Sommerpressekonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel am 29. August 2017 in Berlin

Nicht ohne die Verbrennungsmotoren

Bis zum zweiten Dieselgipfel mit der Automobilindustrie im November 2017 ist es noch lange hin. Zu lange, um sich nicht noch vor der Bundestagswahl des Themas anzunehmen, zumal die Kanzlerin beim ersten Gipfel dieser Art im Urlaub weilte. Deshalb betonte Angela Merkel zu Beginn ihrer Sommerpressekonferenz in Berlin, dass sie am 14. September an der Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt teilnehmen werde und es dort um die Frage nach modernen Antriebstechnologien gehen soll, allerdings nicht auf Kosten der Verbrennungsmotoren.

Es ist gerade die Modernisierung von Verbrennungsmotoren, die der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden am Herzen liegt. Denn Verbrennungsmotoren sollen aus ihrer Sicht auf Jahrzehnte eine wichtige Rolle spielen. Und so formulierte sie in der Sommerpressekonferenz in einer Frage, worum es auf der IAA gehen muss: „Wie kommen wir zu modernen Antriebstechnologien, ohne die Verbrennungsmotoren, die noch auf Jahre und Jahrzehnte eine wichtige Rolle spielen werden, zu vernachlässigen?“

Auf Linie mit der Automobilindustrie

Damit liegt die Bundeskanzlerin natürlich auf der Linie der Automobilindustrie und ihres CDU-Parteifreunds und Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, die am Verbrennungsmotor festhalten wollen. Bereits vor dem ersten Dieselgipfel hatte der VDA vor einem Zulassungsverbot für Verbrennungsmotoren ab dem Jahr 2030 gewarnt und dies auch mit einer Studie des ifo Instituts untermauert. Den Studienergebnissen zufolge wären in der Automobilindustrie 426.000 Jobs gefährdet, bei kleineren und mittleren Unternehmen stünden bis zu 130.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Und weiter: Insgesamt 13% (rund 48 Milliarden EUR) der Bruttowertschöpfung der deutschen Industrie wären betroffen.

„Wie kommen wir zu modernen Antriebstechnologien, ohne die Verbrennungsmotoren, die noch auf Jahre und Jahrzehnte eine wichtige Rolle spielen werden, zu vernachlässigen?“

Angela Merkel
Bundeskanzlerin

Ein Dinosaurier mit Zukunft?

Die Herausforderung besteht laut Merkel darin, Verbrennungsmotoren umweltfreundlicher zu machen und dadurch die Klimaschutzziele zu erreichen, und gleichzeitig die Umweltvorschriften bezüglich der Stickoxide einzuhalten. Darüber tauschte sich die Kanzlerin inzwischen am 4. September 2017 zusammen mit Vertretern der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten auch mit den Kommunen aus, inwieweit diese zu individuellen Maßnahmen kommen können, um NOx-Emissionen zu reduzieren. Der Mobilitätsfonds für die Kommunen soll auf 1 Milliarde EUR aufgestockt und damit die Infrastruktur für E-Mobilität ausgebaut und die Attraktivität des Nahverkehrs gesteigert werden. Merkels Botschaft an die Kommunen: „Wie Sie wissen, haben wir ein Software-Update, wir haben die Umtausch-Prämie, aber wir wissen, das alleine reicht nicht aus und deshalb brauchen wir kommunale Maßnahmen, die vom Bund unterstützt werden.“ Schritt für Schritt will man sich dem Thema weiter nähern, und auch beim zweiten Dieselgipfel mit der Automobilindustrie im November vorankommen, mit dem Ziel, dass keine Fahrverbote notwendig sind und trotzdem die Umweltvorschriften eingehalten werden.

Ob das ein unmögliches Unterfangen ist, oder ob sich der Verbrennungsmotor gemeinsam mit dem Elektroauto und weiteren modernen Antriebstechnologien in die Zukunft retten kann, bleibt abzuwarten. Nicht zuletzt hängt seine Zukunft von der Nachfrage der Konsumenten ab, die hierzulande dem Kauf eines Elektroautos trotz Elektroautoprämie noch skeptisch gegenüberstehen. Aber die Diskussion um den Verbrennungsmotor wird im Bundestagswahlkampf hitzig debattiert, vor allem der Grünen-Beschluss, ab 2030 nur noch Neufahrzeuge ohne fossilen Verbrennungsmotor zuzulassen. Selbst in der Union gibt es Gegner des Verbrennungsmotors, zu denen etwa der CDU-Verkehrspolitiker Oliver Wittke gehört. Es bleibt spannend, über die Zukunft des Dieselmotors ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen.

Autor: Dr. Tanja Glootz
Quelle: phoenix
Foto: Laurence Chaperon

Sommer-Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 29.08.17

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