeitarbeit damit an zu viel Regulierung? 

Manuel Fink: In manchen Bereichen ist das aus meiner Sicht tatsächlich so – zum Beispiel bei der Höchstüberlassungsdauer, die nur Verlierer produziert. Oder auch in der Hinsicht, dass wir Arbeitskräfte von außerhalb der EU von der Anwerbung nicht in die Überlassung geben können. Dabei sind wir als Zeitarbeitsunternehmen mit Abstand der größte und erfolgreichste Integrator von ausländischen Arbeitskräften überhaupt. 

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