CrossLend GmbH

Für Digitalisierungsmuffel: Sie sind der beste Freund Ihres Mitbewerbers

Digitalisierung trifft Mittelstand – ob er es will oder nicht. Entwicklungen, die das Banking schon heute maßgeblich verändert haben, werden auch vor mittelständischen Unternehmen nicht Halt machen. Dessen ist sich Oliver Schimek, CEO und Gründer der Berliner CrossLend GmbH, sicher. Wirtschaftsforum hat sich mit ihm zu diesem Thema unterhalten und erfahren, wie er mit CrossLend den europäischen Finanzmarkt nach vorne bringen will.

Wirtschaftsforum: CrossLend hat in den vergangenen Monaten sein ursprüngliches Geschäftsmodell auf den Kopf gestellt. Weshalb und wie sieht das neue Geschäftsmodell aus?

Oliver Schimek: Wir haben CrossLend 2014 als grenzüberschreitende Kreditplattform für Privatkunden gestartet, die Kreditnehmer aus Hochzinsländern mit Investoren aus Niedrigzinsländern verbinden sollte. Mittlerweile verfolgen wir jedoch einen neuen Ansatz: Wir machen Banken peer-to-peer-fähig. Wir helfen Banken, ihre Bilanzen zu entlasten, und bieten Investoren die entsprechenden Kredite als Assetklasse an.

Weshalb? Wir möchten mit unserem Marktplatz ein zentrales Problem in Europa lösen. Die Europäische Kommission versucht mit allen Mitteln eine Kapitalmarktunion zu schaffen – mit mäßigem Erfolg muss man leider sagen. Im Kern geht es darum, eine Brücke zwischen Investoren und Kreditnehmern zu bauen. Denn die verschärften Eigenkapitalvorschriften und andere Entwicklungen haben stark in die Profitabilität von Banken geschnitten und machen es schwieriger, ausreichende Mittel in Form von Krediten an Unternehmen und andere zu vergeben. Daraus resultieren realwirtschaftliche Probleme. Übersetzt man die Aktionspläne zur Schaffung einer Kapitalmarktunion in einen Businessplan, kommt ein Marktplatz dabei heraus, wie CrossLend ihn baut.

Wirtschaftsforum: Zuletzt konnte CrossLend den US-Börsenbetreiber CME als Investor gewinnen. Hat CrossLend das Potenzial zu einem Einhorn?

„CrossLend gehört zu einer neuen Klasse FinTechs.“

Oliver Schimek

Oliver Schimek: CrossLend gehört zu einer neuen Klasse FinTechs, die nicht nur irgendeinen Teil der Value-Chain der Bank optimieren. CrossLend sieht sich als Enabler der Industrie und versucht, als Partner der Bank neue Produkte zu ermöglichen und die operative Effizienz zu steigern. Als solches hat CrossLend natürlich das Potenzial, einen enormen Wert in einer sehr großen bestehenden Industrie zu generieren, was sich letztlich auch in der Firmenbewertung widerspiegeln kann. Insofern, würden ich Ihre Frage mal mit „ja“ beantworten wollen.

In jedem Fall ist mittlerweile eine Reihe von Investoren vom Potenzial von CrossLend überzeugt. CME Ventures war für uns sicherlich ein Meilenstein, aber auch unsere anderen Investoren wie zum Beispiel der Luxembourg Future Fund oder Lakestar geben nicht nur Validierung für das Modell, sondern unterstützen uns massiv. Letztlich müssen wir aber in der täglichen Arbeit auf dem Boden bleiben. Die Ambitionen sind signifikant und entsprechend viel gibt es zu tun. Nebenbei bemerkt, macht es auch eine Menge Spaß. Viel Zeit über Einhorn-Szenarien nachzudenken, bleibt da nicht.

Wirtschaftsforum: An was arbeiten Sie aktuell und wie sehen die nächsten Schritte aus?

Oliver Schimek: Gerade geht es so richtig los. Die ersten Jahre unseres Unternehmens waren notwendig, um Technologie, Infrastruktur und regulatorische Rahmenbedingungen zu schaffen. Mittlerweile haben sich viele Anfragen angesammelt, die wir zeitnah als Transaktionen auf unserer Plattform sehen möchten. Wir arbeiten eine Pipeline von über 5 Milliarden EUR ab. Zugleich stecken wir in den Vorbereitungen eines Sekundärmarktes. Das klingt einfacher als es ist, denn die technologische Herausforderung ist groß. Aber auch hier gilt: Sind die Hürden erst einmal überwunden, ist das Potenzial groß.

Wirtschaftsforum: Fintechs bestimmen aktuell immer wieder die Schlagzeilen. Wie lange wird es die klassische Bankenbrache Ihrer Meinung nach noch geben?

„Banken müssen digitalisieren. Dazu reicht es nicht, eine Webseite zu haben.“

Oliver Schimek

Oliver Schimek: Banken müssen digitalisieren. Dazu reicht es nicht, eine Webseite zu haben. Wir sprechen von der Digitalisierung der gesamten Value-Chain. Machen wir es doch einmal ganz konkret: Nehmen Sie die Bilanzsumme der Rabobank. Die liegt bei etwa 700 Milliarden EUR. Das Bruttoinlandsprodukt der Niederlande liegt bei etwas über 700 Milliarden EUR.

Banken haben den Wert ganzer Volkswirtschaften. Das ist kein Wunder, da sie ja Güter ganzer Volkswirtschaften finanzieren. Uns muss als Bürger daran gelegen sein, das Bankensystem zu schützen und zu stärken. Fehlende Innovationskraft im Finanzsystem ist ein Risiko, das Politik und Regulatoren regelmäßig übersehen. Alleine die Tatsache, dass so etwas wie PSD2 nicht schon lange aus Eigenantrieb heraus von den Banken selbst entwickelt wurde, ist Symptom der Trägheit dieser Industrie. Na klar ist das erstmal unangenehm, wenn man ein Monopol verliert – insbesondere wenn der eigene Bonus an diesem Geschäftszweig hängt. Aber die Kompatibilität im europäischen Finanzsystem ist das A und O. Hier gibt es noch wahnsinnig viel zu tun. Konkret für uns relevant ist zum Beispiel die Normalisierung von Kreditrisiken.

Hier gibt es meiner Ansicht nach nur einen Weg: Banken und FinTechs müssen kooperieren. CrossLend möchte Partner der Bank sein, um ihr zu helfen die operative Effizienz zu steigern und Kapitalkosten sowie Kundenakquisekosten zu senken, sodass die Bank bestmöglich ihrer Kernaufgabe nachkommen kann. Wir werden Banken sehen, die diese Entwicklung verschlafen, sowie sie die Digitalisierung bisher verschlafen haben. Letztlich ist ja FinTech nur die nächste Stufe der Digitalisierung. Die Vermutung wäre, dass diese Institute einen dramatischen kompetitiven Nachteil einfahren.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet diese Entwicklung für den deutschen Mittelstand. Wird er womöglich digital überfordert?

Oliver Schimek: Das müssen Sie mir erklären: Wie geht „Digitale Überforderung“? Was Sie meinen, ist fehlende Agilität bei der Innovation, die in einer Art Digital-Darwinismus endet. Ja, das wird es hier und da geben. Das Problem ist die Herangehensweise: Wir haben unter anderem Banken gesehen, deren Digitalisierungsdepartment oder Innovationsabteilung an den Chief Marketing Officer berichtet. Ernsthaft? Digitalisierung als Marketing-Gag? Was in der Bankenbranche gilt, gilt im Mittelstand ebenso: Wenn Sie die Digitalisierung von jemandem leiten lassen, bei dem es so klingt, als ob er eine fremde Sprache imitiert, gibt das ein vorhersagbares Desaster. Bestellen Sie doch mal in einem fremden Land durch Sprachimitation ein Essen und schauen, was passiert...

„Es wird einen knallharten Selektionsprozess in jeder Industrie geben.“

Oliver Schimek

Es wird bisweilen so getan, als wäre Digitalisierung eine Option unter vielen. Das ist nicht der Fall. Es wird einen knallharten Selektionsprozess in jeder Industrie geben. Ich verstehe auch die Risk-Return Analysen nicht, die Unternehmen dazu verleiten, mit der Digitalisierung noch ein bisschen zu warten, weil es ja sein könnte, dass sich doch noch was ändert. Dann passt man halt nochmal an. Und für diejenigen, die Digitalisierungsmuffel sind: Sie sind der beste Freund Ihres Mitbewerbers. Denn der digitalisiert. Im Mittelstand wie bei den Banken – versprochen.

CrossLend GmbH
Kemperplatz 1
10785 Berlin
Deutschland

Tel. +49 30 56838052

www.crosslend.com


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