Nichts ist unmöglich oder das Beste aus zwei Welten

Interview mit Clemens Gapp, Geschäftsführer Martin Reisch GmbH

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Wirtschaftsforum: Herr Gapp, ‘Fahrzeugbau aus Leidenschaft’ ist nicht nur ein Unternehmensslogan, sondern seit mittlerweile 70 Jahren auch Triebfeder des Unternehmens. Wie lassen sich diese 70 Jahre kurz umschreiben?

Clemens Gapp: Martin Reisch gründete das Unternehmen 1951. Seitdem wurde viel entwickelt, die Standorte wurden erweitert und in moderne Anlagen investiert. Zudem gab es Generationenwechsel und auch Übernahmen. Das Produktportfolio wurde laufend an die Markterfordernisse angepasst, sodass wir heute auf zwei soliden Standbeinen stehen. Entscheidend war immer, Kunden mit Qualitätsprodukten zu unterstützen und ihren individuellen Anforderungen zu entsprechen. Diese hohe Kunden- und Qualitätsorientierung ist bis heute unser Markenzeichen.

Wirtschaftsforum: Wie ist REISCH heute aufgestellt?

Clemens Gapp: Wir haben 240 Mitarbeiter, einen Umsatz von rund 35 Millionen EUR und Produktionsstandorte in Ehekirchen-Hollenbach (Bayern) und Eliasbrunn (Thüringen). Im Jahr 2019 übernahmen wir mit unserer KONSTANT-Unternehmensgruppe mit Sitz in Innsbruck im Rahmen einer Nachfolgereglung die Anteile von der Gründerfamilie. Kurze Zeit später erfolgte die strategische Übernahme der Firma Rudolph in Salzgitter. Rudolph ist wie REISCH Pionier der ersten Stunde in der Landwirtschaft und spezialisierte sich auf die Fertigung von Kippern mit Holzbordwänden. Zwei Familienunternehmen mit einer gemeinsamen Zukunft und Vision. Ein wichtiger Meilenstein!

Wirtschaftsforum: Wo liegen Vorteile des Gruppenverbundes?

Clemens Gapp: Als KONSTANT-Unternehmensgruppe verfolgen wir das Ziel, in verschiedenen Geschäftsbereichen und Branchen Unternehmertum zu leben. Wir agieren daher möglichst diversifiziert. Unternehmen nachhaltig strategisch und menschlich zu entwickeln hat für uns den höchsten Stellenwert. Zudem können wir unseren Mitarbeiter:innen ein attraktives Arbeitsumfeld bieten, in dem sie sich voll entwickeln sollen.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet das REISCH-Portfolio heute aus?

Clemens Gapp: Ursprünglich produzierte REISCH Dungstreuer, Förderbänder und Ackerwagen, später kamen Kipper und Mulden für den landwirtschaftlichen Einsatz sowie Nutzfahrzeuge hinzu. Unser breites Produktportfolio lässt sich hervorragend individualisieren. Pro Jahr fertigen wir in etwa 1.300 Fahrzeuge. Neben einem breiten Programm an Standardfahrzeugen handelt es sich zu einem großen Anteil um Sonderanfertigungen und Spezialfahrzeuge für unterschiedlichste Einsatzzwecke. Die kundenindividuelle Fertigung ist ein Hauptmerkmal von REISCH.

Wirtschaftsforum: Gibt es besondere Schwerpunkte?

Clemens Gapp: In der Landwirtschaftssparte sind wir im Bereich der Transporttechnik Komplettanbieter und können vom kleinen 1-Achs-3-Seitenkipper bis hin zu großen Hybridfahrzeugen, wie dem aus einem Nutzfahrzeug abgeleiteten AgriMAXX, ein Vollsortiment anbieten. Bei den Nutzfahrzeugen differenzieren wir zwischen Schubbodenfahrzeugen und Kippsatteln. Schubbodenfahrzeuge zeichnen sich dadurch aus, dass sie be- und entladen werden können, ohne gekippt werden zu müssen. Das ermöglicht beispielsweise eine einfache und sichere Entladung in Hallen oder Städten. Die hohe Individualisierungskompetenz sowie das Know-how aus zwei verschiedenen Bereichen hebt uns deutlich vom Markt ab. Wir kombinieren das Beste aus zwei Welten.

Wirtschaftsforum: Wenn wir über Stärken sprechen, was macht REISCH zum marktführenden Anbieter?

Clemens Gapp: Wir sehen uns als innovativer Problemlöser und Qualitätsanbieter, der ausschließlich in Deutschland produziert und damit sehr nah am Kunden agieren kann. Letztlich ist unsere Spezialisierung auf kundenindividuelle Fahrzeuge unser wichtigstes Asset, um uns nachhaltig am Markt zu behaupten.

Wirtschaftsforum: Wie sieht die Unternehmensvision von morgen aus, um diese Position zu konsolidieren?

Clemens Gapp: Seit 2019 wurden mehrere Millionen Euro in die Modernisierung des Unternehmens investiert; weitere Investitionen für die nächsten Jahre sind geplant. So sind wir technisch auf dem neuesten Stand und können Optimierungen durchführen und an Neukonstruktionen arbeiten. Aktuell stehen langlebige, gewichtsoptimierte Fahrzeuge und auch Hybridfahrzeuge im Fokus unserer Kunden. Trotzdem muss eine lange Lebensdauer realisiert werden, um nachhaltig zu sein. Zudem stellt uns der Fachkräftemangel vor große Herausforderungen. Wir wollen mit qualifizierten Kräften weiterwachsen – auch international – und bilden deshalb in beiden Betrieben selbst aus. Interessierten Mitarbeitern bieten wir über die Ausbildung hinaus individuelle Fortbildungsprogramme und Entwicklungsmöglichkeiten. Auf dieser Basis wollen wir unser Unternehmen nachhaltig in die Zukunft führen und Inbegriff für Qualität im kundenindividuellen Sonderbau werden.

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