Interview mit Anton F. Börner, Präsident des BGA

„Deutschland verträgt keine Steuererhöhungen“

Was bewegt die deutsche Wirtschaft vor der Bundestagswahl? Wirtschaftsforum hat beim Präsidenten des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton F. Börner, nachgefragt. Die Emotionen kochen hoch, vor allem wenn es um das Thema Steuererhöhungen und die Demontage der Agenda 2010 geht.

Wirtschaftsforum: Herr Börner, welches sind aus Ihrer Sicht die drängendsten Forderungen zur Bundestagswahl?

Anton F. Börner: Wir brauchen zunächst einmal an der steuerlichen Ecke etwas. Wenn man sich vorstellt, dass der Spitzensteuersatz vor 30 oder 40 Jahren beim rund 14 oder 15-fachen des Durchschnittslohns gegriffen hat, und heute etwa beim 1,5-fachen greift, dann muss man deutlich sagen: Da stimmt etwas nicht, es muss gehandelt werden. Deutschland verträgt keine Steuererhöhungen! Das wäre auch absurd, angesichts des zu erwartenden Milliarden-Segens für die Staatskasse bis zum Jahr 2021.

"Die Leistungsträger unserer Unternehmen brauchen eine steuerliche Entlastung."

Anton F. Börner, Präsident des BGA

Die Leistungsträger unserer Unternehmen, welche letztendlich unverzichtbar sind, um erfolgreich zu wirtschaften ‒ da nenne ich nur Stichworte wie Handels- und Außenhandelsüberschuss, Wachstum sowie Jobs, die in den vergangenen fünf Jahren geschaffen wurden ‒ brauchen eine steuerliche Entlastung.

Wirtschaftsforum: Sind weitere Kurskorrekturen notwendig?

Anton F. Börner: Wir brauchen Flexibilität im Arbeitsrecht. Gerade die Agenda 2010, erfunden vom damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder, hat dazu geführt, dass Deutschlands Wirtschaft in den vergangenen Jahren diesen erfolgreichen Weg beschreiten konnte. Und nun hat die Große Koalition die Agenda 2010 bereits an zahlreichen Stellen zurückgeschraubt, nach den Bundestagswahlen wollen einige Politiker sie richtig demontieren, sprich, eine arbeitsmarktpolitische Rolle rückwärts machen. Gerade das linke Spektrum der Parteienlandschaft beschwört die Umverteilungsgerechtigkeit und schreibt sich noch dazu auf die Fahne, Steuererhöhungen durchsetzen und Leistungsträger bestrafen zu wollen.

"Wenn Sie den Welthandel beschneiden, dann geht dieses Land dramatisch den Bach runter."

Anton F. Börner, Präsident des BGA

Wirtschaftsforum: Welche Forderung ergibt sich aus der kürzlich vorgestellten Analyse der Wahlprogramme Ihres Verbandes?

Anton F. Börner: Damit wären wir beim dritten Punkt, nämlich, in die wichtigen Zukunftsfelder mehr zu investieren. Zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen sind notwendig, und damit meine ich nicht nur das Thema Autobahn, sondern auch die digitalen Netze. Diese Aufgabe ist riesig. Das Problem kann deshalb nicht mit öffentlichen Mitteln gelöst werden und ist auch nicht national zu lösen. Wir brauchen hierfür eine europäische Antwort mit privatem Fonds-Kapital, genauso wie wir ein klares Bekenntnis zu Europa brauchen. Ich werbe für eine starke Orientierung Richtung Freihandel, denken Sie an die unsägliche Diskussion zur Frage des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP. Für den freien Welthandel muss die Tür offenbleiben, die Politik ist in der Pflicht dies klar zu formulieren.

Schließlich geht es um die Existenzfrage in Deutschland. Wenn Sie den Welthandel beschneiden, dann geht dieses Land dramatisch den Bach runter. Denn: Was wollen Sie bei 80 Millionen Einwohnern tun, bei 2,2 Billionen EUR Außenhandel? Als eines der größten Länder der Welt im Außenhandel. Das passt hinten und vorne nicht zusammen, das können Sie national nicht auffangen, das geht nur international, und da brauchen wir ein klares Bekenntnis.

"Und wenn die deutsche Wirtschaft in den nächsten Jahren nicht zukunftsfähig ist, dann werden alle verlieren, und die ersten, die verlieren, sind die sozial Schwachen."

Anton F. Börner, Präsident des BGA

Wirtschaftsforum: Sie wollen einen Politikwechsel. Die FDP schneidet bei Ihrer Wahlanalyse am besten ab, danach folgt die Union.

Anton F. Börner: Also, um das klarzustellen: Wir machen keine Parteipolitik, wir haben die Wahlprogramme analysiert und dabei Noten vergeben. 19 von 24 möglichen Punkten für die FDP und 9 Punkte für die Union ‒ natürlich ist das für uns wirtschaftspolitisch gesehen die beste Lösung, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Wenn es der deutschen Wirtschaft schlecht geht, gibt es hierzulande niemanden, dem es gut geht. Und wenn die deutsche Wirtschaft in den nächsten Jahren nicht zukunftsfähig ist, dann werden alle verlieren, und die ersten, die verlieren, sind die sozial Schwachen. Also gerade die Klientel, vor denen sich das linke Spektrum der Parteienlandschaft profilieren will, gerade diese Wahlklientel wird als Erstes verlieren. Deshalb wünschen wir uns eine starke Bundesregierung, die in der Lage ist, die für uns entscheidenden und wichtigen Faktoren möglichst gut umzusetzen.

Link zur Website des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen e.V.: www.bga.de

Interview: Dr. Tanja Glootz

Unternehmen des Monats

Somaschini S.p.A.

Am (Zahn-) Rad drehen

Bei einem Uhrwerk muss ein Zahnrad in das andere greifen, um reibungslose Abläufe zu garantieren. Genauso präzise müssen Zahnräder aber auch in Motoren von Pkw und Lkw miteinander harmonieren, denn sonst steht die mobile Welt wortwörtlich still. Die Familie Somaschini sorgt seit 50 Jahren dafür, dass alles in Bewegung bleibt.

mehr...

Interview mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heribert Meffert, Pionier und Koryphäe des Marketings in Deutschland

„Die Bezeichnung Marketing-Papst macht mich verlegen“

Er ist ausgezogen, um die Welt zu verbessern, für die Kunden und natürlich für die Unternehmen: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heribert Meffert, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert und das neue Buch „Eins oder Null“ herausgegeben hat, erzählt im persönlichen Gespräch mit Wirtschaftsforum, warum Münster für ihn ein Glücksfall ist, was ihn antreibt und wie Marketing selbst für die katholische Kirche hilfreich sein kann.

Zum Interview...

Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Empfehlen Sie eine Firma

Um sofort informiert zu werden wenn wir das empfohlene Unternehmen online stellen, abonnieren Sie auf der nächsten Seite unseren Newsletter.


Wirtschaftsforum

Q2/2017

Unter anderem in dieser Ausgabe: ALLIGATOR FARBWERKE GmbH - Farbenspiel für Profis / Rietzler Gruppe GmbH - Im Dienste der Umwelt / BIOFA Naturprodukte W. Hahn GmbH - Natur schlägt Chemie / Delica AG - Die Kaffee-Könner

Als PDF herunterladen


Wirtschaftsforum ePaper Q1/2017
Wirtschaftsforum ePaper Q4/2016
Wirtschaftsforum ePaper Schweiz 2016
Wirtschaftsforum ePaper Italien 2016
Wirtschaftsforum ePaper Q3/2016

Webcode

Webcode

Um einen Artikel aus dem Print-Magazin online zu lesen, geben Sie bitte nachfolgend den Webcode ein, der im Magazin unter dem Artikel zu finden ist.